Seit 06:05 Uhr Studio 9
Samstag, 08.05.2021
 
Seit 06:05 Uhr Studio 9

Konzert / Archiv | Beitrag vom 03.03.2015

Konzert aus der Philharmonie BerlinHeidnische Melomanen

Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin

Die Sopranistin Jacquelyn Wagner (Agentur/RSB)
Die Sopranistin Jacquelyn Wagner (Agentur/RSB)

Mystisch und orientalistisch, bisweilen sogar heidnisch geht es zu in diesem Programm des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin, das Chefdirigent Marek Janowski außerdem mit der Sopranistin Jacquelyn Wagner und dem Rundfunkchor Berlin bestreitet.

Musik war ihm nicht genug - selbst seine genialen pianistischen Fähigkeiten reichten Alexander Skrjabin nicht aus. Er musste seine Musik, die er alsbald komponieren sollte, zur mystischen Religion erklären. Im April des Jahres jährt sich sein 100. Todestag. Dem russische Künstler blieb durch seinen recht frühen Tod die Begegnung mit der Entzauberung der Welt durch die kommunistische Revolution erspart. Seine Musik kann heute noch Kopfschütteln, aber auch Faszination auslösen.

Das RSB mit seinem doch recht rationalen Chefdirigenten Marek Janowski machte sich in diesem Konzert auf die Suche nach der Ekstase, die Skrjabin mit seiner Sinfonischen Dichtung op. 54 auslösen wollte.

Nicht weniger ekstatisch war die Wirkung des Orients auf so viele Komponisten in Frankreich, das sich ja einen nicht unerheblichen Teil des Orients kolonial unterworfen hatte. Das Fremde, das Bezaubernde, aber auch das geheimnisvoll Beängstigende der "anderen" Kulturen und Religionen war und ist heute noch immer wieder ein guter Ansatz, um Kunst zu schaffen. Erst recht in der subjektivsten Form aller Künste, der Musik.

Ob nun Maurice Ravel eine erotisch anziehende Märchenfee singen lässt wie in den drei Gedichten der "Shéhérazade" oder sein weitgehend unbekannt gebliebener Zeitgenosse Florent Schmitt einen biblischen Psalm wie ein "heidnisches Triumphlied eines orientalischen Volkes" (Steffen Georgi) behandelt - alles ist möglich in der Musik, auch die Verdrehung historischer und klanglicher Tatsachen.

Von der Bewunderung für die Musik Richard Wagners und Richard Strauss' war es bei Florent Schmitt nicht weit bis zur Sympathie für die deutschen Nationalsozialisten. Die Debatte über seine Rolle zu Zeiten des Vichy-Regimes ist in Frankreich noch nicht abgeschlossen. Es gibt sogar hässliche Berichte darüber, dass er bei der Aufführung von Auszügen von Kurt Weills "Der Silbersee" in Paris 1933 "Es lebe Hitler" und weitere schlimme Dinge gerufen haben soll.

 

Philharmonie Berlin

Aufzeichnung vom 1. März 2015

 

Alexander Skrjabin

"Le Poème de l'extase" für Orchester op. 54

 

Maurice Ravel

"Shéhérazade" - drei Gedichte für Sopran und Orchester

 

Florent Schmitt

Psalm 47 für gemischten Chor und Orchester

 

Jacquelyn Wagner, Sopran

Rundfunkchor Berlin

Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin

Leitung: Marek Janowski

 

 

App: Dlf Audiothek

Die neue Dlf Audiothek App ist ab sofort in den Appstores von Apple und Google zum kostenlosen Download erhältlich (Deutschlandradio)

Entdecken Sie mit der Dlf Audiothek die Vielfalt unserer drei Programme, abonnieren Sie Ihre Lieblingssendungen, wählen Sie aus Themenkanälen und machen daraus Ihr eigenes Radioprogramm.


Jetzt kostenlos herunterladen

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur