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Tacheles / Archiv | Beitrag vom 28.12.2019

Klimaforscherin Antje BoetiusWissenschaft muss sich einmischen

Antje Boetius im Gespräch mit Martin Mair

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Antje Boetius, Direktorin des Alfred-Wegener-Instituts - Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven, steht am Gästehaus der finnischen Stadt Oulu in einem Wald. (dpa/ Bernd von Jutrczenka)
Die Direktorin des Alfred-Wegener-Instituts Antje Boetius beschäftigt sich unter anderem mit der Frage, wie unsere Welt nachhaltiger werden kann. (dpa/ Bernd von Jutrczenka)

Wissenschaftler belegen durch Daten die Erderwärmung, den Wandel des Klimas. Der renommierten Klimaforscherin Antje Boetius genügt das nicht. Sie hat sich entschieden, klare Forderungen zu stellen und der Politik Handlungsvorschläge zu machen.

Der einsame Eisbär auf einer abgebrochenen Scholle in der Arktis ist zum Sinnbild für den Klimawandel geworden. Doch was weit weg scheint, hat viel mit unserem Lebensraum zu tun: Die Eismassen des Nordpols spielen für das Klima weltweit eine entscheidende Rolle – und sie schmelzen derzeit so rasant, wie nie zuvor.

Die größte Arktisexpedition aller Zeiten erforscht derzeit das dortige Klimasystem. Ein Jahr lang soll das Forschungsschiff "Polarstern" des Alfred-Wegener-Instituts durch das Nordpolarmeer driften. Die Forscher haben sich dazu im ewigen Eis einfrieren lassen.

Doch Forschung allein reicht Institutschefin Antje Boetius nicht aus – sie mischt sich leidenschaftlich in die politische Debatte ein. Zusammen mit namhaften Expertinnen hat sie in diesem Jahr der Bundesregierung ein verheerendes Zeugnis der deutschen Klimapolitik ausgestellt. "Wenn wir sehen, dass die Gesellschaft gigantische Risiken eingeht, sind wir gefordert, darauf hinzuweisen", sagt die Meeresbiologin. Mit den derzeit beschlossenen Maßnahmen werde Deutschland seine selbstgesteckten Ziele für das Jahr 2030 nicht einhalten.

Prof. Dr. Antje Boetius, geboren 1967, ist seit November 2017 Direktorin des Alfred-Wegener-Instituts für Polar und Meeresforschung in Bremerhaven. Die preisgekrönte Meeresbiologin ist eine der renommierten Tiefseeforscherinnen der Welt und hat mehr als 50 internationale Expeditionen geleitet. Ihre wissenschaftliche Arbeit konzentriert sich darauf, den Einfluss der Ozeane auf unser Klima zu ergründen. Daneben will Boetius für die Folgen des Klimawandels sensibilisieren. 

Das Interview im Wortlaut:

Deutschlandfunk Kultur: Herzlich willkommen. Zwischen den Jahren sprechen wir über den Klimawandel. Ein Thema, das uns 2019 im Deutschlandfunk Kultur ganz intensiv beschäftigt hat. Es treibt die Jugend auf die Straße, die Politiker in einen Konferenz-Marathon – und uns allen ist klar, da kommt etwas auf uns zu. Aber was genau eigentlich? Können wir die Erderwärmung noch stoppen? Und warum hat der traurige Eisbär auf einer Scholle in der Arktis mehr mit uns zu tun, als wir denken?

Beantworten kann all das Antje Boetius. Sie ist die Chefin des Alfred-Wegner-Instituts für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven. Frau Boetius, zwischen den Jahren zieht man ja immer so gerne Bilanz. Wie fällt denn Ihre aus in puncto Klimaschutz?

Boetius: Das ist dieses ganze Jahr so hin und her gesprungen. Fangen wir erstmal mit Deutschland an. Auf der einen Seite ist es so wichtig, dass unsere Regierung sich noch entschlossen hat, die Versprechen der Großen Koalition anzugehen und ein Klimaschutzpaket auf den Weg zu bringen.

Zugegebenermaßen sind wir als Wissenschaftler, die im inneren oder auch im entfernteren Kreis mit der Beratung zu tun hat, davon aber enttäuscht gewesen. Immerhin gab es kurz vor Weihnachten dann doch noch vom "Paketchen" die ersten Schritte in Richtung "Paket". Da tut sich nochmal etwas, denn es wird eben doch erkannt: Wir müssen schon das Steuer so in die Hand nehmen, dass dann auch für den Bürger und für die Bürgerin etwas Merkbares herauskommt. Und zwar "merkbar" im Sinne der Logik des Klimaschutzes, sprich: nicht mehr so viel CO2 in die Atmosphäre. Letztlich dass es auch wirklich für den Bürger sichtbar in diese richtige Richtung geht.

