Seit 20:03 Uhr Konzert

Donnerstag, 05.12.2019
 
Seit 20:03 Uhr Konzert

Fazit | Beitrag vom 29.11.2019

"Kiss, Marry, Kill"-Video von RezoGeschmacklos, respektlos und frauenverachtend

Ein Kommentar von Azadê Peşmen

Beitrag hören Podcast abonnieren
Der YouTuber Rezo blickt in die Kamera. (picture alliance/Henning Kaiser/dpa)
In seinem neuen YouTube-Clip spielt Rezo mit zwei Kollegen "Kiss, Marry, Kill", dabei bewertet man Frauen, indem man sagt, ob man sie küssen, heiraten oder töten will. Dafür erntet Rezo heftige Kritik, nicht nur von Azadê Peşmen. (picture alliance/Henning Kaiser/dpa)

Sexismus unter YouTubern ist weitverbreitet. Kurz nach dem Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen ein Video zu veröffentlichen, in dem darüber gelacht wird, wie man YouTuberinnen umbringt, ist mehr als geschmacklos, sagt Azadê Peşmen über Rezo.

"Menschenverachtend, aber lustig", sagt der YouTuber Taddl, der neben Rezo sitzt, gleich zu Beginn des Videos. Haha. Selten so gelacht. Mit dieser Ankündigung scheint es so, als konnten die drei Herren auf der Couch die Kritik, die vor allem auf Twitter auf sie einprasselt, schon vorhersehen. Das macht es aber leider nicht besser. Denn die Frage, wer über menschenverachtende Inhalte lachen kann, die ist ziemlich schnell beantwortet: Diejenigen, denen ein Mindestmaß an Humanität fehlt.

Kurz nach dem Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen ein Video zu veröffentlichen, in dem darüber gelacht wird, wie man YouTuberinnen wie zum Beispiel Shirin David umbringt, ist in der Tat nicht lustig, sondern schlicht geschmacklos. Nicht dass dieses Video an jedem anderen Tag weniger frauenverachtend und gewaltverherrlichend wäre, aber die vielen Stimmen zu überhören, denen am 22. November regelmäßig besonders viel Gehör geschenkt wird, die laut werden und Maßnahmen fordern, Frauen besser vor Gewalt ihrer Partner und Ex-Partner zu schützen, dazu gehört schon eine ziemlich große Portion Ignoranz.

Sexismus unter YouTubern weit verbreitet

Natürlich ist das Format "Kiss, Marry, Kill" nicht neu. Auch Sexismus unter den YouTubern ist es nicht. Die YouTuberin und Produzentin Marie Meimberg hat schon vor einigen Jahren einen Artikel zu genau dieser Problematik auf Vice.de veröffentlicht. Er trägt die Überschrift "Die deutsche YouTube-Szene ist sexistischer als jede Mario-Barth-Show" und beschreibt ziemlich genau das Weltbild, das einer jungen Zielgruppe vermittelt wird, nennt YouTuber mit großer Reichweite, die Frauen zum Objekt degradieren.

Der Text ist schon ein paar Jahre alt, ist aber aktueller denn je. Dass sich seitdem kaum etwas verändert hat, ist ein Armutszeugnis für eine Gesellschaft, die sich als progressiv versteht. Und ja, nach wie vor kann, muss man sogar YouTuber kritisieren, deren Frauenbild rückständig und patriarchal ist. Wer austeilt, muss auch einstecken können. Und im besten Fall führt das dazu, Kritik auch annehmen zu können. Dazu gehört auch vor allem eines: selber denken.

Kein Respekt vor Frauen

Das Gesprächsangebot von Rezo, das er einer seiner Kritikerinnen auf Twitter gemacht hat, ist zwar ganz nett, aber auf welcher Basis soll so ein Gespräch stattfinden, wenn nicht mal der Minimalkonsens gegeben ist: der Respekt vor Frauen. Dazu gehört selbstverständlich auch, keine frauenverachtenden Inhalte ins Netz zu stellen. Auf die "Argumente", die Rezo in so einem Gespräch anführen würde, wäre ich aber trotzdem sehr gespannt.


Dass Rezo mit seinem neuen Video auf massive Kritik stößt, findet die Bloggerin Journelle richtig. Sie stört sich an Männerbündnissen und Gewaltfantasien, wie sie im Studio 9 erklärt:

Kulturpresseschau

weitere Beiträge

Der Theaterpodcast

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur