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Fazit | Beitrag vom 30.05.2020

Klaus Kastberger zum Tod von Alfred Kolleritsch"Er hatte dieses Auge für das Neue und das Andere"

Klaus Kastberger im Gespräch mit Marietta Schwarz

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Alfred Kolleritsch im Gespräch mit Elfriede Jelinek. (Herbert Pfarrhofer / APA / dpa-Report)
Auch Elfriede Jelinek stellte ihre Texte in der Literaturzeitschrift "manuskripte" vor, die Alfred Kolleritsch 1960 gegründet hatte und bis zu seinem Tod herausgab. (Herbert Pfarrhofer / APA / dpa-Report)

60 Jahre lang gab er die Literaturzeitschrift „manuskripte“ heraus, nun ist Alfred Kolleritsch im Alter von 89 Jahren gestorben. Er hatte Freude an der Entdeckung und daran, sie anderen zu zeigen, sagt der Literaturkritiker Klaus Kastberger.

Der Schriftsteller Alfred Kolleritsch ist am Freitag im Alter von 89 Jahren gestorben. Die Nachkriegsliteraturszene Österreichs ist ohne seinen Namen nicht zu denken: 1960 gründete er die Literaturzeitschrift "manuskripte" und gab sie sechs Jahrzehnte lang heraus.

Darin wurden frühe Texte von Elfriede Jelinek und Peter Handke einem größeren Publikum vorgestellt. Er schrieb aber auch selbst und wurde dafür mehrfach ausgezeichnet. Der österreichische Bundespräsident Alexander van der Bellen nannte Kolleritsch am Samstag einen "Ermöglicher der österreichischen Literatur".

"Die 'manuskripte' sind nie in sich erstarrt"

Kolleritsch habe eine unglaubliche Freude am Entdecken und auch daran, seine Entdeckungen anderen zu zeigen, gehabt, sagt Klaus Kastberger. Der Literaturkritiker und Leiter des Literaturhaus Graz kannte den verstorbenen Lyriker sehr gut.

Mit der Gründung der "manuskripte" 1960 in Graz habe Kolleritsch Historisches geleistet, sagt Kastberger - in der Provinz, wo man überhaupt nicht damit gerechnet habe, dass sich hier die Moderne manifestieren könnte.

Mit Kolleritsch sind große Namen der österreichischen Literatur verbunden: Neben den bereits genannten auch Friederike Mayröcker oder Ernst Jandl. Mit dem Ermöglichen hat er nie aufgehört – auch die jüngere Schriftstellergeneration hat von ihm profitiert: Clemens J. Setz zum Beispiel.

Der Literaturkritiker und Leiter des Literaturhaus Graz, Klaus Kastberger. (Clara Wildberger/Literaturhaus Graz)Klaus Kastberger ist Literaturkritiker und Leiter des Literaturhaus Graz. Er kannte den verstorbenen Lyriker sehr gut. (Clara Wildberger/Literaturhaus Graz)

Kolleritsch habe "immer dieses Auge für das Neue und für das Andere gehabt hat - für junge Autorinnen und Autoren". Die "manuskripte" seien im Gegensatz zu anderen Literaturmagazinen nie in sich erstarrt. Insbesondere habe Kolleritsch über "eine großartige soziale Kompetenz" verfügt und genau gewusst, wie er seine Stammautorinnnen und -autoren behandeln musste, so Kastberger. Und viele seien ihm und seiner Zeitschrift schließlich über Jahrzehnte treu geblieben.

"Alfred Kolleritsch war ein geborener Pädagoge"

Bis zu seiner Pensionierung arbeitete Kolleritsch als Gymnasiallehrer für Deutsch und Philosophie weiter. "Alfred Kolleritsch war ein geborener Pädagoge", sagt Kastberger. Für ihn seien Lehren und Schreiben keine Gegensätze gewesen, seine Literatur-Symposien seien legendär gewesen - "und er hat dieses Programm auch den eigenen Schülern zugemutet", berichtet Kastberger.

Seine Stelle als Lehrer habe er auch deswegen behalten, um sich nicht von Subventionen und vom Markt abhängig zu machen.

(ckr)

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