Das erwarten alle, und jetzt haben wir die Hoffnung, dass das auch tatsächlich kommt. Vor allen Dingen auch, weil Europa noch eins drauf gesetzt hat und mit dem neuen "Green Deal" auch der Hoffnungsrahmen noch etwas besser geworden ist.

Deutschlandfunk Kultur: Vielleicht bleiben wir kurz noch einen Moment in Deutschland. Vor Weihnachten gab es eine Einigung. Sie sieht so aus, dass CO2 teurer wird, also die Bepreisung wird angehoben. Gleichzeitig steigt die Pendlerpauschale, was dazu führt, dass Autofahren zur Arbeit eigentlich reizvoller wird. Ist das nicht ein Beispiel, dass in Sachen Klimaschutz nicht zusammenpasst?

Boetius: Es geht vor allen Dingen darum, Maßnahmen zu finden, die schnell wirken. Es ist ja klar, dass Menschen, die zu entfernteren Arbeitsplätzen gelangen müssen, jetzt nicht so einfach von einem Tag auf den anderen das mit dem derzeitigen Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln hinbekommen. Da müssen wir auch ehrlich miteinander sein. Das braucht viele Investitionen in Infrastruktur, bis das wirklich funktioniert. Und es gibt auch Regionen, wo das eben noch lange nicht möglich sein wird.

Deswegen geht es jetzt aber darum, denen, die schon können, einen Anreiz zu geben umzusteigen. Und es geht beim CO2-Preis ja auch noch um etwas anderes Wichtiges, nämlich beim EEG-Gesetz nachzusteuern, sodass der Strompreis insgesamt günstiger wird und die regenerativen Energien mehr Aufwind bekommen. Das ist ganz wichtig dafür, dass uns der Umbau, der uns Bürgern versprochen wurde, auch gelingt.

Der nächste große Schritt muss kommen

Deutschlandfunk Kultur: In diesem Monat ist die UNO-Klimakonferenz zu Ende gegangen. Ich habe mal im Abschlussdokument nachgelesen. Da heißt es: Alle Staaten werden ermutigt, "die höchstmögliche Ambition als Reaktion auf die Dringlichkeit" zu zeigen. Geht Ihnen eigentlich das Messer in der Tasche auf, wenn Sie solche Worthülsen hören?

Boetius: Nein. Ich bin ja eigentlich ein Pazifist oder, um mit Michael Jackson zu sprechen, "I’m a Lover not a fighter". Aber ich habe schon am Bildschirm geklebt, praktisch den ganzen Sonntag durch. Letztlich ist es nicht zu einer Entscheidung gekommen. Leider ist es nicht gelungen für den nächsten großen Schritt einen Weg zu finden, nämlich die CO2-Bepreisung im Emissionshandel mit anderen Gestaltungsmaßnahmen so hinzubekommen, dass wir international weiterkommen.

Das zeichnete sich bereits vor der Konferenz ab, insofern war ich da einigermaßen gefasst. Aber dann die Redebeiträge von Brasilien. Die Regierung hat ja sogar noch versucht, die bereits abgestimmten Texte zu Land und Ozean herauszunehmen. Da war ich wirklich sehr wütend, als ich das gehört habe. Aber Gott sei Dank hat dann die Vehemenz, mit der diesmal aber auch die Inselstaaten wie Tuvalu gesprochen haben, geholfen.

Es ist die erste Südseeinsel, wo Menschen umsiedeln müssen, weil die Insel in den nächsten 20 Jahren nicht mehr bewohnbar sein wird. Auch viele afrikanische Staaten haben zusammengehalten und gesagt: "Reißt euch zusammen!" Das hat zumindest geklappt.

Deutschlandfunk Kultur: Brasilien ist ein Land, das auf der Konferenz aufgefallen ist. Australien war eines…

Boetius: USA, zum Verzweifeln.

Deutschlandfunk Kultur: … zum Teil Indien. Die USA haben sich vom Abkommen komplett verabschiedet. Und jetzt haben wir in Deutschland so ein kleines Klimaschutzpaketchen. Lohnt sich das denn überhaupt?

Boetius: Da muss man aufpassen. Natürlich kann man sagen: Die Emission von Deutschland liegt global "nur" bei 2,2 Prozent. Aber man muss ja sehen, wie viele Menschen bei uns wohnen. Da sind wir also weit über dem, was uns eigentlich zusteht, um die Klimaziele zu erreichen.

Es geht um den Rahmen: Wie können wir in Deutschland, dem Land der Erfinder, der Dichter und Denker, uns selbst in eine Position bringen mit unseren Innovationen, um in eine nachhaltige Welt zu kommen? Da dürfen wir nicht schlafen. Wir müssen eine Lösung für die Frage der Arbeitsplätze finden. So wie wir jetzt von der Automobilindustrie abhängen, wird es nicht für immer weitergehen. Die Kohlearbeitsplätze gehen zunehmend verloren. Dafür steigt etwa die Möglichkeit im Bereich Wind- und Solarenergie für neue Arbeitsplätze. Für diesen Umbau brauchen wir einen Rahmen, in dem wir uns in Deutschland entwickeln können.

Dann haben wir natürlich auch Klimaziele in Europa verhandelt. Und hier gilt schlicht und einfach: Wenn wir die nicht schaffen, werden wir gigantisch viel Strafe bezahlen müssen. Und wir haben auch den Aspekt "Vorbild sein". Unsere Regierung verhandelt ja im Namen von uns Bürgerinnen und Bürgern auch international Klimaschutzziele. Da ist es natürlich für Länder wie China oder Brasilien einfach, mit dem Finger auf uns zu zeigen und zu sagen: "Was verhandelt ihr mit uns? Ihr könnt es ja selber gar nicht!"

Deutschland beim Klimaschutz kein Musterschüler

Deutschlandfunk Kultur: Wir sehen uns ja gerne in Deutschland als Musterschüler Umweltschutz. – Was würden Sie uns denn für eine Schulnote geben?

Boetius: Oh. Wir haben in neuen Rankings bereits eine schlechte Schulnote bekommen. Deutschland ist extrem abgerutscht von dem Platz der guten Klima- und Umweltschützer. Dabei gibt es einen klaren Auftrag des Wählers für die Regierung. Es darf nicht passieren, dass wir nicht weiterkommen, so wie es lang ausgesehen hat mit dem Klimapaket.

Im Moment bin ich zugleich froh, weil die nächsten wichtigen Schritte offensichtlich durch die Verhandlungsstärke der Grünen im letzten Moment noch angezogen wurden. Also, ein mutigerer CO2-Preis bei gleichzeitiger Entlastung der Bürger beim EEG und der Möglichkeit, den Preis weiter anzuziehen und nachzusteuern.

Deutschlandfunk Kultur: Haben Sie das Gefühl, dass die Deutschen wirklich mitgehen? Oder sind das letztlich nur Lippenbekenntnisse? Wir fliegen so viel wie nie zuvor – Reden und Handeln klaffen offenkundig sehr auseinander.

Boetius: Umfragen zeigen zunächst, dass es einen enormen Aufwind gegeben hat im Bewusstsein der Deutschen. Vor allen Dingen durch die große Sichtbarkeit der jungen Menschen, die das einfordern. Sie diskutieren zu Hause mit ihren Eltern oder den Nachbarn. Das Land ist in Bewegung gekommen. Und die Umfragen zeigen: Klimaschutz ist für den deutschen Bürger, die Bürgerin auf Platz eins gerückt, noch vor Arbeitsplatzsicherheit.

Auch für die Forderung, mehr auf die Wissenschaft zu hören, gibt es Belege und Umfragen. Eine haben wir bei "Wissenschaft im Dialog" dazu gerade veröffentlicht. Auch das ist ein ganz starkes Signal der Bürgerinnen und Bürger: Wir brauchen die Stimme der Wissenschaft in politischer Handlung und Entscheidung!

Und es gibt auch Untersuchungen, die zeigen: Inzwischen tut praktisch jeder etwas. Es kann eine kleine Maßnahme oder eine große Maßnahme sein, aber im Durchschnitt tut jeder etwas. Es ist fantastisch, dass wir diese Haltung eingenommen haben.

Doch wenn man das dann in CO2-Einheiten umrechnet, dann kommt heraus: Moment mal! Ein paar Sachen gehen hier schief. Zum Teil liegt das daran, dass das Wissen fehlt. Beispiel ist der übertriebene Fokus auf das Fliegen gerichtet: Das liegt beim Transportwesen etwa bei 15 Prozent der verbrauchten Energie. Aber das ganz große Thema sind Autos – fast 70 Prozent des Energieverbrauchs im Transport. Da müssen wir ran.

Darf Wissenschaft politisch sein?

Deutschlandfunk Kultur: Sie haben es gesagt, auf die Wissenschaft stärker hören! Da ist ja in diesem Jahr was Bemerkenswertes passiert. Die Leopoldina, also die älteste Wissenschaftsakademie in Deutschland, hat der Politik ein sehr klares Zeugnis in Sachen Klimapolitik ausgestellt – und zwar ein verheerendes. Sie sind Sprecherin der zuständigen Arbeitsgruppe. Was hat Sie als Wissenschaftlerin zu dieser klaren Kritik bewogen?

