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Profil / Archiv | Beitrag vom 05.06.2009

Kleine Sänger mit großer Stimme

Der Opernkinderchor der Chorakademie in Dortmund

Von Gerrit Stratmann

Sakrale Musik und auch Chorsinfonik stehen auf dem Übungsplan.  (Stock.XCHNG / John Jarvis)
Sakrale Musik und auch Chorsinfonik stehen auf dem Übungsplan. (Stock.XCHNG / John Jarvis)

Bei Produktionen wie "Hänsel und Gretel" tritt der Opern-Kinderchor der Chorakademie in Dortmund in den großen Häusern seiner Stadt auf. Die Mädchen und Jungen im Alter von neun bis 14 Jahren verbringen ihre Freizeit mit Proben, Auftritten, aber auch Chorfahrten.

Simon: "Ich hab mich daran gewöhnt, dass wir jetzt immer so viele Auftritte haben und davor noch die ganzen Proben – ich bin eigentlich nicht mehr nervös vor Auftritten."

So wie dem zehnjährigen Simon geht es fast allen Kindern des Opernkinderchores der Chorakademie in Dortmund. Regelmäßige Projekte am Theater sowie Auftritte im Konzerthaus und in Kirchen gehören für die Okis, wie sie am Institut genannt werden, schon ganz selbstverständlich mit zu ihrem Choralltag. Auch Luisa, elf Jahre alt, freut sich, dass sie bei den Okis mitsingt:

"Wie der Name schon sagt, da macht man was mit Opern, und da hat man noch ganz viele andere tolle Auftritte, und wir machen immer eine schöne Chorfahrt und wir hatten auch schon mal einen Chorwettbewerb, und das hatten halt die andern nicht so, und da wurden wir auch Erster."

Das professionelle Training für die Auftritte bekommen die Kinder bei ihrem Chorleiter Zeljo Davutovic. Dem 38 Jahre alten Kirchenmusiker war es schon während seines Studiums in Weimar ein Dorn im Auge, dass die Arbeit mit Kinderchören an der Musikhochschule keine Rolle spielte. Dabei hatte er schon während seiner Ausbildung die Idee, einen Kinderchor ins Leben zu rufen, der zuverlässig bei Konzerten und im Theater eingesetzt werden konnte.

Davutovic: "Mir persönlich liegt viel daran, diese Offenheit der Kinder zu nutzen. Den Kindern kann man alles präsentieren, wenn sie jung sind, wenn sie im ersten, zweiten, dritten Schuljahr sind. Das nutzen wir positiv. Wir bieten den Kindern nicht nur das Musiktheater an als Inhalt, sondern auch sakrale Musik, auch Chorsinfonik. Also das sind die großen drei Säulen, mit denen sich die Kinder beschäftigen. Immer schön abwechselnd, so dass es für die Kinder auch hoffentlich nie langweilig wird."

Seit 2002 führt Zeljo Davutovic jedes Jahr an Dortmunder Grundschulen in der ersten Klasse ein Vorsingen durch, um Talente möglichst früh zu entdecken und zu fördern. So ist er auch auf die 48 Mitglieder des Opernkinderchores aufmerksam geworden. Viele von ihnen sind seit Jahren dabei und sind, wie die zehnjährige Viktoria, mit der Auswahl an Liedern, die sie dort gemeinsam singen lernen, sehr zufrieden.

Viktoria: "Es gibt schon Lieder, die mag man mehr, und andere, die mag man weniger, aber ich hab noch nie gedacht, das ist jetzt so gar nicht das, was ich möchte."

Für Abwechslung wird aber auch jenseits klassischer und sakraler Werke gesorgt. Ab und an mischen sich modernere Kompositionen unter das Liedgut, die sich bei den neun bis 14 Jahre alten Kindern schnell zum Lieblingshit entwickeln.

Simon und Viktoria: "Also Gershwin gefällt mir, das ist das Swinglied, was wir im Moment geübt haben. – Also ich find Gershwin auch ganz toll, weil das macht auch Spaß, das zu singen, weil ist halt so'n Swinglied."

Die Arbeit im professionellen Umfeld verlangt von den Kindern einiges an Disziplin und Einsatz. Zweimal pro Woche haben sie Chorprobe, einmal zusätzlich Einzelunterricht, und wenn Projekte am Theater dazukommen, wie 2007 die Kinderoper "Hänsel und Gretel" oder 2009 die Henze-Oper "Der junge Lord", fallen weitere Proben an. Ein großer Zeitaufwand für ein Hobby neben der Schule. Aber den meisten, die seit Jahren dabei sind, geht es wie der 14-jährigen Marina:

"Seitdem hatte ich eigentlich nichts anderes vor, weil es mir hier sehr gut gefällt. Also ich habe auch hier Freunde gefunden, und das ist auch schön so."

Außerdem hat die eine oder andere dank des Opernkinderchores auch schon konkrete Berufswünsche entwickelt.

Marina: "Mit dem Chor, das ist jetzt Spaß, aber ich möcht dann Musiklehrerin werden hinterher, also auch hinterher was damit machen schon."

Luisa: "Mir macht das mit dem Theater ganz viel Spaß und ich möchte auch Schauspielerin werden."

Die jungen Sängerinnen und Sänger singen mit so viel Leidenschaft und Kraft, dass sie mühelos neben dem Orchester im Theater bestehen können. Zeljo Davutovic ist immer wieder überrascht, wie sehr sich die Stimmen der Kinder in diesen Lebensjahren entfalten:

"Das Singen im weitesten Sinne ist eine wunderbare Möglichkeit, Dinge auszudrücken, die man vielleicht sprechenderweise gar nicht ausdrücken kann. Und gerade das ist ein Phänomen bei den Kindern. Die Kinder lieben es, Emotionen über das Singen auszudrücken. Wenn sie fröhlich sind, stimmen sie ein Lied an – vor allem auch außerhalb der Probe, wenn man die Kinder mal beobachtet, wenn die Proben vorbei sind, sie singen weiter. Sie singen weiter, lassen ihren Emotionen freien Lauf, es ist eine unglaublich starke Ausdrucksmöglichkeit, und es ist den Kindern in die Wiege gelegt, und es ist einfach ein menschliches Bedürfnis, denke ich."

Immer mehr Menschen in Deutschland singen im Chor. In Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft deutscher Chorverbände (ADC) stellt Deutschlandradio Kultur jeden Freitag um 10:50 Uhr im Profil Laienchöre aus der ganzen Republik vor: Im "Chor der Woche" sollen nicht die großen, bekannten Chöre im Vordergrund stehen, sondern die Vielfalt der "normalen" Chöre in allen Teilen unseres Landes: mit Sängern und Sängerinnen jeden Alters, mit allen Variationen des Repertoires, ob geistlich oder weltlich, ob klassisch oder Pop, Gospel oder Jazz und in jeder Formation und Größe.

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