Kirche ist postmodern
Für Deutschlands katholische Kirche wird mehr Transparenz, Kontrolle und Mitsprache gefordert. Der Journalist Eberhard Straub hält dagegen: Zwar akzeptiert die Kirche die aktuellen politischen Ordnungen, hält sie aber für vergänglich und also auch die Demokratie und ihre Normen. Das Kirchensystem werde alle Anfeindungen überstehen. Insofern ist es heute schon "postmodern".
Die vorurteilslosen Menschenfreunde rufen ununterbrochen ihresgleichen zu: Seid umschlungen, ihr Millionen! Sie fahren entsetzt zurück, wenn sich in die weit ausgespreizten Arme wirkliche Katholiken stürzen, romhörige Ultramontane. Darüber spottete 1854 der katholische Dichter Joseph von Eichendorff. Daran hat sich nichts geändert, wie die hysterische Aufregung um den Bischof von Limburg veranschaulicht.
Denn es gibt einen antirömischen Affekt, der nicht zur Ruhe kommen soll. Nicht irgendein Bischof, nein, die Kirche überhaupt ist das Ärgernis. Sie irritiert als ein Überbleibsel aus dem dunklen Mittelalter in neuen Zeiten, die sich dauernd zur allerneuesten Neuzeit überholen müssen.
Kirchen als hübsche Antiquitäten sind durchaus willkommen, um Einkaufszonen zum stilvollen Erlebnis zu machen. Doch "die Kirche" erhebt weiterhin den störenden Anspruch, eine geistige Macht zu sein. Ja sie ist stolz darauf, seit zwanzig Jahrhunderten immer noch die gleiche Botschaft vorzutragen. Voller Hochmut verweigert sie sich der Moderne und ihren Imperativen. Für sie gelten alle wechselnden Erscheinungen in dieser Welt als vorläufig, vergänglich und unzulänglich.
Deshalb wahrt sie Distanz zu Neuerungen, die sich bald nur als Moden erweisen, widerlegt von anderen Launen. Nichts hat Bestand. Das verkündet sie in unerschütterlicher Ruhe. Nur die Kirche Christi überdauerte sämtliche Katastrophen, die auf manche erschütternd wie eine Vorahnung vom Weltuntergang wirkten, das Ende des antiken Römischen Reiches, der Zusammenbruch der feudalen Welt nach 1789 oder des bürgerlichen Europa im Ersten Weltkrieg.
Denn es gibt einen antirömischen Affekt, der nicht zur Ruhe kommen soll. Nicht irgendein Bischof, nein, die Kirche überhaupt ist das Ärgernis. Sie irritiert als ein Überbleibsel aus dem dunklen Mittelalter in neuen Zeiten, die sich dauernd zur allerneuesten Neuzeit überholen müssen.
Kirchen als hübsche Antiquitäten sind durchaus willkommen, um Einkaufszonen zum stilvollen Erlebnis zu machen. Doch "die Kirche" erhebt weiterhin den störenden Anspruch, eine geistige Macht zu sein. Ja sie ist stolz darauf, seit zwanzig Jahrhunderten immer noch die gleiche Botschaft vorzutragen. Voller Hochmut verweigert sie sich der Moderne und ihren Imperativen. Für sie gelten alle wechselnden Erscheinungen in dieser Welt als vorläufig, vergänglich und unzulänglich.
Deshalb wahrt sie Distanz zu Neuerungen, die sich bald nur als Moden erweisen, widerlegt von anderen Launen. Nichts hat Bestand. Das verkündet sie in unerschütterlicher Ruhe. Nur die Kirche Christi überdauerte sämtliche Katastrophen, die auf manche erschütternd wie eine Vorahnung vom Weltuntergang wirkten, das Ende des antiken Römischen Reiches, der Zusammenbruch der feudalen Welt nach 1789 oder des bürgerlichen Europa im Ersten Weltkrieg.
Am meisten beunruhigt an der Kirche ihre politische Unzuverlässigkeit
Die Kirche kommt aus anderen Zeiten und geht in andere als die immer gleiche. Am meisten beunruhigt an der Kirche ihre politische Unzuverlässigkeit. Sie hat in 2000 Jahren mit allen Systemen zusammengearbeitet, sie ist in allen verfolgt, benachteiligt und gedemütigt worden. Dennoch hat sie die Christen aufgefordert, den weltlichen Autoritäten den Respekt und den Tribut zu leisten, die sie rechtmäßig erwarten und verlangen dürfen.
