"Klezmer ist einfach gute Musik"

Klezmer-Musik wird oft als Begleitung zu Hochzeiten und anderen Festen gespielt © dpa / picture alliance / Martin Schutt
Von Luigi Lauer · 24.05.2013
Er ist Schauspieler und Theaterregisseur, aber die Musik ist ihm am wichtigsten. Der gebürtige Detroiter Daniel Kahn lebt in Berlin-Neukölln und singt nicht nur auf Deutsch, sondern auch auf Jiddisch - weil es so schön ist, wie er sagt.
Die Kaffeemaschine streikt. Und der endlos lange Einkaufszettel auf dem Küchentisch muss aus einer Zeit stammen, als die Kaffeemaschine wenigstens noch Kaffeeflecken machen konnte. Daniel Kahn, Mitte 30, wohnt in einer WG in der Karl-Marx-Straße im sogenannten Problembezirk Neukölln. Doch aufgewachsen im Geiste der Arbeiterbewegung in Detroit, fühlt er sich hier wohl. Es ist ein gutes Umfeld für seine Klezmer-Musik. Widerspruch.

"Ich mache nicht nur Klezmer-Musik. Ich habe viele andere Einflüsse, Folk, Rock, Jazz, Cabaret, Theater, Country. Aber Klezmer gehört einfach dazu."

Zwar sei Klezmer auf seinem neuen Album "Bad Old Songs" eher wenig vertreten, sagt Kahn. Doch schließlich sei Klezmer heute auch weit mehr als die instrumentale Hochzeitsmusik, die er früher einmal war.

"Klezmer-Musik ist ein Teil der modernen Kultur, nicht nur der jüdischen Kultur, sondern ist ein Teil der europäischen Kultur, der amerikanischen Kultur. Klezmer ist einfach eine gute Musik."

Neben englischsprachigen Liedern sowie solchen von Franz Josef Degenhardt und Robert Schumann, die Kahn auf Deutsch singt, sind auf "Bad Old Songs" auch welche auf Jiddisch zu hören. Das wurde zuhause bei den Kahns nicht gesprochen. Doch die jiddische Sprache musste unbedingt sein, weil...

"…weil die so schön ist! Aus phonetischen, kulturellen, philosophischen, politischen Gründen. Das erste Mal, dass ich Michael Alpert singen gehört habe oder Adrienne Cooper – solche Künstler wie die haben mich sehr stark inspiriert und zu Jiddisch gebracht."

Hauptsache Bühne

Nach all dem Theater, der Regiearbeit und der Schauspielerei hat sich die Musik zum Kerngeschäft Daniel Kahns herausgeschält. Aber so weit lägen diese Künste ja auch gar nicht auseinander.

"Musik ist auch eine Art Theater für mich. Es gibt auch eine Bühne, ich erzähle Geschichten, ich spiele mit anderen, es geht um Zuhören, reagieren, Energie, Beziehung mit dem Publikum. Ja, ich sehe keinen großen Unterschied."

Und die Botschaft – die lässt sich da wie dort unterbringen. Eine kleine Abrechnung mit der weit verbreiteten DDR-Ostalgie oder die Frage nach der Berechtigung, mit Schaufel und Gewehr Richtung Judaea zu ziehen. Politik ist und bleibt wichtig in Daniel Kahns Texten.

"Sehr wichtig! Nicht immer auf der ersten Ebene. Ich sage oft, ja, alle Kunst ist politisch. Das haben viele gesagt. Aber ich bin auch der Meinung, es gibt keine unpolitische Kunst."