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Vollbild | Beitrag vom 24.08.2019

Kinokolumne Top 5Die besten Filme über Spioninnen

Von Hartwig Tegeler

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Jennifer Lawrence im Film "Red Sparrow". (imago images / Prod.DB)
Jennifer Lawrence spielt in dem Film "Red Sparrow" eine Spionin, die in die Abgründe der Welt rutscht. (imago images / Prod.DB)

In der Filmgeschichte haben Spioninnen immer wieder fulminante Auftritte - meist als Femme fatale. Eine der berühmtesten ist die Tänzerin Mata Hari. In "Red Sparrow" spielt Jennifer Lawrence eine Agentin, die eigentlich nur ihre Mutter schützen wollte.

Platz 5: "Mata Hari" von George Fitzmaurice (1931)

Der Vorteil bei Spioninnen ist natürlich die Fähigkeit, eine Honigfalle aufzustellen. Das Problem bei Spioninnen ist natürlich die Gefahr, in einer eigenen steckenzubleiben. Wie sagt ihr skrupelloser deutscher Spionageführer, der im Kriegsjahr 1917 in Paris gerade eine Kollegin von Mata Hari ermorden ließ: "Ich möchte nur daran erinnern, dass eine Spionin, die sich verliebt, in unserem Aufgabenkreis nicht mehr zu gebrauchen ist."

So brodeln auch hier, wie in jedem Spioninnen-Film, Leidenschaft, Erotik, emotionale Abgründe in Verbindung mit Gewalt und Macht. Und mag Greta Garbo als exotische Tänzerin Mata Hari noch so sehr kühl die Männer des politischen Gegners um den Finger wickeln, so kann auch sie am Ende den Fallstricken der Liebe nicht entgehen. Wenn sie zur Hinrichtung schreitet, ist diese Spionin fast wie mit einem Heiligenschein versehen. Die Verführerin wird im Tod wieder zur guten Frau. Dieses Frauenbild stammt wirklich vom Anfang des 20. Jahrhunderts.

Platz 4: "Red Sparrow" von Francis Lawrence (2018)

Heute aber geht’s natürlich viel zynischer zu. Gewalt, Macht, Sex sind in "Red Sparrow" dauerpräsent. Die schöne russische Spionin – Jennifer Lawrence – verdingt sich als Doppelagentin. Entsprechend der Genre-Gesetze geht’s also mit unendlichen Verwirrungen und Mehrdeutigkeiten durch die Story; dabei ist Dominika nur eine Frau, die ihre Mutter schützen wollte und dafür alles tat - auch sich selbst antat -, und so als Spionin in die Abgründe der Welt rutschte. James Bond hat mit diesem "roten Spatz" eine ebenbürtige Kollegin bekommen.

Platz 3: "Black Book" von Paul Verhoeven (2006)

Rachel, die Jüdin, die kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges für eine holländische Widerstandsgruppe den deutschen Chef des Sicherheitsdienstes ausspioniert, verliebt sich dabei in den SS-Offizier. Solch fundamentalen Konflikt zwischen Liebe, Leidenschaft und Loyalität hält sie zwar aus, ist mit dem Ende der Nazi-Herrschaft als eine der wenigen Überlebenden ihrer Gruppe aber damit konfrontiert, dass die Realität im Widerstand dann doch eine ganz andere war, als es ihr damals schien. Nur die nicht zu tilgende Lust am Leben, die Carice van Houten als Rachel mit großer Intensität spielt, hilft dieser Spionin zu überleben. Auch die Lügen über die guten Widerstandshelden.

Platz 2: "Dame, König, As, Spion" von Tomas Alfredson (2011)

Kein bisschen übersichtlicher ist die Welt in dieser John-le-Carré-Verfilmung aus der Zeit des Kalten Krieges. Der alte Spion George Smiley sucht den sowjetischen Maulwurf in eigenen Reihen. Es wird enorm viel geraucht in diesem Film, der aussieht, als würde man permanent Eintopf in den Treppenhäusern und den dunklen Wohnungen riechen. Die Spione in diesem Film: alles Männer, die sich in ihren eigenen Egomanien verlaufen. Connie, die einzige Spionin, ist dick, hat ein Doppelkinn; angeblich trinkt sie nicht mehr. Kein bisschen "Mata-Hari"- oder "Red Sparrow"-Touch. Und doch ist sie die cleverste Analytikerin in dieser Geheimdiensttruppe; ihrem Scharfsinn können die Männer nicht das Wasser reichen. Gutes Kontra-Bild zum üblichen Spionage-Glamour und sexy Agentinnen-Flair.

Platz 1: "Die drei Musketiere" von George Sidney (1948)

Lady de Winter: grausam, hinterhältig, skrupellos, intrigant, verführerisch und sehr, sehr effektiv in ihrer Arbeit für Kardinal Richelieu, dem starken Mann im Frankreich von Ludwig XIII. Lana Turner spielt die Spionin mit großer Dramatik; ihr Ende unter dem Henkerbeil in diesem Mantel- und Degen-Klassiker berührt umso mehr, weil sie am Ende so tief fällt. Lady de Winter scheitert an der Illusion, zu glauben, dass die Machtverhältnisse in einer so männlich dominierten Gesellschaft allein mit erotischer Finesse umzustürzen wären. Eine wahrhaft tragische Erkenntnis dieser Spionin.

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