Boetius: Das war tatsächlich neu, und wir haben uns als Wissenschaftler zum Teil auch gestritten um die Frage: Dürfen Wissenschaftler Forderungen an die Politik stellen, so wie Kinder derzeit Forderungen stellen? – Und dann heißt es schnell: eigentlich nicht. Wissenschaft forscht. Wissenschaft kommuniziert ihre Erkenntnisse. Aber das Fordern machen andere.

Doch wissen Sie: In der Wissenschaft geht es ja darum, die Wahrheit zu suchen und über die Wahrheit zu diskutieren – von Anfang an in der Geschichte der Wissenschaften. Da kann man bis Aristoteles zurückgehen. Da wurde dieser Dialog schon eingefordert.

Wenn wir also sehen als Wissenschaftler, dass die Gesellschaft immer mehr gigantische Risiken eingeht für die Zukunft, dann sind wir gefordert, auf diese Risiken hinzuweisen. Genauso, wie es Mediziner tun, so müssen auch wir Umweltwissenschaftler und Klimawissenschaftler sagen: "Auf dem Pfad, auf dem wir sind, kommt eine Katastrophe."

Deutschlandfunk Kultur: Aber Sie gehen weiter. Sie haben Forderungen. Was zum Beispiel?

Boetius: Ja. Wir haben uns folgende Frage gestellt: Wie sieht es mit den Klimazielen aus, die sich die Regierung ja selbst gesetzt hat für 2020 und 2030? 2020 werden wir eben nicht schaffen, das hat ja die Regierung selbst zugegeben. Also ging es um 2030. Kommen wir denn wenigstens an diese Ziele dran? Denn wenn wir nicht rankommen, müssen wir ja viele Milliarden Euro Strafe zahlen.

Nun haben wir als Wissenschaftler aus allen Disziplinen gezeigt: Im Moment schaffen wir auch die Ziele für 2030 nicht. Und wir haben uns mit der Frage beschäftigt, was wir tun müssen, damit wir es doch noch schaffen. Das ist besonders drängend, weil die Ziele von der EU weiter verschärft wurden. Und damit werden mögliche Strafen noch größer. Deshalb haben wir eingefordert, das, was schon versprochen wurde, auch einzuhalten. Und wir haben Maßnahmen vorgeschlagen, mit denen man die Klimaziele einhalten kann.

Deutschlandfunk Kultur: Ein Beispiel?

Boetius: Ein Beispiel ist das, was in der Bevölkerung zunächst nicht so gut angekommen ist, nämlich zu sagen: Es braucht eine CO2-Bepreisung. Das kann man aus wissenschaftlicher Sicht recht einfach erklären. Jeder Bürger zahlt Steuern für die Müllentsorgung. Das tun wir, weil wir nicht möchten, dass alle Menschen ihren Müll einfach auf die Straße schmeißen.

Die Atmosphäre aber ist eine kostenlose Müllhalde. Jeder darf dort sein CO2 entladen, doch die Schäden bezahlen die Bürger. Also kann man sagen: Dann muss es eben erstmal eine Müllsteuer für CO2 geben.

Das ist der erste große Vorschlag, auf den ja auch schon viele Länder setzen: Von der Schweiz bis Kanada gibt es schon Länder, die das ausprobieren. Norwegen macht es schon lange. Es zeigt sich, dass dieser Preisimpuls einiges im Verhalten ändern kann.

Kritischer Begleiter der Politik

Deutschlandfunk Kultur: Nun gab es aber auch kritische Töne von Wissenschaftlerinnen und Forschern, die sagen: "Die Wissenschaft soll beschreiben, was ist, aber nicht sagen, was zu sein hat." – Was entgegnen Sie da?

Boetius: Wir als Akademie und auch viele Wissenschaftler jenseits der Akademie sind von der Politik beauftragt worden, Gutachten zu schreiben. Die Frage lautete dann immer: Wenn wir die Ziele erreichen wollen, was wir ja den Bürgern versprochen haben, wie machen wir das? Welche Maßnahmen gelingen schnell? Wie kommen wir da dran? – Diese Fragen müssen wir natürlich als Wissenschaftler beantworten können.

Wenn dann aber unsere wissenschaftlichen Vorschläge nicht gehört oder nur teilweise umgesetzt werden, dann können wir als Wissenschaftler unsere Lösungsschritte verteidigen und sagen: Moment mal, wir haben euch empfohlen, so könnte es gehen. Jetzt nehmt ihr das nicht an. Das müsst dann ihr der Bevölkerung erklären, weil wir Wissenschaftler waren ja klar darin zu sagen, was nötig ist.

Wenn es eben auseinander klafft zwischen Regierung und Wissenschaft, dann können alle Bürgerinnen und Bürger, zu denen wir Wissenschaftler uns auch zählen, natürlich Erklärungen einfordern. Das ist Teil unseres wissenschaftlichen Auftrags.

