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Fazit | Beitrag vom 08.05.2020

Konzertveranstalter in der CoronakriseZeitenwende in der Klassik

Karsten Witt im Gespräch mit Eckhard Roelcke

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Eine Geigerin spielt für einen einzigen Zuschauer im Flughafen Stuttgart. (picture alliance/Sebastian Gollnow/dpa)
Kreativ auf die Krise reagieren: 1-zu-1 Konzert im Stuttgarter Flughafen. (picture alliance/Sebastian Gollnow/dpa)

Die Bayreuther Festspiele wurden abgesagt, Opern und Konzertsäle geschlossen: Corona trifft den Klassikbetrieb ins Mark. Wenn nicht mehr Orchester subventioniert werden, würden viele die Krise nicht überleben, sagt Konzertveranstalter Karsten Witt.

Die Coronakrise trifft Konzertveranstalter hart: Festivals werden abgesagt, Opernhäuser sind geschlossen und wann es wieder Konzerte geben wird und unter welchen Bedingungen diese stattfinden werden, ist noch unklar.

Das Geschäftsmodell von Konzertagenturen habe sich als unmöglich erwiesen, sagt Karsten Witt, Klassik-Musikmanager und Konzertveranstalter. An jedem Engagement arbeite man zwei oder drei Jahre, ohne zu wissen, ob tatsächlich Geld fließt. Das solle sich ändern: "Künstler werden uns in Zukunft in irgendeiner Form fest bezahlen müssen", meint Witt.

Kein Konzert, kein Geld

Aber auch Verträge von Künstlern sollten anders gestaltet werden, so Witt. "Force majeure"-Klauseln führen zurzeit dazu, dass in Fällen von höherer Gewalt kein Ausfallhonorar gezahlt wird. Ein Dirigent, der ein ganzes Programm mit neuer Literatur einstudiert, einen Probenplan erstellt, für das Orchester anreist und probt, bekommt, wenn das Konzert abgesagt wird, kein Geld. "Das ist natürlich unakzeptabel", betont der Musikmanager.

Witt sieht aber auch positive Folgen der derzeitigen Situation: Die Klassikszene vernetze sich stärker, auch durch Zoom-Konferenzen. Und die Künstler würden übers Internet direkter mit dem Publikum kommunizieren. "Da hat sich sehr schnell etwas entwickelt, was sonst vielleicht viel länger gedauert hätte", so Witt.

Orchester müssten sich zum Teil neu erfinden, sagt Witt: "Weil sie jetzt plötzlich in kleineren Ensembles auftreten." Das sei eine Chance für die Kammermusik. Neben dem Problem, wie viele Leute auf der Bühne sitzen dürfen, beschäftige ihn stärker noch das Problem, wie viele Leute vor der Bühne sitzen dürfen, erzählt Witt.

Ausnahmezustand in der Philharmonie

Wenn im großen Saal der Berliner Philharmonie nur noch jeder sechste Platz besetzt werden darf, dann sei das jeden Abend eine Demonstration des Ausnahmezustandes, so Witt. Kein privater Veranstalter könne es sich leisten unter solchen Bedingungen einen Raum zu mieten. "Ein ganzer Bereich unseres Musiklebens bricht uns da weg", bedauert er.

Nach der Krise werden die Honorare sinken und es werde weniger Konzerte geben, prophezeit Witt. "Für alle freischaffenden Künstler ist die Situation desaströs." Der Musikmanager plädiert für mehr staatliche Unterstützung für Orchester: "Entweder die werden in ganz anderem Maße subventioniert als vorher oder es wird sie einfach nicht mehr geben."

(beb)

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