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Interview | Beitrag vom 10.06.2020

Kompromiss zu Gedenkort für NS-OpferGedenkensemble mit drei Gliedern

Rita Süssmuth im Gespräch mit Nicole Dittmer

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Eine Grünfläche mit einem Spazierweg und Parkbänken. Im Hintergrund die Ruine des Anhalter Bahnhofs. (imago images / Jürgen Ritter)
Der Askanische Platz in Berlin ist seit längerem als Standort des geplanten Gedenkorts im Gespräch. (imago images / Jürgen Ritter)

Um einen Gedenkort der Opfer des Zweiten Weltkriegs in Berlin wird seit längerem gestritten. Nun gibt es einen neuen Kompromissvorschlag. Geplant sei ein Ort mit "drei Gliedern", sagt die Präsidentin des Deutschen Polen-Instituts, Rita Süssmuth.

Um die Frage, wie ein neuer NS-Erinnerungsort in Berlins Mitte aussehen könnte, wird immer wieder debattiert. Dass es ihn geben soll, ist unstrittig. Zuletzt hatten sich die Kulturwissenschaftlerin Aleida Assmann und die beiden Historiker Heinrich August Winkler und Martin Aust in einem Brief an Bundestagspräsident Schäuble gewandt.

Ihre Vorstellung: ein Ort der Dokumentation deutscher Besatzungsherrschaft in ganz Europa und ein Ort des Gedenkens an die Opfer des deutschen Vernichtungskriegs insbesondere im Osten Europas. 

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Daneben gibt es eine Initiative um den ehemaligen Präsidenten des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung, Florian Mausbach, die die Errichtung eines Denkmals für die Opfer der Besetzung Polens vorgeschlagen hat.

Drei Glieder zum Erinnern

Jetzt haben die "Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas" und das Deutsche Polen-Institut einen Kompromissvorschlag veröffentlicht. Der Kompromiss bestehe aus drei Elementen, erklärt Rita Süssmuth, Präsidentin des Deutschen Polen-Instituts: Die Erinnerung mit besonderem Blickwinkel auf Polen, ein Dokumentationszentrum und "der dritte, für mich auch ganz wichtige Gedanke, denn wir leben nicht nur in der Erinnerung, sondern haben eine Verantwortung für die Zukunft, Bildung und Begegnung."

Ein Gebäude mit "drei Gliedern" sei geplant, sagt Süssmuth, "aber in jedem Fall denken wir daran, das Polendenkmal zu verbinden mit einem Dokumentations- und Begegnungszentrum."

Sie hoffe, dass man "mit dieser Ausrichtung" nach Möglichkeiten vielen mit ihren unterschiedlichen Vorstellungen, "was Erinnerung leisten müsse", gerecht werde. Der Ort solle genug Raum für alle bieten.

(nho)

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