Deutschlandfunk Kultur: Umsetzen können Sie es am Ende dann nicht. Weil, dann müssten Sie in die Politik gehen.

Boetius: Ja. Wir können es nicht direkt umsetzen, aber natürlich können auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eine Vorbildfunktion ausfüllen. Und dazu laufen auch Experimente, etwa indem wir probieren, wie man effizienter wird im Energieverbrauch, wie man CO2 einspart.

Letztlich umsetzten kann es am Ende nur der Staat als Ganzes: Die Bürgerinnen und Bürger, die Industrie und die Politik zusammen. Kein einzelner Sektor kann das alleine.

Und es gibt immer noch viele Themen, über die wir alle sprechen müssen. Ein Beispiel: Viele Schülerinnen und Schüler, mit denen ich spreche, finden es sehr traurig, wenn man als Wissenschaftler sagen muss, "klar ist es wichtig, dass ihr etwas zum Klimaschutz beitragt, aber das alleine reicht nicht. Es muss auch einen wirklichen Umbau etwa in der Industrie geben." Auch das müssen wir als Wissenschaftler erklären können.

"Ich liebe das Forschen"

Deutschlandfunk Kultur: Und umsetzen muss es die Politik. Haben Sie eigentlich schon einmal überlegt, in die Politik zu gehen?

Boetius: Nein, habe ich nicht. Ich liebe das Forschen. Ich habe aber einen hohen Respekt vor dem Berufsweg Politik, denn das ist ein schwieriger Weg. Meistens ist man der Feind und der Buhmann von allen. Wenn man sich die Vertrauenswerte der Politik anschaut, dann ist das manchmal erschreckend, wie Politikerinnen und Politiker, die ja für uns Bürger arbeiten, beschimpft und bedroht werden. Ich habe wirklich hohen, hohen Respekt für die, die diesen Berufsweg einschlagen. Aber er verlangt eben eine Art des Handelns, eine Art der Kompromissfähigkeit, des Ausgleichens und da bin ich anders gestrickt. Für mich ist die richtige Rolle: Hinschauen, Erkennen, wie sich unsere Natursysteme verändern. Und der Frage nachzugehen: Was haben wir Menschen damit zu tun? Und über all das klar und deutlich sprechen. Das ist die Rolle, in der ich mich wohl fühle.

Deutschlandfunk Kultur: Frau Boetius, lassen Sie uns ein bisschen mehr über Ihre eigentliche Arbeit sprechen, die ja im tiefen Eis stattfindet, unter anderem in der Arktis. Was ist die Arktis für Sie?

Boetius: Das ist für mich ein unglaublich wichtiger und besonderer Teil unserer Erde, der – wenn man in die Erdgeschichte schaut – auch essenziell ist für unsere Zivilisation, mindestens in den nördlichen Breitengraden. Die Arktis ist ein Ozean mit einem Eisdeckel drauf, umrandet von gefrorenem Land und zumindest in Grönland großen Gletschermassen. Dieses gefrorene weiße Schild in der Arktis ist da, seit es uns Menschen gibt. Und ist wahrscheinlich auch– und das ist ein wichtiger Auftrag an die Forschung heute – ein Teil unserer Klimastabilität. Nur durch die konnten wir als Menschen unsere Technologien entwickeln, die Infrastrukturen oder eben auch die großen Städte bauen.

Deutschlandfunk Kultur: Warum ist das so wichtig heute?

Boetius: Wenn man sich eine weiße Landschaft vorstellt, wie es die Arktis eben ist, dann weiß man ja: Das Weiße reflektiert Sonnenlicht zurückrück. Das verhindert eine starke Erwärmung der Erde durch Sonnenlicht, wie sie in den dunkleren Regionen vorkommt. Dort, wo das Eis schmilzt, dort, wo das Meer es bricht und der dunkle Ozean vorschimmert, verstärkt sich sofort die Erwärmung. Und wenn der Gradient zwischen der eiskalten Arktis und den wärmeren Tropen kleiner wird, weil die Arktis so warm wird, dann gibt es eine Veränderung der großen Wetterlagen, die wir haben. Es ändern sich die Starkwinde, sodass wir mit viel mehr Extremwetter und vor allen Dingen Dürre rechnen müssen.

Das alles ist selbst für uns hoch technologisierte Menschen eine Bedrohung. Wir wissen ja, was mit dem Transportwesen passiert, wenn es mal zu viel schneit oder zu stark regnet oder auch zu heiß wird. Dann bleiben Züge stehen und der Verkehr bricht in Teilen zusammen, Flüsse treten über. Dieses Verständnis, dass wir Erdteile haben, die für uns Menschen essenziell sind zum Leben, das ist das, was wir jetzt besprechen müssen. Darum geht es letztlich beim Klimaschutz.

Respekt vor der Vielfalt des Lebens

Deutschlandfunk Kultur: Deutlich gemacht wird das ja oft mit dem traurigen Eisbären, der auf der Scholle steht. Ich habe gesehen, Sie machen das auch in Vorträgen und stellen ein Bild vorneweg. – Warum?

Boetius: Der Eisbär oder auch das Walross, auf die ich oft eingehe in Vorträgen, sind Ikonen der Polarregion. Jenseits von Temperaturänderungen oder der Frage, wie weit schmilzt das Meereis, ist es mir wichtig, über das Leben zu sprechen. Ich bin schließlich Biologin. Und uns Menschen muss es ja auch darum gehen, dass wir diese Lebensvielfalt, die unsere Erde ausmacht, schätzen. Dass wir sie respektieren und uns darum kümmern.

Die großen marinen Säuger wie der Eisbär und das arktische Walross brauchen das Meer und das Eis als Lebensraum. Wenn das verschwindet, was wahrscheinlich in der nächsten Generation mindestens einen Sommer einmal passieren wird, dann gefährden wir diese Arten. Oder sie erlöschen sogar vor unseren Augen, obwohl die Zusammenhänge bekannt sind.

Deswegen bespreche ich diese Ikonen der Arktis, denn so fällt es Menschen leichter zu verstehen, dass da etwas ist, um das es sich zu kämpfen lohnt. Da ist etwas, das zu schützen lohnt. Das lässt sich anhand des Lebens besser erklären als anhand der nicht belebten Natur.

Deutschlandfunk Kultur: Nun gibt es unter Leitung Ihres Instituts im Moment die größte Arktis-Expedition aller Zeiten. Da sind Wissenschaftler gestartet und lassen sich jetzt im Eis einschließen und einfrieren. Das klingt eigentlich nach einem Alptraum.

Boetius: Das ist zunächst einmal ein fantastisches Experiment, was ja vor uns zum ersten Mal und wohl auch zum letzten Mal Fridtjof Nansen gemacht hat, der große Polarforscher. Er hat sich mit seinem Holzschiff "Fram" einfrieren lassen, um zu zeigen, dass es eine Eis-Drift gibt. Er wollte dabei auch herausfinden, wie tief der Ozean eigentlich ist – und dass es überhaupt ein Ozean ohne Kontinent in der Mitte ist. Also nicht wie die Antarktis, sondern etwas ganz anderes. Auch das war Teil seiner Forschung. So ist vor 127 Jahren das erste Bewusstsein über die enorme Saisonalität des Klimas und des Eises entstanden. Danach gab es nur noch kleinere Versuche des Driftens mit dem Schiff als Plattform.

Die Polarnacht, also der arktische Winter, in dem es eigentlich minus 40 Grad kalt wird und das Meereis zurückwächst verändert sich stark. Da es dort keine Wettstation gibt, haben wir uns schon vor vielen Jahren vorgenommen, ein weltumspannendes Experiment zu machen: Mehr als 20 Nationen beteiligen sich daran, damit wir eine große Frage beantworten können: Was bedeutet der arktische Winter für unser Klima?

Die Antwort ist wichtig, denn wahrscheinlich gibt es Zusammenhänge zu Extremwettern und auch zu Wetterveränderung, die wir noch herausfinden müssen. So können wir sie in unsere Klimamodelle einspeisen.

Die Schönheit polarer Nächte

Deutschlandfunk Kultur: Es klingt bei Ihnen eine große Begeisterung durch, sich im Eis einfrieren zu lassen. Ich weiß nicht, ob die jeder teilen kann. Wären Sie gerne auch auf der "Polarstern", dem Forschungsschiff?

Boetius: Das ist ein tolles Forschungsschiff. Ich habe schon viele Expeditionen dort gemacht. Wir sind im Oktober aus der Arktis zurückgekommen. Eine Zeit in der der es dort so dunkel wird und sich die Landschaft verändert. Die Sonne steht immer nur noch ein bisschen über dem Horizont. Es ist ein unglaubliches Gefühl, denn man versteht in dieser Eiswüste, was das für ein merkwürdig fremder Teil unseres Planeten ist.

Ich bin ja Tiefseeforscher. Meine Aufgabe ist, noch unter das Eis zu schauen in einen Ozean, den keiner kennt. Für mich ist das einfach fantastisch und faszinierend, denn wir wissen noch so wenig über diese Region.

