Klatsch und Kultur, Pop und Politik

Von Michael Meyer |
"Vanity Fair" ist seit etwa 20 Jahren in den USA ein "Must-Read", eines der einflussreichsten Magazine auf dem amerikanischen Zeitschriftenmarkt. Ähnlich wie der "New Yorker", der ebenso im Verlag Condé Nast erscheint, versammelt "Vanity Fair" jeden Monat die bekanntesten Autoren, Schriftsteller und Fotografen in einem Heft und schafft es dabei immer wieder, neue Perspektiven zu eröffnen.
Nicht selten gelingen den "Vanity Fair"-Machern auch Scoops, die weit über die USA hinaus Furore machen. Die nackte Demi Moore auf dem Titelbild, die Enthüllungsgeschichte über die Machenschaften der amerikanischen Tabakindustrie oder die Offenbarung der wahren Identität des Watergate-Zuträgers Deep Throat gehören zu den Meilensteinen der amerikanischen "Vanity Fair".

5,6 Millionen Leser erreicht das amerikanische Vorbild im Durchschnitt. Der Erfolg brauchte jedoch eine lange Zeit: Chefredakteurin Tina Brown in den Achtziger Jahren und seit 1992 Graydon Carter verwandelten das früher kommode Klatschmagazin in eine urbane, anspruchsvolle Zeitschrift. "Vanity Fair" ist jedoch kein Blatt der Sozialkritik: Man bekennt sich zum Luxus, und hat zwar eine überparteiliche, im Zweifel jedoch stets neoliberale Haltung. Harte Reportagen über das Schicksal der Unterdrückten und Benachteiligten in aller Welt gehören nicht zum Repertoire.

Heute schreiben in "Vanity Fair" Kolumnisten wie Christopher Hitchens oder James Wolcott und auch die Liste der Fotografen liest sich wie ein Who is Who der Prominentenszene: Annie Leibowitz, Mario Testino und Herb Ritts fotografierten regelmäßig für "Vanity Fair". Die Fotostrecken, das Layout ist das ganz Besondere an "Vanity Fair": Prominente künstlerisch und ausdrucksstark in Szene zu setzen, etwa als Helmut Newton 1990 Helmut Kohl vor einer deutschen Eiche ablichtete - das kannte man früher nicht auf dem amerikanischen Zeitschriftenmarkt.

Diese Idee funktioniert auch in Europa: Seit 1990 existiert eine britische Ausgabe der "Vanity Fair" und 2003 folgte auch eine italienische Version, die sich den Spaß erlaubt, unter jedem Artikel die Zeit zu setzen, die die Leser im Durchschnitt für den jeweiligen Text brauchen. Dieser Gag soll in die deutsche Ausgabe aber nicht übernommen werden.