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Elektronische Welten / Archiv | Beitrag vom 16.04.2014

Kitchensurfing Chefkoch aus dem Netz

Plattform bringt Köche und Genießer zusammen

Von Franz Michael Rohm

Auf dem Teller ist Hummer auf grünem Apfelgelee mit Kaviar angerichtet. Im Restaurant St. Hubertus in St. Kassian zaubert Sternekoch Norbert Niederkofler diese und andere Köstlichkeiten für seine Gäste. Undatierte Aufnahme. (dpa / Udo Bernhart)
Das könnte der Internetkoch zubereiten: Hummer auf grünem Apfelgelee mit Kaviar (dpa / Udo Bernhart)

Rent-a-Koch lautet das Geschäftsmodell. Auf der Internetseite Kitchensurfing finden Gourmets und Spitzenköche zueinander. Die Plattform zielt noch auf Berlin, demnächst können auch in Hamburg und München Köche nach Hause bestellt werden.

Ausgelassene Stimmung bei Martina Seikel in Berlin Kreuzberg. Die Küche ihrer Wohnung hat die leitende Angestellte eines Kaufhauses ganz in Weiß, Schwarz und Pink geschmückt. Gemeinsam mit vier Freundinnen will sie ihren Geburtstag feiern. Dafür hat sich selbst etwas Besonderes ausgedacht: Eine Köchin, die für sie und ihre Gäste kocht. Gebucht hat sie die Köchin Sophia Hoffmann über die Internet-Plattform Kitchensurfing.

Martina Seikel: "Ich habe einfach eingegeben, wie viele Personen, wie viel Budget ich zur Verfügung habe, und dann was ich mir vorstelle, was es so zu Essen geben soll. Und dann melden sich zwei, drei, vier verschiedene Köche daraufhin, die das so im Angebot haben was ich mir vorstelle und dann entscheide ich mich für einen."

Vom Kitchensurfing hatte Martina Seikel über Freunde gehört, anschließend informierte sie sich im Internet über verschiedene Angebote. Für ihr Geburtstagsdinner hat sie sich für ein veganes Menü entschieden. Köchin Sophia Hoffmann kommt mit drei vollen Kisten.

Weißes Ratatouille, schwarzer Linsensalat und pinke Pasta

Die 33-Jährige liebt Abwechslung. Deshalb arbeitet sie Teilzeit als Köchin, außerdem als Journalistin. Ihre Kochkünste hat sie sich selbst beigebracht. Außer bei Kitchensurfing kocht sie einen Tag pro Woche in einem veganen Restaurant. Heute Abend orientiert sie sich mit ihrem Essen an der Dekoration in Schwarz, Weiß, Pink.

Sophia Hoffmann: "Das wird ein pinkes Kartoffelpüree, weil wir haben ja heute ein besonderes Motto.
Es gibt ein weißes Ratatouille, nur aus weißem Gemüse. Und einen schwarzen Linsensalat Als Vorspeise gibt es ne selbstgemachte pinke Pasta mit Pastinakenfüllung und einer Cashew Weißwein-Soße."

Vor zwei Jahren startete Kitchensurfing in New York. Dann ging es Schlag auf Schlag: Berlin, Boston, Chicago, Los Angeles, die Hamptons vor New York. Demnächst sollen Hamburg und München dazukommen. Mehr als 500 Köchinnen und Köche sind bereits registriert. Maria Siedlaczek ist Chefin von Kitchensurfing Deutschland.

Maria Siedlaczek: "Wir revolutionieren die Art und Weise, wie Menschen essen. Es geht nicht mehr darum, dass man in ein Restaurant geht und einfach bestellt, was auf der Karte ist. Sondern man holt sich eine ganze Erfahrung nach Hause."

"Kitchensurfing funktioniert nur online"

70 Köche finden sich derzeit auf der Berliner Website. Die ist mit einer orangefarbenen Signalfarbe, vielen Fotos und noch mehr Features versehen. Jede Köchin und jeder Koch stellt professionelle, appetitanregende Fotos ein. Das Angebot ist multikulturell, asiatisch, lateinamerikanisch, kosher, ostmediterran, französisch.

Maria Siedlaczek: "Kitchensurfing funktioniert nur online. Wir haben keine Filiale, in die man reingehen kann und die Köche kennenlernen kann. Die ganze Kommunikation läuft online, auch die ganze Arbeit, auch die Mitarbeiter. Das funktioniert alles online."

Für das Geschäftsmodell, bei dem Kitchensurfing zehn Prozent des vorab zu zahlenden Gesamtpreises nimmt, sind zwei Dinge wichtig: Zuerst muss die Qualität der Köche stimmen. Deshalb testet Maria Siedlacek mit ihrem Team alle auf der Seite gelisteten Köche vorab. Zweitens muss die Website Appetit machen.

Ganz neu ist die Idee, seine Kochkünste stundenweise anzubieten, allerdings nicht.
Elisabeth Meyer-Renschhausen, Privatdozentin für Ernährungssoziologie an der FU Berlin erinnert an Mietköche der Gründerzeit Ende des 19. Jahrhunderts:

Meyer-Renschhausen: "Nur ein kleiner Teil des Upper Class Bürgertums hatte ne eigene Köchin, und die anderen mieteten für diese Zwecke. Also dieses fliegende Kochwesen hatten wir da eigentlich auch schon. Nur es war eben anders institutionalisiert, in nem anderen Rahmen."

Und auch in den harten Nachkriegsjahren war es normal, mit Zugeh-Gästen die zum Essen kamen, die Haushaltskasse aufzubessern. Verändert hätten sich seitdem vor allem die technischen Aspekte des Angebots.

Kreativität ist die Stärke

Meyer-Renschhausen: "Das ist schon neu, das es übers Internet geht, und das es auch mehr junge Leute sind. Die jungen Leute sind experimentierfreudig, und haben auch wieder ein Faible für diese Seiten des Lebens, im Selbermachen, im Handwerklichen, im grünen Bereich, wo sie vielleicht auch den Ökologischen Fußabdruck helfen können zu reduzieren. Und wo sie kreativ sein können."

Kreativität ist auch die Stärke von Köchin Sophia Hoffmann, wie sich beim Dessert des Geburtstagsessens zeigt.

Sophia Hoffmann: "Der Nachtisch ist eine Mandel-Creme-Brûlee, da kommt nachher noch ne Zuckerkruste drauf, und dazu gibt es ne Himbeersoße und ne selbstgemachte dunkle Schokolade."

Geschmeckt hat es laut Website-Feedback ausgezeichnet. Kitchensurfing-Chefin Maria Siedlazek freut sich und hat eine klare Vorstellung, wie die Zukunft der Firma aussieht:

"In fünf Jahren sollte Kitchensurfing eigentlich in allen größeren Städten der Welt vorhanden sein."

Weiterführende Information

21.08.2012 | CORSO 
Zuhause zu Gast beim Kitchensurfing
Neue Internet-Plattform bringt internationale Köche in private Küchen

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