Das Einfrieren ist besonders, weil die Fahrtabschnitte dadurch sehr lange dauern. Das Schiff ist ja jetzt seit zwei Monaten eingefroren und uns geht es auch darum, die Arktis noch einmal so zu dokumentieren, wie sie eigentlich war. Denn, wie gesagt, vermutlich verändert sich schon in einer Generation das System noch einmal so sehr, dass wir alles an Wissen über die polare Nacht jetzt generieren müssen.

Deutschlandfunk Kultur: Sie haben es gesagt. Bei Ihnen ist es eigentlich die Tiefseeforschung. Sie sind ganz tief abgetaucht in die Ozeane. In diesen Tiefen waren weniger Menschen als im Weltall. Diese dunkle Welt, da ist es ja eigentlich nur dunkel, kann man da noch was sehen? Wie sieht es da aus?

Boetius: Genau. Wenn man mit dem U-Boot abtaucht, dann macht man Licht an. Im Scheinwerferlicht sieht man dann, dass die Tiefsee keine Wüste ist, sondern voller verschiedener, auch bunter Landschaften. Es gibt eine Vielzahl von Leben, das ganz anders aussieht als das Leben an Land. Es kommuniziert auch anders, zum Beispiel mit Licht. In der Dunkelheit gelingt Kommunikation besonders gut mit Biolumineszenz, also dem Selbstleuchten.

Und es gibt dort unten auch immer wieder erstaunliche Begegnungen mit dem verrückten Leben, das in der Tiefsee ist – und über das noch kaum etwas wissen. Wir haben noch nicht einmal ein Promille der Tiefsee erforscht. Es ist also immer etwas Neues zu entdecken.

Ich habe mich besonders mit der Rolle des Ozeans in Stoffkreisläufen wie Methanflüssen beschäftigt. Wie viel Kohlenstoff kann der Ozean durch die Biologie eigentlich speichern? Das ist ein lebenslanges Forschungsgebiet. Jetzt bin ich Direktorin und habe mehr mit dem Management als mit der direkten Forschung zu tun. Aber noch immer ist es mir eine riesige Freude, diese verschiedenen Blicke auf die Erde, die uns ja manchmal wie ein fremder Planet vorkommen, zusammenzuführen.

"Wir gehen achtlos mit der Natur um"

Deutschlandfunk Kultur: Diese Fragen haben Sie ja schon als ganz junge Biologin in Ihrer Doktorarbeit beschäftigt, eben diese methanfressenden Bakterien, die es da gibt. Methan ist ja eines der Klimagase. Da gibt es Bakterien, die das umwandeln, weshalb wir weniger Methan in der Luft haben. Auch hier ist der Ozean ein entscheidender Punkt für die Regulierung unseres Klimas, oder?

Boetius: Ja. Es ist auch ein bisschen verrückt, sich immer wieder klar zu machen: Um uns herum gibt es Vielzahl von Lebewesen, oft Einzeller, die unser Zuhause, in dem wir leben können, überhaupt möglich machen. Diese Welt lernen wir Menschen gerade erst kennen.

Dieses Verständnis, dass selbst unten in der Tiefsee die sogenannten methanfressenden Mikroorganismen zusammenarbeiten, sodass Methan gar nicht erst in die Atmosphäre kommt, ist schon verrückt. Nur deshalb können wir den Planeten Erde so bewohnen, wie wir es tun. Das zeigt uns, wie wichtig die Natur für uns ist, wie viel Gutes sie uns tut, obwohl das die Natur natürlich nicht extra plant. Aber es ist einfach so und wir gehen oft achtlos damit um.

Ich finde wichtig, darüber zu sprechen. Die meisten Menschen reagieren eher drauf, was sie eigentlich von der Natur haben, die es zu schützen gilt. Deshalb sind Beispiele, wie viel die Natur für uns tut wichtig. Denn sie helfen Menschen zu verstehen, dass wir etwas tun müssen und nicht so weitermachen können wie bisher.

Deutschlandfunk Kultur: Denken Sie als Biologin eigentlich in anderen Zeiträumen?

Boetius: Auf jeden Fall. Als Wissenschaftler, ich würde mich "Erdsystem-Wissenschaftler" nennen, lernt man sich mit der Geburt der Erde und dem Entstehen des ersten Lebens zu beschäftigen und zugleich auch Hunderte oder gar Tausende Jahre in die Zukunft schauen zu wollen.

Aus diesen Zeitreisen, die wir als Erdsystemforscher machen, lernen wir ganz viel über die Frage: Wie gehen wir Menschen mit der Erde um? Konkret mit dem, was wir jetzt Zwei-Grad-Ziel nennen, also die Erwärmung der Erde spätestens bei zwei Grad zum Halten zu bringen.

