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Im Gespräch | Beitrag vom 03.05.2019

Kochbuch-Verlegerinnen Julia und Simone GraffErfolg mit Rezepten von Uroma Mizzi

Moderation: Annette Riedel

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Die Kochbuch-Verlegerinnen Julia und Simone Graff (Michael Brem)
Die Kochbuch-Verlegerinnen Julia Graff (links) und Simone Graff (Michael Brem)

"Wir graben unsere Nase sehr tief in die Kulinarik." Julia und Simone Graff leiten einen der letzten unabhängigen Kochbuchverlage. 100 Jahre alt ist der Hädecke-Verlag, dessen Longseller von 1921 die besten Rezepte ihrer Urgroßmutter präsentiert.

Die Schwestern Julia und Simone Graff leiten den Kochbuch-Verlag Hädecke im schwäbischen Weil der Stadt in der nunmehr vierten Generation. "Das ist einfach Teil unserer Identität. Wir sind von früh auf da herangeführt worden. Es wurde nie gesagt: 'Das schmeckt dir ja sowieso nicht', sondern wir durften probieren", sagt Simone Graff.

Urgroßvater Walter hatte den Verlag vor genau 100 Jahren gegründet, um bibliophile Kostbarkeiten herauszubringen. Doch weil das Geschäft nicht viel einbrachte, verlegte er sich auf Nahrhafteres: Kochbücher. Der erste Erfolgstitel war das "Kiehnle Kochbuch" von 1921, dessen Rezepte Uroma Mizzi zuvor alle nachgekocht hatte, und das der Verlag bis heute im Programm hat.

Die Nase tief in der Kulinarik

Wie kann ein kleiner Traditionsverlag so lange überleben? Indem er nicht jedem Koch-Trend hinterherläuft, meint Julia Graff:

"Dadurch, dass wir sehr klein und flexibel sind und unsere Nase doch manchmal sehr tief in die Kulinarik eingraben, bringen wir Dinge, da hat noch kein Mensch davon gesprochen."

Dabei spüren die beiden Verleger-Schwestern aber die heftige Konkurrenz aus dem Internet, die Koch-Apps und Online-Rezeptsammlungen, die auf Mausklick Menüs auswerfen. Dennoch ist Simone Graff sicher, dass Kochbücher eine Zukunft haben:

"Wir erzählen einfach auch die Geschichten derjenigen, die die Rezepte geschrieben haben. Oder die Geschichten rund um die Rezepte, wo sie herkommen, welche Traditionen sie haben."

"Das Kochbuch verbreitet Sinnlichkeit"

Und Schwester Julia ergänzt: "Ich glaube, dass das gedruckte Buch im Bereich des Kochbuchs einfach diese Sinnlichkeit verbreitet, die das Internet nicht hinkriegt."

Dabei sind Julia und Simone Graff nicht nur Geschäftsfrauen, die Bücher über das Kochen verkaufen, um damit ihr Brot zu verdienen, sie sind auch leidenschaftliche Köchinnen. "Es ist wie eine Art Meditation, in der Küche zu stehen", sagt Simone Graff, denn:

"Das Kochen und Genießen ist glücklicherweise vielen Menschen sehr, sehr wichtig geworden, auch als Gegenpol zu einer immer schneller werdenden Umwelt. Und wenn wir es da einfach weiterhin schaffen, da auch die Begeisterung und die Freude zu verbreiten, die Kochen und Genießen einfach machen kann, dann sind wir, glaube ich, auf einem ganz guten Weg."

In diesen Wochen sind Julia und Simone Graff anlässlich des 100-jährigen Jubiläums auf Tour und stellen ihren Verlag in ausgesuchten Buchhandlungen vor. Klar, dass dabei auch gekocht bzw. Selbstgekochtes serviert wird – natürlich nach den Rezepten aus ihren Büchern, nicht zuletzt denen von Uroma Mizzi.

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