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Vollbild | Beitrag vom 08.06.2019

Kinokolumne Top FiveDas sind die besten Zombiefilme

Von Hartwig Tegeler

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Geisterhaft wirkende Zombies wandeln über eine Wiese. (Imago / Prod.DB)
Wenn in der Hölle kein Platz mehr ist, kommen die Toten auf die Erde zurück: Szene aus George A. Romeros Klassiker "Nacht der lebenden Toten" von 1968. (Imago / Prod.DB)

Mit "The Dead Don't Die" wendet sich US-Regisseur Jim Jarmusch dem Zombiefilm zu, der genauso wenig tot zu kriegen ist wie seine untoten Titelfiguren. Kein Wunder: Der Zombiefilm stellt mittlerweile einen reichen filmhistorischen Fundus dar.

Platz 5: "Zombieland" von Ruben Fleischer (2009)

Es war einmal, es war einmal "God's own country". War! Jetzt, nach einer genretypischen Pandemie: nur noch Zombies! Zombieland eben! Was für eine Gelegenheit für einen echten Angsthasen oder auch Parzival wie Columbus alias Jesse Eisenberg, sich zu bewähren. Sprich: zu überleben.

An der Seite von Woody Harrelson, Emma Stone und Abigail Breslin schlägt er sich quer durchs Land, Zombies erschießend, Richtung Kalifornien, um auf dem Weg einen Bill Murray zu treffen, der einen Schauspieler namens Bill Murray spielt, der sich als Zombie verkleidet, aber genau deswegen – aus Versehen – von Columbus erschossen wird. Was "Bill fucking Murray", wie ihn die Zombiejäger euphorisch bejubeln – vor Columbus´ Schuss –  wie gewohnt lakonisch-melancholisch hinnimmt. Also, das Ableben. Shit happens. Im Leben und in dieser wundersamen Zombiekomödie.

Platz 4: "World War Z" von Marc Forster (2013)

Die Zombies in "World War Z" überschwemmen nach einer weltweiten Pandemie wie ein tödlicher Schwarm die Gated Community unseres Lebensmodells. Wenn ein gigantischer Schwarm Zombies über die Mauer strömt, die die Israelis um Jerusalem errichtet haben, appelliert dieses Bild an dumpfe Urängste: Der Schutzwall wird überrannt, der uns vor den Fremden, den Anderen schützen soll, damals wie heute: Hadrianswall, chinesische Mauer, US-Zaun an der mexikanischen Grenze. 

Wie Schmiermittel verbinden sich hier Kino und Erfahrungswelt. Endzeitstimmung, globale Katastrophe, Angst vorm Fremden – tot, untot, Zombie, Hunne, Barbar, Mexikaner, Afrikaner, Osteuropäer, egal, was macht den Unterschied? In dem Mauerbild zelebriert "World War Z" Rassismus und Fremdenhass. Filmhistorisch war der Zombiefilm immer ein Gefäß, in das jeder füllen kann, was die eigene Weltsicht vorgab.

Platz 3: "Die Nacht der lebenden Toten" von George A. Romero (1968)

George A. Romero verstand seine Zombiegeschichten – beginnend mit dem Klassiker "Die Nacht der lebenden Toten" – immer als Gesellschaftskritik. "Die Elite der Restmenschheit lebt in einem hohen Glasturm", sagt Romero, "während alle anderen keine Chance auf einen sozialen Aufstieg haben. Die Zombies bei mir sind nicht umsonst wie Obdachlose angezogen."

Und dann bemerkte George A. Romero noch: "Ich mag den Gedanken, dass Zombies sind wie wir." Im Zombie, also im Fremden, mich selbst zu sehen, das bietet die Möglichkeit, dass das Fremde – der Zombie – menschlich sein, ein individuelles Gesicht bekommen darf. Und deswegen können wir bei Maggie Empathie empfinden:

Platz 2: "Maggie" von Henry Hobson (2015)

Die Bisswunde von Wades Tochter Maggie war sehr tief. Wahrscheinlich wird sie noch mehr Zeichen von Aggression zeigen, bald, sagt der befreundete Arzt, und sich in einen Zombie verwandeln wie Millionen anderer in den USA. Maggies Vater Wade – großartig, ja, kein Scherz, großartig gespielt von Arnold Schwarzenegger –, Wade ist hilflos, verzweifelt, voller Entsetzen über die langsame Verwandlung seiner Tochter in eine "lebende Tote".

Wade wird auf drei Optionen verwiesen: Quarantäne in einem Lager, wo die aggressiveren Zombies der erst kürzlich Infizierten auffressen, eine chemischer Cocktail oder Option 3: "Erschieße sie", meint der befreundete Arzt. Maggie wählt am Ende den Freitod. "Maggie" ist eine berührende Zombietragödie. Ja, das gibt es.

Platz 1: "28 Days Later" von Danny Boyle (2002)

Die Geschichte des Fahrradkuriers Jim, der im Krankenhaus aus dem Koma erwacht und sich in einem wie London wiederfindet, das von Zombies bevölkert ist: Eine dunkle Fantasie über den Zusammenbruch der Gesellschaft.

Das Virus, das dem Affen injiziert wurde, der seinerseits mit einem Biss den Tierschützer in den Zombiepatienten Null verwandelt, es war ein "Wut"-Virus. So kommt das Ende der Welt, wie wir sie kennen. Für Apokalypse findet Danny Boyle in seinem Zombiefilm bedrückend-faszinierende Szenarien. Und der Mensch wird dem Menschen wieder ein Wolf … oder ein Zombie.

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