Warum überhaupt diese Gradzahl? Weil wir aus der Erdgeschichte wissen, was das bedeutet. Vor etwa zwei bis drei Millionen Jahren war es das letzte Mal zwei bis drei Grad wärmer als heute. Da hatten wir dann zwölf Meter mehr Wasserspiegel. Für unsere Zivilisation wäre das verheerend, allein wenn man bedenkt, wie viele Menschen in Mega-Städten an den Küsten wohnen.

Dieses Wissen zusammenzuschnüren aus der ganzen Zeitgeschichte, das ist eine ganz wichtige Aufgabe für die Wissenschaft. Denn natürlich ist die Jugend heute oder überhaupt die Bürgerinnen und Bürger sehr interessiert, wirklich zu verstehen. Auch um mit dem Nachbarn besser streiten zu können, wenn es drum geht: Lasse ich mal das Auto in der Garage stehen? Oder welche Möglichkeiten habe ich, meine Zukunft zu gestalten?

Hoffnung auf eine Trendwende

Deutschlandfunk Kultur: Sie kämpfen dafür. Die Jugend geht auf die Straße für mehr Klimaschutz. Hand aufs Herz: Glauben Sie tatsächlich, dass wir das irgendwie noch hinkriegen? Oder sind wir doch zu blind?

Boetius: Ich glaube schon, dass wir es hinkriegen werden. Das zeigen ja auch die Geschichte des Menschen und unser Umgang mit Technologie. Die Entwicklung hört niemals auf. Ein Beispiel ist für mich eines, das wir kürzlich in der Fernsehserie "Charité" ganz gut sehen konnten. Nämlich, wie lange es gedauert hat zu verstehen, dass man sauberes Wasser braucht, um gut zu leben, um nicht dauernd krank zu sein, wie wichtig Hygiene ist.

Heute sind Hygiene oder sauberes Wasser für uns in Deutschland selbstverständlich. Aber das gilt längst nicht für alle Menschen auf der Erde. Und es hat lange gedauert, bis die Wissenschaftler sich selbst davon überzeugt haben: Krankheitsbedingte Bakterien können wir nur in Schach halten, wenn wir etwa eine Kanalisation haben. Und wie lange es dann noch gedauert hat, die Städte entsprechend umzubauen. Wie viel Ärger das ausgelöst hat. Da mussten Menschen umgesiedelt werden und trotzdem ist all das passiert.

So sehe ich es auch beim Klimawandel. Wenn wir warten, gibt es mehr Kosten, mehr Leid, mehr Tote. Wenn wir jetzt etwas tun, wenn wir jetzt unser Wissen nutzen, dann kommen wir einfach besser weg. Ich wünsche mir so sehr, dass in unserer Hightech-Welt, in der Welt der Bildung, dass wir das Wissen genau dafür einsetzen: Leid zu vermeiden und Ungerechtigkeit zu bekämpfen. Das könnten wir.

Deutschlandfunk Kultur: Das ist ein Appell. Zum Jahreswechsel nimmt man sich ja auch immer gerne was Gutes vor. Bei all den Schwierigkeiten rund um Klimaschutz, haben Sie vielleicht einen praktischen Tipp für uns, wo Sie sagen, wenn man sich was Gutes vornehmen will, das wäre das, was ich raten würde?

Boetius: Ich finde es gut, wenn die Leute etwas finden, das für sie passt. Das ist bei jedem ein bisschen anders. Man kann zum Beispiel auf die Angebote des Umweltbundesamtes gehen und herausfinden, wie viel CO2 man erzeugt. Dann kann man sehen, was sind meine größten Treiber? Wo kann ich vielleicht etwas anders machen?

Oder man kann auch sagen: Ich möchte, dass ein Teil meiner Mittel, die ich habe, genutzt wird, um in anderen Ländern Gutes zu tun. Das mache ich zum Beispiel. Ich versuche mich dadurch komplett zu neutralisieren, dass ich meinen CO2-Verbrauch gleichzeitig woanders vermeide. Wenn man sich damit beschäftigt, dann lernt man auch unheimlich viel.

Es ist wichtig, ungefähr zu wissen was man tut. Denn es gibt noch immer viele Missverständnisse, etwa bei der Ernährung. Da sind ja viele, gerade Jugendliche, ganz verzweifelt mit ihrem Fleischverbrauch. Doch da muss man genau hingucken: Fleisch ist nicht gleich Fleisch und Gemüse auch nicht gleich Gemüse. Wenn wir zum Beispiel von nicht nachhaltig angebauten Avocados, Palmöl oder nicht nachhaltigem Soja leben, dann ist das unter Umständen doch schlechter, als ein kleines bisschen vom Hausschwein um die Ecke zu essen.

All das hat etwas mit Wissen zu tun, mit Hingucken und darüber Reden. Da wünsche ich mir für alle auch noch mehr einfachen Zugang in diese doch einigermaßen komplexe Welt.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandfunk Kultur macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

Tacheles

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