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Vollbild | Beitrag vom 04.03.2017

Kinokolume "Top Five"Das sind die besten Affen-Filme

Von Hartwig Tegeler

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Szene aus dem Disney-Klassiker "Das Dschungelbuch" (imago/ZUMA Press)
Szene aus dem Disney-Klassiker "Das Dschungelbuch" (imago/ZUMA Press)

Sie sind übertrieben haarig, haben selten Text und sind trotzdem oft die heimlichen Stars im Film: Was wäre das Kino ohne unsere nächsten Verwandten, die Affen? Diese fünf Filme sind die besten mit Orang-Utans, Schimpansen und Co.

Platz 5: "Tarzan, der Affenmensch" von W. S. van Dyke (1932)

Der als "Tarzan" berühmt gewordene US-Schauspieler Johnny Weissmüller (Undatiertes Archivbild)   (picture alliance / dpa / Gustav Unger)Der als "Tarzan" berühmt gewordene US-Schauspieler Johnny Weissmüller (Undatiertes Archivbild) (picture alliance / dpa / Gustav Unger)
Hier ist Tarzan alias Johnny Weissmüller, wie es der Untertitel schon sagt, eben - und das ist, bitte, nicht despektierlich gemeint - mehr Affe als Mensch. Nicht was seine Physiognomie betrifft, klar, sondern die Power, die er in den Lungen zeigt, wenn er seinen berühmten Schrei ausstößt. Aber eben auch die Muskeln. Wir können Jane, hier gespielt von Maureen O'Sullivan, schon verstehen bei ihrem "Ach, Tarzan". Dessen sexuelle Potenz tritt in der Dschungel-Badeszene - Tarzan im Lendenschurz, Jane in zunehmend zerfetzterer Kleidung - offensichtlich zutage. Das ist schon sehr erotisch, auch, weil 1932 in Hollywood noch Pre-Code-Ära war; Sexualität und Erotik konnten recht offen gezeigt werden. Ab 1934 mit dem Hays Code ging es dann moralisch sauberer, sprich langweiliger, auf der Leinwand zu. Cheeta übrigens, Tarzan Schimpansen-Freundin, hält von dem Geturtel à la "Ich Tarzan, du Jane" nichts.

Platz 4: "Der Mann aus San Fernando" von James Fargo (1978)

Der Schauspieler Clint Eastwood mit dem Orang-Utan Clyde (imago/United Archives)Der Schauspieler Clint Eastwood mit dem Orang-Utan Clyde (imago/United Archives)

In jedem Fall ist Tarzan, sozusagen Stellvertreter des Affen in uns Kinogängern, Vorbild männlich potenter Urkraft. Und damit gewisserweise Vorfahre von Clint Eastwood, der als "Mann aus San Fernando" mit dem Orang-Utan Clyde zusammenlebt und gern das T-Shirt auszieht, wenn er sich in illegalen Boxkämpfen prügelt. Außerdem teilen die beiden Buddies Nüsschen und Bierdosen. Sie rülpsen gemeinsam und Clyde kann gar Küsschen geben. Und er spielt, wenn Clint die imaginäre Pistole auf ihn richtet, toter Mann, besser: toter Affen-Mann. Ein Kritiker meinte, es sei betrüblich, dass Clint Eastwood nun der Co-Star neben einem Affen sei. Ich hingegen meine, dass beide in diesem anarchischen Chaos eine Actionkomödie auf dem gleichen schauspielerischen Level agieren.

Platz 3: "Outbreak" von Wolfgang Petersen (1995)

Dustin Hoffman in "Outbreak" von Wolfgang Petersen (1995) (imago/United Archives)Dustin Hoffman in "Outbreak" von Wolfgang Petersen (1995) (imago/United Archives)

Das Unberechenbare der Natur macht der Affe auf der anderen Seite klar. Und diese Angst befördert gruselig-spannende Albtraum-Geschichten auf der Leinwand. Das Virus in der Spucke des Affen, es hat epidemisch-tödliches Potential. Das Leben von 250 Millionen Amerikanern steht auf dem Spiel, meint Donald Sutherland, der Gegenspieler von Dustin Hoffman, der die kalifornische Kleinstadt mit den Infizierten gerne mit einer Aerosolbombe terminieren möchte. Das kann Hoffman natürlich nicht zulassen. Aber "Outbreak" ist eine wunderbare Horrorgeschichte über das, was wir am meisten fürchten: wenn die Natur nämlich zurückschlägt. Und das alles nur wegen eines süßen kleinen Rhesus-Äffchen.

Platz 2: "Das Dschungelbuch" von Wolfgang Reitherman (1967)

Szene aus dem Disney-Film "Das Dschungelbuch" (imago/ZUMA press)Szene aus dem Disney-Film "Das Dschungelbuch" (imago/ZUMA press)

Was ja wohl ein Filmmusical ist, bei dem auch jeder Musical-Hasser, gerade durch den La-La-La-Land-Hype traumatisiert, von seinem fundierten Vorurteil ablassen muss. King Louie jedenfalls, der gerissene Orang-Utan aus dem Disney-Klassiker, hat einen unfassbaren Swing in seinen ewig langen Affen-Gliedern, dass man auch nach Jahrzehnten beim Zuschauen noch ins Wippen kommt. Und Moglis Kommentar zu King Louies Performance, dass die "große Klasse" sei, ist rückhaltlos zuzustimmen. Wobei nicht vergessen werden darf, dass auch Balu, der Bär, am Ende von "Ich wäre gern wie Du" im Kostüm, bestehend aus Röckchen und Kokusnuss-Gebiss, sich wunderbar "zum Affen" macht.

Platz 1 – "King Kong" von Peter Jackson (2005)

Szene aus "King Kong" von Peter Jackson (imago/ZUMA Press)Szene aus "King Kong" von Peter Jackson (imago/ZUMA Press)

Die Verkleidung des Affen, wenn er zum Giganten wird, erledigt natürlich heute der Computer, aber wenn Meister wie Peter Jackson sich den XXL-Gorilla vornehmen … Nur diese eine Szene katapultiert Jacksons Film in den Kino-Olymp, nur die: King Kong, der Gigant, in dieser wunderschönen Liebesszene, bei der Tarzan und Jane vor Neid erblassen würden. King Kong hat Naomi Watts in der Hand und rutscht auf seinem voluminösen Hinterteil über den zugefrorenen See im New Yorker Central Park. Rutschen, drehen, wenden, immer die blonde, lachende Frau in einer Pranke haltend. Beide freuen sich an diesem wunderlichen wie wunderbaren Pas de deux, versunken in den Rhythmus des Gleitens. Welch Poesie in freier Bewegung. Ein Moment purer  Kino-Magie, scusi, Affen-Kino-Magie.

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