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Vollbild | Beitrag vom 23.02.2019

Kinokolumne Top FiveDie besten fremdsprachigen Filme bei der Oscar-Verleihung

Von Hartwig Tegeler

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Am Filmset von "Die Blechtrommel" (1979) (imago/EntertainmentPictures)
Einer der TopFive-Filme in der Oscar-Kategorie "Bester fremdsprachiger Film": Volker Schlöndorffs "Die Blechtrommel" (imago/EntertainmentPictures)

In der Nacht zu Montag werden in Los Angeles die Oscars verliehen - unter anderen in der Kategorie "Bester fremdsprachiger Film". Die bildet zwar nicht die Königsklasse, enthält aber seit der ersten Vergabe 1957 grandiose Filme. Die besten fünf - als völlig ungerechte Auswahl.

Platz  5 - 1957: "La Strada" von Federico Fellini

Seine Karriere begann tatsächlich mit einem fulminanten Flop! Fellilnis Debüt "Der weiße Scheich" von 1952 kommentierte die italienische Presse: "Dieser Regisseur wird wohl in der Versenkung verschwinden." Eine fulminante Fehleinschätzung – zwei Jahre später, mit dem "Lied der Straße", seinem vierten Film, wurde das klar. Fellinis Geschichte über den gewalttätigen Jahrmarktartisten – Anthony Quinn – und das einfältige Dorfmädchen – Fellini-Gattin Giulietta Masina –, diese wunderbar tragische Liebesgeschichte erhielt den Oscar für den besten fremdsprachigen Film, in diesem Jahr 1957 das ersten Mal vergeben. Und wurde zum Klassiker. Allerdings nicht wegen des Oscars!

Platz 4 - 1976: "Uzala, der Kirgise" von Akira Kurosawa

Der alte, erfahrene Taiga-Waldläufer rettet im Schneesturm mit dem Zelt aus Gras dem russischen Offizier und Landvermesser, seinem Freund, das Leben. Der Film des japanischen Regisseurs Kurosawa ist sehr, sehr traurig, weil er vom Ende eines Lebensmodells erzählt: das des Uzalas, der im Einklang mit der Natur lebt. Aushalten kann man das im Kino nur aus einem einzigen Grund: Weil dieser Film von einer unfassbaren Schönheit ist. Verblüffend übrigens, mit welcher Präzision und welchem Gespür für große Filme die Oscar-Juroren in diesen 1970er-Jahren Werke von Kurosawa, Buñuel, Truffaut, Fellini, Annaud oder De Sica großes Kino auszeichneten.

Platz 3 - 1980: "Die Blechtrommel" von Volker Schlöndorff

Die Geschichte vom kleinwüchsigen, nicht groß werden wollenden Oskar, der mit den Schlägen auf seine kleine blecherne Trommel die Welt erfährt in ihrer Gier, Absurdität und Brutalität: Seit 1957, seitdem der "Auslands-Oscar" vergeben wird, war diese Günter-Grass-Adaption der erste deutsche Film, der die Auszeichnung erhielt. Erst 23 Jahre später, 2003, folgte auf Schlöndorff Caroline Link mit "Nirgendwo in Afrika". 2007 dann die Trophäe für Florian Henckel von Donnersmarck und "Das Leben der Anderen". Wobei Italien mit 14 Auszeichnungen bis heute die meisten Siege beim "Best Foreign Language Film of the Year" verbuchen kann, vier davon allein gingen an Federico Fellini.

Platz 2 - 2001: "Tiger & Dragon" von Ang Lee

Ein Liebesfilm, ein Schwertkämpfer-Actionfilm, einer, in dem die Grenzen von Schwerkraft aufgehoben sind und in dem Ang Lee ein poetisches Jenseits der Realität inszeniert. Großes Kino. Aber man muss kein Prophet sein, um zu erkennen, dass der Oscar für die chinesisch-taiwanesische Produktion "Tiger & Dragon" nicht nur Verbeugung vor einer anderen Filmkunst als der des amerikanischen Erzählkinos war, sondern auch wohlkalkuliertes Schielen in Richtung des gigantischen asiatischen Kinomarktes, dessen Bedeutung um die Jahrtausendwende immer klarer wurde.

Platz 1: 1974: "Die amerikanische Nacht" von François Truffaut

Mit dem Oscar für diesen Truffaut-Klassiker feierte die Akademie auch sich selbst, besser: die eigene Profession, das Filmemachen. Dabei ist alles Illusion, ein ästhetisches Bekenntnis, das schon in den Titel eingemeißelt ist. Denn der Filter-Trick "Day-for-Night", zu deutsch "amerikanische Nacht", gaukelt Nacht vor, obwohl alles am Tag gedreht wird. Und so verschwimmen auch in Truffauts Film über die Dreharbeiten mit all der Eifersucht, Lust und Leidenschaft die Grenzen zwischen Realität und, ja, was …?

Truffauts Satz, vom Regisseur, den er selber spielt, gesprochen, ist Credo. Er sagt im Off: "Filme machen ist wie eine Postkutschenfahrt im Wilden Westen. Am Anfang denkst du an eine nette Reise. Dann hoffst du, dein Ziel überhaupt zu erreichen." Aber dieses Truffaut‘sche Credo ist auch unumstößliches Grundgesetz des Filmemachens, das sich auch in den 45 Jahren seit 1974 nicht erledigt hat, egal, ob für den Hollywood- oder den "foreign language"-Film.

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