Kontrolle und Zufall

John Cage (1979) © AP
11.10.2011
"Komponist, Architekt, Visionär": so charakterisiert eine Ausstellung der Akademie der Künste in Berlin die dreifache Begabung des griechischen Künstlers Iannis Xenakis. Die Ausstellung, Bestandteil der ein Jahr dauernden Aktivitäten zum 100. Geburtstag von John Cage, trägt den Titel "Kontrolle und Zufall" – und so sind auch zwei lange Konzertabende überschrieben, die das Aufeinandertreffen denkbar gegensätzlicher ästhetischer Ansätze in den 1950er Jahren beleuchten.
Serialismus vs. Aleatorik, das geschlossene kompositorische System auf der einen Seite, Zufalls- und Wahrscheinlichkeitsstrategien auf der anderen. Das waren die Frontlinien, an denen entlang die kompositorischen Auseinandersetzungen jener Zeit verliefen. Und die bis heute nachwirken. Weshalb das Programm der Akademie-Konzerte dem künstlerischen Wechselspiel von Kontrolle und Zufall bis in die Gegenwart folgt.

So spannt sich der Bogen von Karlheinz Stockhausens "Kontra-Punkte" aus dem Jahr 1952 über Werken von Vinko Globokar und Erhard Grosskopf, die auf unterschiedliche Weise fixierte Notentexte mit Zufalls- und Improvisationsmomenten verknüpfen, bis zu jungen Komponisten wie Ulrich Alexander Kreppein und Johannes Kreidler.

Im Zentrum aber steht Iannis Xenakis, der mit komplexen stochastischen Berechnungen Kontrolle und Zufall in eine naturwissenschaftlich fundierte und emotional mitreißende Balance brachte. Zu hören ist neben "Anaktoria" aus dem Jahr 1969 vor allem das grandiose "Persephassa" für sechs Schlagzeuger.
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Akademie der Künste, Berlin
Aufzeichnung vom 7./8.10.11

Iannis Xenakis
"Anaktoria" für acht Instrumente

John Cage
"Etudes Boreales" für Klavier und Violoncello

Karlheinz Stockhausen
"Kontra-Punkte" für zehn Instrumente

Erhard Grosskopf
Streichtrio

ca. 20:45 Uhr Konzertpause mit Nachrichten
Ausschnitte aus zwei Vorträgen zu "Kontrolle und Zufall"
im Rahmen der Konzerte

Vinko Globokar
"Correspondences" für vier Solisten

Johannes Kreidler
"windowed 1 Version 1" für Schlagzeug und Zuspielung

"Stil 1c" für Piccoloflöte, Baritonsaxofon, Vibrafon und Zuspielung

Ulrich Alexander Kreppein
"Nachtschattenwirbel (Phantasiestücke Nr. 2)" für Ensemble

Hans-Joachim Hespos
"t a n E K - elektroAkustische spur und improvisierender kontrabaß" - Uraufführung

Iannis Xenakis
"Persephassa" für sechs Schlagzeuger

Matthias Bauer - Kontrabass
Michael Weilacher, Daniel Buess, Jürgen Grötzinger,
Matthias Engler, Oli Steidle, Fran Lorkovic - Schlagzeug
Les Femmes Savantes
Kammerensemble Neue Musik Berlin
Leitung: Manuel Nawri