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Vollbild | Beitrag vom 02.02.2019

Kinokolumne Top FiveDie besten Filme der United Artists

Von Hartwig Tegeler

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Im Film "Manche mögen's heiß" (1959) müssen die Musiker Joe (Tony Curtis) und Jerry (Jack Lemmon) vor der Mafia fliehen - und verdingen sich in einer Damenkapelle. (imago / United Archives)
Tony Curtis und Jack Lemmon im Fummel auf der Flucht vor der Mafia: Billy Wilders "Manche mögen's heiß" ist eine der besten Komödien aller Zeiten. (imago / United Archives)

Vor 100 Jahren gründeten Schauspieler und Regisseure das Film-Studio United Artists. Die Künstler versprachen sich davon mehr künstlerische Unabhängigkeit – und schufen damit die Grundlage für einige der besten Hollywood-Filme überhaupt.

Vor 100 Jahren gründeten die Kinostars Mary Pickford, Charlie Chaplin, Douglas Fairbanks Sr. und der Regisseur D. W. Griffith mit der legendären United Artists ein eigenes Studio: 1980 musste das Studio nach einem Bankrott verkauft werden – doch bis dahin brachte es zahlreiche Klassiker der Filmgeschichte hervor.

Platz  5  -  "Der Dieb von Bagdad" von Raoul Walsh (1924)

Sechs Jahre, nachdem er die United Artists mit aus der Taufe gehoben hatte, erklomm Douglas Fairbanks Sr., der Abenteuerfilm-Megastar der 1920er-Jahre, den Zenit seiner Karriere als Dieb Ahmed, der das Herz der schönen Prinzessin gewinnt.

Ein Stummfilm-Märchen-Film-Klassiker mit wunderbar altmodischen Kino-Tricks. Wenn der Dieb und die Prinzessin am Ende auf dem fliegenden Teppich in eine glückliche Zukunft fliegen, dann wirkt das wie ein Omen auf die Abenteuer, die die United Artists der Leinwand in den kommenden rund 60 Jahren noch bescheren würde.

Platz 4  –  "Moderne Zeiten" von Charlie Chaplin (1936)

Ein Film, der heute noch wie eine düstere Prophetie über das Zeitalter des Kapitalismus wirkt. Eine Mischung aus Ton- und Stummfilm: Charlie, der Tramp, am Fließband, ist Rädchen im Getriebe der Maschinen – konkret zu sehen, metaphorisch zu verstehen. Inklusive der psycho-emotionalen Verwerfungen, die die Fließbandarbeit beim Arbeiter verursacht.

Am Ende die Utopie: Paulette Goddard, das Straßenmädchen, und Charlie, mit Hut und Stock, gehen den langen Highway in Richtung … ja, dahin, wo es besser wird. Ein Bild, das heute noch nichts von seiner Wirkung verloren hat.

Platz 3  - "Manche mögen's heiß" von Billy Wilder (1959)

Zwei Männer in Frauenkleidern auf der Flucht vor der Mafia, die sich in eine Frauenband einschleichen. Der eine aber will die schicken Kleider gar nicht mehr ausziehen und die Frage, warum ein Mann einen Mann heiraten sollte, mit einem typischen Billy-Wilder-Satz antwortet: "aus Sicherheitsgründen."

Am Ende gesteht Jerry alias Jack Lemmon seinem Millionär, der ihn ehelichen möchte, dass er ein Mann ist. Und Osgood, der Schlingel, kichert und meint nur: "Niemand ist perfekt!" Was nicht stimmt: Dieser Billy-Wilder-Film ist perfekt. In Sachen Dramaturgie, Witz, Timing, Rhythmus, Frechheit, Sexyness, und natürlich Marilyn-Monroe-Kult.

Platz 2  - "Einer flog über das Kuckucksnest" von Miloš Forman (1975)

Natürlich ist "Einer flog über das Kuckucksnest" nicht nur Gesellschaftskritik, sondern düstere Metapher auch auf Hollywood. Denn der Versuch der Psychiatrie-Insassen, ihr Leben dort selbst zu gestalten, an ihrer Spitze Oberquerulant McMurphy alias Jack Nicholson, schlägt tragisch fehl.

Als die United Artists vor 100 Jahren gegründet wurde, soll der Produzent eines anderen Studios gelästert haben: "Das ist, als würden Verrückte die Kontrolle über ein Irrenhaus übernehmen!" Dass dieser Akt der Selbstermächtigung von Filmschaffenden diverse Klassiker auf die Leinwand brachte: wunderbar.

Platz 1 -  "Heaven´s Gate" von Michael Cimino (1980)

Aber dann war Schluss. Ein Film, vorgeblich der größte Flop Hollywoods, heute als Meisterwerk anerkannt, besorgte dem traditionsreichen Studio und dem Traum seiner Gründer die Apokalypse. Ein Western, aber kein Cowboy- oder Indianerfilm, sondern das Epos der Einwanderer, die gemäß des amerikanischen Traums ein besseres Leben suchen, aber von den bezahlten Killern der Landbarone abgeschlachtet werden. Mit Legitimation des Staates.

Dass Amerika nicht Paradies ist, sondern blutrünstige Hölle, das wollten die Zuschauer nicht sehen. Kris Kristofferson, Hauptdarsteller von "Heaven's Gate", meinte Jahre später:  "Ich denke,´Heaven´s Gate' wurde von bestimmten Kräften genutzt, um eine bestimmte Art des Filmemachens zu beenden. Eine Art des Filmemachens, wo der Autor der Regisseur war und auch die Kontrolle über das Budget hatte."

Das "Heaven's Gate"-Desaster bedeutete das Ende des New Hollywood und auch das seiner egomanisch-genialen Groß-Regisseure. Und das von United Artists. 1981 erfolgte der Verkauf an MGM, dem Studio mit dem Logo des brüllenden Löwen. Was für eine Pointe: Der gierige Löwe fraß die "Irren, die das Irrenhaus übernommen hatten". Die Banker und Erbsenzähler saßen wieder im Sattel.

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