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Frühkritik | Beitrag vom 17.08.2016

Konzert in BerlinMorrissey sagt Krebs den Kampf an

Von Oliver Schwesig

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Mit großen Gesten präsentiert Morrissey seine Songs. (picture alliance / dpa / epa Mitchell)
Mit großen Gesten präsentiert Morrissey seine Songs. (picture alliance / dpa / epa Mitchell)

"I remain to the last" – mit diesem trotzigen Satz begann das einzige Deutschlandkonzert des britischen Sängers Morrissey im Berliner Tempodrom. Es war eine Kampfansage an die Krebserkrankung, die ihn seit Jahren schwächt. 90 Minuten lang hielt seine immer noch bemerkenswerte Stimme.

Morrissey ließ es gar nicht erst auf eine Nostalgie-Tour ankommen: Nur zwei Songs seiner ehemaligen (Kult-)Band The Smiths lieferte er an diesem Abend vor ausverkauftem Haus. Der Rest der Setlist bestand aus Songs seines inzwischen auch schon zehn Alben umfassenden Solowerks. Brav verbeugte sich der Meister nach jedem Song für den erhaltenen Applaus und bedachte das Publikums mit zustimmenden "Bravo"-Rufen.

Getrübt wurde der Abend durch eine fast starr und ohrenbetäubend laut agierende Band. Von einem Dutzend Über-Fans am Bühnenrand abgesehen, blieb das Publikum eher passiv, was über einige Strecken zu einer etwas blutleeren Atmosphäre im Saal führte.

"No Trump, no Clinton!"

Unnötig indes waren Morrisseys politischen Äußerungen, die Stammtischniveau kaum verließen wie "Alle Politiker sind Lügner" oder "No Trump, no Clinton!". Ein irgendwie verwirrendes politisches Verhalten ohne klare Linie – noch vor ein paar Tagen schlug er sich auf die Seite der Brexit-Gegner, wetterte gegen die liberale Berichterstattung der BBC, nun verteufelte er den gesamten Politikbetrieb. Das Konzert wäre ohne Statements schöner ausgefallen.

Die Fans konnten dennoch glücklich nach Hause gehen. Die Aura dieses Kultsängers ist immer noch ungebrochen. Ein krebskranker Morrissey überzeugte trotz schwacher Band und peinlicher Statements mit großer Stimme.

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