Mittwoch, 28.10.2020
 

Konzert / Archiv | Beitrag vom 14.12.2013

"Kniefall in Warschau"

Oper von Rosenfeld aus Dortmund

Geste der Demut und Entschuldigung: Willy Brandts berühmter Kniefall vor dem Denkmal für die ermordeten Juden in Warschau, 6.12.1970 (AP-Archiv)
Geste der Demut und Entschuldigung: Willy Brandts berühmter Kniefall vor dem Denkmal für die ermordeten Juden in Warschau, 6.12.1970 (AP-Archiv)

Am 7. Dezember 1970 legte Willi Brandt kurz vor der Unterzeichnung des Warschauer Vertrages zwischen Polen und der Bundesrepublik Deutschland einen Kranz am Ehrenmal der Helden des Warschauer Ghettos nieder. Er sank auf die Knie und verharrte so schweigend etwa eine halbe Minute. Diese als "Kniefall von Warschau" in die Geschichte eingegangene Demutsgeste wurde in der ganzen Welt als Symbol der Bitte um Vergebung für die deutschen Verbrechen im Zweiten Weltkireg verstanden.

Gerhard Rosenfelds Oper "Kniefall in Warschau" wurde am 22. November 1997 am Theater Dortmund uraufgeführt. Im Libretto von Philipp Kochheim nach einer Idee des Regisseurs John Dew geht es um das Leben des berühmten Politikers, in dem dieser "Kniefall" eine zentrale Rolle spielt.

John Dew erinnert sich an die Entstehung dieses Auftragswerks für die Dortmunder Oper: "Auf der Suche nach Mitarbeitern für das Projekt fand ich zunächst den Librettisten. Philipp Kochheim hatte für mich unter anderem den Vorzug, die historischen Ereignisse nicht selbst erlebt zu haben. Gerade drei Tage nach dem Ereignis geboren, das der Oper den Titel gibt, musste er sich das Material so erarbeiten, als ob ein Archäologe die ägyptische Geschichte zum Leben erwecken will.
 
Die Idee, einen ostdeutschen Komponisten für das Werk zu interessieren, haben wir dann gemeisam gehabt. Dahinter steht natürlich die Idee des Stücks - ein sichtbares Zeichen für den Brückenschlag der Brandtschen Ostpolitik. Erst habe ich Siegfried Matthus gefragt, den das Projekt sehr interessiert hat, den aber ganz andere Aspekte der Figur faszinierten als mich.

Schließlich kam von vielen Seiten der Hinweis auf Gerhard Rosenfeld, einen Komponisten, der zu DDR-Zeiten nicht in der ersten Reihe der Prominenten stand, den ich nicht einmal kannte, für dessen Musik ich mich aber sofort begeistern konnte. Ich traf ihn in Berlin, schilderte die Idee und fragte, ob er Interesse hätte, die Oper zu komponieren. Rosenfeld schaute einen Moment lang sehr erstaunt und sagte dann nur: Ja."   
 

Oper in deutschen Ländern
Theater Dortmund
Aufzeichnung vom 07.12.1997
Gerhard Rosenfeld
"Kniefall in Warschau"
Oper in 9 Bildern
Libretto: Philipp Kochheim
 
Willy Brandt - Hannu Niemelä, Bariton 
Der alte Brandt - William Killmeier, Bariton 
Der junge Brandt - Sven Ehrke, Bariton  
Der Fremde - Christian Baumgärtel, Tenor  
Egon Bahr - Thomas Harper, Tenor          
Rut Brandt - Monika Krause, Sopran     
Herbert Wehner  - Andreas Becker, Bassbariton     
Rainer Barzel - Hannes Brock,Tnoer      
Referent - Karl-Heinz Lehner, Bassbariton    
Walter Scheel - Lorenz Minth, Bariton       
Berater - Peter Santucci, Tenor        
Günter Guillaume - Norbert Schmittberg, Tenor   
Willi Stoph - Klaus Feyerabend, Bariton    
Ankläger - Matthias Hoffmann, Bariton 
Franz Josef Strauß - Thomas Mehnert, Bassbariton
Ein Freund - Karl-Heinz Lehner, Bariton  
Ansager - Rüdiger Beermann, Sprecher  
Chor des Theaters Dortmund
Philharmonisches Orchester Dortmund
Leitung: Alexander Rumpf

nach Ende der Oper ca. 21:10 Uhr Nachrichten

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