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Mittwoch, 17.07.2019
 
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Interview | Beitrag vom 17.06.2019

Konservieren und restaurierenWas tun, wenn das Kunstwerk beschädigt ist?

Erwin Emmerling im Gespräch mit Julius Stucke

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Restauratorin Kate Tarleton arbeitet an einem Teil des Gemäldes "Grand Panorama of a Whaling Voyage Round the World" aus dem Jahr 1848 im New Bedford Whaling Museum, in Massachusetts (USA). (AP - Steven Senne)
Millimeter-Arbeit: Eine Restauratorin bei der Arbeit. (AP - Steven Senne)

Am Morgen hieß es, ein Kind hätte auf der Art Basel ein Kunstwerk ruiniert. Die Meldung stimmte glücklicherweise nicht, aber wie geht man mit beschädigter Kunst um? Erwin Emmerling ist Konservierungwissenschaftler und weiß Bescheid.

Die Fliege ist noch heil - ein Kleinkind hatte auf der Art Basel ein 50.000 Euro teures Kunstwerk in Form einer Fliege von einem Sockel gerissen. Zuerst wurde vermeldet, das Kunstwerk sei zerstört, doch die Art Basel gab schließlich Entwarnung: Das Kunstwerk sei heil.

Kann man Kunst reparieren? "Man kann Kunst reparieren, aber die Restauratoren ziehen es vor, von konservieren oder restaurieren zu sprechen und nicht von Reparatur", sagt Erwin Emmerling, Professor im Ruhestand für Kunsttechnologie und Konservierungswissenschaft. Doch auch reparierte Schäden könnten den Wert des Kunstwerks mindern, nämlich dann, wenn der Ausgangszustand nicht wieder hergestellt werden könne.

Die Asche eines Kunstwerkes als Reliquie

Irreparabel kaputt wäre ein Kunstwerk, wenn es zum Beispiel vollständig verbrannt sei, sagt Emmerling, "wenn es nur noch ein Haufen Asche ist". Doch selbst dann könne man die Asche noch in ein Glas füllen und wie eine Art Reliquie aufheben.

"Zu einer klassischen korrekten Restaurierung gehört auch immer ein Restaurierungsbericht, wo drauf hingewiesen wird, dass irgendwann einmal ein mehr oder weniger großer Schaden restauriert wurde", erklärt er. Besonders dann, wenn der Schaden den Marktwert übersteige, werde nicht restauriert, sagt Emmerling - das sei häufig bei zeitgenössischer oder aktueller Kunst der Fall.

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