Klimaschutz aus Eigennutz

Der Markt muss es richten: Nur wenn die Folgen für den Klimawandel in Energiekosten einberechnet werden und die Preise dementsprechend steigen, werden die Menschen ins Energiesparen investieren, meinen Andreas Wolfsteiner und Günter Wittmann.
Bisher setzten viele auf Überzeugung und freiwilliges Handeln, wenn es darum geht, etwas Richtiges für Umwelt und Klima zu tun. Anders die Autoren Andreas Wolfsteiner und Günter Wittmann: sie plädieren für egoistisches Handeln. Nur wenn jeder einzelne beim Klimaschutz persönliche Vorteile hat, sei die enorme Reduktion von Klimagasen noch zu schaffen. Ein Industrieland wie Deutschland muss aber bis 2050, also in den nächsten 38 Jahren, seinen CO2-Ausstoß um 90 Prozent verringern. Gelingt dies nicht, dann droht eine unkontrollierte Erderwärmung - etwa durch bislang in Dauerfrostböden gelagertes und unterseeisches Methan. Der Meeresspiegel stiege dann um bis zu sieben Meter.

Die angestrebten Klimaziele dennoch zu erreichen, gelingt nur, wenn Umweltbelastungen durch Treibhausgase endlich etwas kostet, so die Autoren. Beide haben Erfahrung mit Preisgestaltung im Energiesektor: Bislang sei unsere Energie aus Kohle, Öl und Gas deshalb so billig, weil der angerichtete Schaden nicht einkalkuliert wird. Erst wenn die Klimaschäden mit einberechnet werden, lohne es sich, ins Energiesparen zu investieren, mehr öffentlichen Verkehr zu benutzen statt Privatautos, Häuser besser zu dämmen und verstärkt grüne Energiequellen zu nutzen. Diese Idee ist nicht neu, aber die Autoren liefern ein eigenes plausibles Modell, wie der Klimaschutz in den Preis einfließen soll. Der eigene wirtschaftliche Vorteil sei ein viel wirksamerer Antrieb als alle Förderprogramme des Staates, so die beiden Wirtschaftswissenschaftler. Bei aller wissenschaftlichen Korrektheit bleibt ihr Buch dabei gut verständlich und auch für Nichtfachleute nachvollziehbar.

Detailliert rechnen Andreas Wolfsteiner und Günter Wittmann vor, wie viel Klimagase welche Weltregion einsparen muss. Auch für Entwicklungsländer könnte sich Klimaschutz auszahlen, wenn die Industrieländer bei ihnen nachhaltige Energiequellen fördern, um Treibhausgase zu reduzieren. Den nötigen Kostenaufschlag auf die fossilen Energieträger wollen die Regensburger Autoren über eine Energiesteuer erreichen, die vorhersagbar steigt oder über einen Handel mit Emissionsrechten. Danach bekäme jedes Land ein Budget, wie viel Klimagas es ausstoßen darf. Das kann es dann auf alle Energieerzeuger aufteilen, die wiederum die Kosten an alle Energienutzer weitergeben. Wer das nicht schafft, muss Emissionsrechte zukaufen, oder anderswo Kohle und Öl einsparen helfen. So könnte es für eine deutsche Firma lukrativ werden, ein Kohlekraftwerk in Indien mit wenig Geld effektiver zu machen, weil das auf eigene Emissionsrechte wirkt.

Das wichtigste Anliegen der Autoren ist, dass die Weichen schnell gestellt werden, damit langfristige Investitionen schon heute nicht mehr in Kohle, Öl und Gas, sondern in die Energieträger der Zukunft und ins Energiesparen fließen. Dann, so ihre positive Botschaft, ist das Klimaziel noch zu erreichen - und zwar ohne Lebensqualitätverlust.

Besprochen von Susanne Harmsen

Andreas Wolfsteiner/ Günter Wittmann: Nur Egoismus kann das Klima retten
Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2011
240 Seiten, 19,99 Euro
Mehr zum Thema