Klein, fleißig und unauffällig

Nicht erschrecken, wenn Ihnen im Krankenhaus ein sprechender, automatischer Transporter begegnet. © Stock.XCHNG / Pam Roth
Von Thomas Gith · 09.07.2012
Dass Roboter unsere Lebenswelt erobern werden, klingt bis heute etwas abwegig. Tatsächlich aber schleichen sich recht unscheinbarere Automaten zunehmend in unseren Alltag: In vielen Fabriken gehören sie längst dazu - selbst im Krankenhaus kommen sie zum Einsatz.
Später Vormittag in der Immanuel Klinik Rüdersdorf östlich von Berlin. Das Servicepersonal bereitet das Mittagessen vor: Gekocht ist es bereits, jetzt wird es von der Küche auf die Stationen geliefert.

Eine Fahrstuhltür öffnet sich, ein rund 1,80 Meter hoher Speisewagen fährt vollautomatisch heraus. Transportiert wird er von einem elektronischen Fahrgestell – dem Roboter. Er hat den Speisewagen hochgebockt.

"Wir befinden uns jetzt gerade in dem Wagenbahnhof in der Ebene 3. Gerade werden die Speisetransportwagen abgeliefert im Moment und an eine sogenannte Timer-Box angeschlossen, die dann pünktlich um elf die Wärmezufuhr der Speisen ausführt."

Sobald die Roboter die Speisewagen auf ihre Parkposition gesetzt haben, schließen Servicemitarbeiter sie an die Timer-Box an, fertig: Jetzt wird das Essen erhitzt. Ebenfalls automatisch, sagt Andreas Hahn, technischer Verwalter der Klinik.

"Wir stehen jetzt gerade vor einem geöffneten Speisewagen und wir sehen jetzt hier verschiedene Tablettebenen, die auf Wärmeplatten aufgesetzt sind. Die Speisen werden jetzt über diese Wärmeplatten in dem Wagen noch mal separat erhitzt und auf die Ausgabetemperatur gebracht."

Sobald das Essen warm ist, kommen die Krankenschwestern und bringen es auf die Zimmer. Die Roboter fahren unterdessen schon wieder emsig durch die Flure des Versorgungstraktes, fernab von den Patienten.

Es sind kleine und flache Metallklötze auf Rädern: Rund 1,50 Meter lang, einen halben Meter breit, 30 Zentimeter hoch und von einem Elektromotor angetrieben. So können Sie problemlos unter die Speisewagen fahren, sie anheben und abtransportieren.

"Die Geräte sind ausgerichtet mit einer Transportkapazität bis zu 500 Kilogramm Nutzlast. Die Speisetransportwagen wiegen circa 250 bis 300 Kilo, die jetzt hier immer zu den Mahlzeiten transportiert werden."

Eingesetzt wurden die Roboter, in Rüdersdorf auch liebevoll Laufkatzen genannt, vor allem, um die Mitarbeiter zu entlasten, sagt Klink-Geschäftsführer Alexander Mommert:

"Der Vorlauf ist natürlich, dass die Mitarbeiter, insbesondere des Hol- und Bringedienstes, sprich der Hauswirtschaft, in der Vergangenheit die recht schweren Wagen relativ lange Wege ziehen mussten. Und das ist natürlich für Mitarbeiter, und in der Hauswirtschaft haben wir auch viele Frauen im Einsatz, schon sehr beschwerlich."

Arbeitsplätze wurden der Klinik zufolge nicht gestrichen. Stattdessen verbringe das Personal jetzt mehr Zeit am Patienten. Die Mitarbeiter in Pflege und Hauswirtschaft sind mit der neuen Arbeitsverteilung zufrieden, sagt Teamleiterin Corinna Hotze:

"Also der Hauptvorteil dieser Laufkatzen in unserer täglichen Arbeit ist einfach die Erleichterung der körperlichen Arbeit, die einfach quasi fast entfällt. Insofern haben wir hier noch kleine Strecken zu bewältigen auf der Ebene direkt, und das ist eigentlich dieser große Weg, der zurückgelegt wir, der uns erspart bleibt."

240 Fahrten machen die Roboter täglich, legen dabei 28 Kilometer zurück. Die Roboter folgen dabei einem festen und immer gleichen Wegeplan, müssen sich dafür in einer komplexen Umgebung orientieren - und auch plötzliche Hindernisse bewältigen.

"Der technische Aufbau der Roboter setzt sich aus einem digitalisierten Gebäudehintergrund zusammen, der in dem Gerät hinterlegt ist. Navigiert wird mit einem Laserscanner, der markante Gebäudepunkte erfasst und eben halt dort den Standort berechnet. Gleichzeitig werden über den Laserscanner auch Personen erfasst, die jetzt als Hindernisse im Weg sind und somit wird die Fahrt verlangsamt oder eben auch der Stopp eingeleitet."

Unfälle werden durch die Abbremsungen vermieden. Und gibt es mal außergewöhnlich lange Stopps, lässt sich der Roboter-Standort orten: Petra Neumann kontrolliert auf einem Monitor, wo sich die Laufkatzen gerade befinden. Ihr Standort wird dabei als grünes Pünktchen auf dem digitalen Gebäudeplan angezeigt.

"Also ich sehe jetzt, wie das Fahrzeug 4 Richtung Fahrstuhl fährt. Jetzt wird das Fahrzeug 4 den Fahrstuhl gleich erreicht haben, wird ein bisschen warten müssen, bis der Fahrstuhl auf Automatik sich stellt. Dann gehen die Türen automatisch auf, das Fahrzeug fährt rein und wird dann auf die Ebene 3 fahren, dort, wo der Container hingeliefert werden soll."

Der Roboter sendet seinen Fahrwunsch dabei per WLAN an den Fahrstuhl. Das komplette Einsatzprogramm erhalten die Laufkatzen von mit Funkchips präparierten Plastikkärtchen, die sich in den zu transportierenden Containern befinden: Auf ihnen ist gespeichert, wohin die Roboter die Container fahren sollen, was es zu erledigen gilt: Also etwa Schmutzwäsche abholen oder steriles Gerät in den OP bringen.

"Also die Container haben an der Seite alle ein kleines Fach, für diese Karten, die stecken wir jetzt hier rein auf der Seite, wo der Sensor ist. In dem Moment, wo die Karte drin steckt, liest der Sensor das, die grüne Lampe geht an. Das heißt, der Auftrag ist jetzt ausgelöst und jetzt muss jeden Moment der Roboter kommen und den Container aufnehmen."

Und kurz darauf kommt eine Laufkatze angefahren, rangiert vor dem Container, fährt drunter und hebt ihn an. Los geht’s zum Auftrag: Steriles Besteck in den OP bringen.

Danach wartet auch schon eine weitere Aufgabe: Aus der Ebene 3 muss der Container mit dem benutzen Essensgeschirr abgeholt und zurück zur Küche gefahren werden. Anschließend geht’s automatisch weiter – direkt zur Ladestation.

Mehr zum Thema auf dradio.de:
Von Haushaltsrobotern und autonomen Fahrzeugen - Robotik-Trends auf der CeBIT 2012, (DKultur, Elektronische Welten vom 8.3.2012)
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