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Studio 9 - Der Tag mit ... | Beitrag vom 06.12.2019

Klima-AktivismusDie Macht wütender Kinder

Ann-Katrin Müller im Gespräch mit Anke Schaefer

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Greta Thunberg kommt in Madrid an, sie trägt einen Kapuzenpullover und ein Holzbrett. (Getty Images/Denis Doyle)
"Wenn sie wollen, dass wir aufhören, wütend zu sein, sollten sie vielleicht aufhören, uns wütend zu machen." Greta Thunberg bei ihrer Ankunft in Madrid. (Getty Images/Denis Doyle)

Greta Thunberg ist zur Weltklimakonferenz in Madrid eingetroffen. In Deutschland will eine Bürgerinitiative einen schärferen Klimaschutz durchsetzen. Wie ist dieser Aktivismus zu beurteilen? Die Journalistin Ann-Katrin Müller hofft auf die Jugend.

"Ich denke, die Menschen unterschätzen die Macht wütender Kinder", sagte die Klima-Aktivistin Greta Thunberg bei ihrer Ankunft in Lissabon. "Wenn sie wollen, dass wir aufhören, wütend zu sein, sollten sie vielleicht aufhören, uns wütend zu machen."

Thunberg nimmt an der UN-Weltklimakonferenz in Madrid teil, die bis zum 13. Dezember 2019 stattfindet. Mit ihrer Wut hat Thunberg bereits viel Aufmerksamkeit für den Klimaschutz geweckt. "Grundsätzlich ist es immens, was eine Schülerin mit ihrer Familie geschafft hat", sagt die Journalistin Ann-Katrin Müller. "Das bewegt auf jeden Fall Dinge. Das sieht man hier in Deutschland, aber auch weltweit." Allerdings dürfe es nicht umschlagen: "Wenn jemand zur Heiligen erklärt wird, ist der Sturz sehr tief." Es gebe auch einiges, was man kritisieren könnte.

Zumindest das Pariser Klimaziel erreichen

Ein junges Beispiel für Klima-Aktivismus in Deutschland stellt die Bürgerinitiative "German Zero" dar, die durch einen Bürgerrat ein Gesetz erarbeiten will, das weitreichender ist als das Klimapaket der Bundesregierung. "Ich finde den Vorschlag ganz gut, ich finde es auch gut, wenn sich Bürger einbringen und Vorschläge machen und Gesetzentwürfe schreiben und sich dafür zusammentun in Initiativen", sagt Müller. "Die Frage ist nur, ob man das mit einem Bürgerrat nicht überfordert, ob nicht wieder zu viele Mittel vorgeschlagen werden." Sie würde sich eher dafür engagieren, dass zumindest das Ziel des Pariser Klimaschutzabkommens in die Tat umgesetzt werde.

Sorgen um Leugner des menschengemachten Klimawandels in der Politik mache sie sich nicht. Auch in der AfD werde die Position nur von wenigen vertreten, so Müller. Ihre Hoffnung liege auf der jungen Generation. Die Junge Alternative habe bereits vorgeschlagen, sich in dieser Frage mehr den Grünen anzunähern, auch wenn die AfD sonst geneigt sei, sich grundsätzlich gegen die Grünen zu stellen. "Ich frage mich, wie lange die AfD diese Position durchhalten kann", so Müller, wenn im Sommer die Temperaturen in Deutschland auf 46 Grad ansteigen sollten.

(leg)

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