Es gibt keine politische Form, die unmittelbar der Kirche entspricht, auf die sie als weltliche Ergänzung angewiesen wäre. Sie hat keine politischen Ideale. Sie hat nur ein Ziel, zu jedem gegebenen Augenblick, in der Lage zu sein, frei ihr göttliches Wort verkündigen und die Freiheit eines Christenmenschen sichern zu können.
Auch die Demokratie ist für sie nur eine Möglichkeit, die Welt des Politischen zu organisieren und der Kirche die ihr notwendigen Freiheiten einzuräumen. Eine solche Selbstgewissheit verbunden mit der Illusionslosigkeit, auf die Welt voller Täuschungen und Enttäuschungen nicht allzu sehr zu vertrauen, weckt den Unwillen jedes aufrechten Demokraten.
Dieser kommt heute ohne moralische Aufrüstung nicht aus. Wehrhafte Demokraten verstehen sich als Apostel einer Wertegemeinschaft. Sie kämpfen als Angehörige einer Communio, einer Glaubensgemeinschaft.
Die Werte, die sie setzen und durchsetzen, verlangen Unterwerfung, Anerkennung und Glauben. Wer sich ihrer Botschaft entzieht und sich politisch unkorrekt im Sinne demokratischer Orthodoxie verhält, muss beobachtet, erzogen, notfalls bestraft werden. Der Marktplatz soll zum Heiligen Hain werden.
Dagegen wehrt sich die Kirche. Sie möchte die Welt ihrer eigenen Weltklugheit überlassen. Damit macht sie sich für gläubige Demokraten allerdings verdächtig. Auch das wird die Kirche wie so vieles überstehen.
Eberhard Straub, geboren 1940, studierte Geschichte, Kunstgeschichte und Archäologie. Der habilitierte Historiker war bis 1986 Feuilletonredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und bis 1997 Pressereferent des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft. Heute lebt er als freier Journalist in Berlin. Buchveröffentlichungen u.a.: "Die Wittelsbacher", "Drei letzte Kaiser", "Das zerbrechliche Glück. Liebe und Ehe im Wandel der Zeit" und "Zur Tyrannei der Werte".
Es gibt keine politische Form, die unmittelbar der Kirche entspricht, auf die sie als weltliche Ergänzung angewiesen wäre. Sie hat keine politischen Ideale. Sie hat nur ein Ziel, zu jedem gegebenen Augenblick, in der Lage zu sein, frei ihr göttliches Wort verkündigen und die Freiheit eines Christenmenschen sichern zu können.
Auch die Demokratie ist für sie nur eine Möglichkeit, die Welt des Politischen zu organisieren und der Kirche die ihr notwendigen Freiheiten einzuräumen. Eine solche Selbstgewissheit verbunden mit der Illusionslosigkeit, auf die Welt voller Täuschungen und Enttäuschungen nicht allzu sehr zu vertrauen, weckt den Unwillen jedes aufrechten Demokraten.
Dieser kommt heute ohne moralische Aufrüstung nicht aus. Wehrhafte Demokraten verstehen sich als Apostel einer Wertegemeinschaft. Sie kämpfen als Angehörige einer Communio, einer Glaubensgemeinschaft.
Die Werte, die sie setzen und durchsetzen, verlangen Unterwerfung, Anerkennung und Glauben. Wer sich ihrer Botschaft entzieht und sich politisch unkorrekt im Sinne demokratischer Orthodoxie verhält, muss beobachtet, erzogen, notfalls bestraft werden. Der Marktplatz soll zum Heiligen Hain werden.
Dagegen wehrt sich die Kirche. Sie möchte die Welt ihrer eigenen Weltklugheit überlassen. Damit macht sie sich für gläubige Demokraten allerdings verdächtig. Auch das wird die Kirche wie so vieles überstehen.
Eberhard Straub, geboren 1940, studierte Geschichte, Kunstgeschichte und Archäologie. Der habilitierte Historiker war bis 1986 Feuilletonredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und bis 1997 Pressereferent des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft. Heute lebt er als freier Journalist in Berlin. Buchveröffentlichungen u.a.: "Die Wittelsbacher", "Drei letzte Kaiser", "Das zerbrechliche Glück. Liebe und Ehe im Wandel der Zeit" und "Zur Tyrannei der Werte".