Kolonialgeschichte in New York City

    Sticker klären über Sklaverei auf

    Von Antje Passenheim · 18.09.2021
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    New York ist voll von Straßennamen, die auf Sklavenhalter und Sklavenhändler zurückgehen. Doch viele wissen das nicht. Eine Initiative möchte das ändern und hat sich dafür eine einfache und effektive Methode ausgedacht.
    Ecke Wyckoff-Avenue und Jefferson Street in Brooklyn. Zwei Straßen, benannt nach zwei ehemaligen Sklavenhaltern: Jefferson, der dritte US-Präsident und die einst einflussreiche New Yorker Familie Wyckloff. Ada Reso und Elsa Waithe – Initiatorinnen der kleinen Gruppe "Slavers of New York" – wollen ein Bewusstsein für diese Geschichte schaffen.
    "Wir gehen jetzt die Wyckoff Ave runter und kleben da unsere neuen Sticker, die erzählen: "Die Wyckoff-Familie, das waren Sklavenbesitzer", sagt Elsa Waithe.

    Recherche in Volkszählungsunterlagen und Archiven

    Ihr Wissen darum beziehen sie aus alten Archiven oder Volkszählungsunterlagen, in denen Familien auch ihre Sklaven aufführen mussten. "Wir haben Zeitungsannoncen gefunden, wo Leute zum Beispiel ihre Sklaven zum Verkauf angeboten haben oder die Wyckoffs Suchanzeigen aufgegeben haben, wenn Sklaven weggelaufen waren", erzählt Ada Reso.
    Ada Reso (l.) und Elsa Waithe an der Jefferson Street Station in New York
    "Wir wollen die Geschichte richtig erzählen", sagen Ada Reso (l.) und Elsa Waithe. © Miriam Braun
    Die Aktivistinnen haben mehr als 500 verschiedene Orte ausgemacht, die rund 200 Namen von ehemaligen Sklavenhaltern tragen. Typischerweise reiche Landbesitzer, durch deren Besitz dann später Straßen gezogen wurden. Und die wurden nach ihnen benannt.

    "Wir wollen die Geschichte richtig erzählen"

    Das Ziel, die Namen zu ändern, verfolgen sie nicht. "Wir wollen die Geschichte richtig erzählen", sagt Elsa Waithe. "Das Narrativ ist, dass New York und der ganze Norden die Guten in den Sklavenzeiten waren. Aber New York war die längste Zeit ein Zentrum des Sklavenhandels. Die Wallstreet ist von Sklaven gebaut worden."
    Dabei sind sie mit ihrer Aktion schon auf offene Ohren getroffen. Der voraussichtlich künftige New Yorker Bürgermeister Eric Adams ist Afroamerikaner. Und er hat schon gesagt: Er könnte sich vorstellen, solche Straßennamen in New York zu ändern. Die beiden sind jedoch der Meinung: Ein Name allein verändert nichts. Das ist Kosmetik. Viel wichtiger ist doch die ehrliche Auseinandersetzung. Und um die in Gang zu bringen, kleben sie ordentlich weiter.
    (gekürzte Online-Textfassung)
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