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Thema / Archiv | Beitrag vom 24.03.2014

KinoMann liebt Maschine, Maschine liebt Mann

Spike Jonzes neuer Film "Her"

Von Patrick Wellinski

Ein Teilnehmer des 30. Chaos Communication Congress (30C3) des Chaos Computer Clubs (CCC) sitzt am 27.12.2013 im Congress Center (CCH) in Hamburg mit seinem Laptop in einem Becken mit weichem Verpackungsmaterial. (dpa / picture alliance / Bodo Marks)
Computerliebe: Die perfekte Beziehung? (dpa / picture alliance / Bodo Marks)

Es beginnt mit ein paar Witzen, doch schon bald entwickeln sie Gefühle für einander: der Schriftsteller Theodore und Samantha, das Betriebssystem. In Spike Jonzes Zukunftsvision schockiert die romantische Grenzüberschreitung niemanden mehr.

"Hey, da bin ich."
"Äh … Hi."
"Hi, ich bin Samantha."

Es ist wieder eine dieser ewigen Kinoformeln, die Spike Jonzes' neuen Film "Her" in Bewegung bringt: Boy meets Girl.

"Du hast in fünf Minuten ein Meeting. Willst du vielleicht versuchen aufzustehen?"
"Du bist echt lustig."
"Na gut. Dann bin ich eben lustig."

Theodore, der kürzlich geschiedene Schriftsteller, trifft auf Samantha. Es ist keine Liebe auf den ersten Blick, viel eher auf den ersten Ton. Denn Samantha …

"Also die Frau, mit der ich mich treffen, diese Samantha …"
"Ja?"
"Ich fühle mich ihr sehr nah. Und wenn wir reden, habe ich das Gefühl, sie ist sehr nah bei mir."

Computerliebe gar nicht peinlich

Samantha ist ein OS, ein Betriebssystem. Immer da und zur Stelle, wenn der melancholische Schnauzbarträger Theodore Hilfe braucht. Zunächst nur für ein paar Witze, Mails checken, Termine sortieren. Doch schon sehr bald entwickeln beide Gefühle für einander. Die Liebe zu Samantha ist Theodore gar nicht peinlich, niemand wundert sich, alle akzeptieren es. Also: Theodore und Samantha. Sie reden über das Wetter, den Tag und die Arbeit. Einmal auch am Strand. Während er in seiner Baumwollhüfthose im Schneidersitz auf das Meer schaut, komponiert sie ihm ein Klavierstück. Damit sie sich besser an den Moment erinnern. Und dann reden sie weiter – über Theodores Verflossene.

"Wie war es, verheiratet zu sein?"
"Jedenfalls ist es sehr schwierig. Allerdings ist es ein sehr gutes Gefühl, mit jemanden das Leben zu teilen."
"Wie teilt man das Leben mit jemandem?"


Mensch liebt Maschine, Maschine liebt Mensch. Der amerikanische Regisseur Spike Jonze erzählt in "Her" von dieser Annäherung als romantische Grenzüberschreitung. Doch die Beziehung zwischen Theodore, gespielt von Joaquin Phoenix, und Samantha, gesprochen von Scarlett Johansson, hat nichts Skandalöses. Jonze hat seine Handlung nämlich in einer nicht näher gefassten Zukunft angesiedelt, wo die Technik zwar noch nicht die Macht über den Menschen ergriffen hat, ihm aber so nahe und verbunden ist, wie nie zuvor. Jonze lotet die Möglichkeiten einer solchen Liebe aus.

Annäherung an perfekte Symbiose

Ist das eine perfekte Beziehung? Was ist mit Sex? Mit Eifersucht? Aber sein Film versprüht nichts mehr von jenem Unwohlsein, das die Verbindung zwischen Mensch und Maschine bislang in der Filmgeschichte auslöste. Erinnern wir uns nur an den Boardcomputer Hal 9000 aus Stanley Kubricks Meilenstein "2001 – Odyssee im Weltraum", der sein dämonisches Inneres zeigte, indem er sich gegen die Befehle der Astronauten wandte:

"Du wirst jetzt tun, was ich dir befehle! Öffne das Schleusentor!"
"Dave? Dieses Gespräch hat keinen Sinn mehr. Es führt zu nichts. Leb wohl."

Gleiches gilt für alle Science-Fiction und Cyborg-Fantatasien von RoboCop bis Avatar – sie alle erzählen von einem mitunter brutalen Kampf, an dessen Ende sich der Mensch gegen die Maschine behaupten muss – nachdem er das Monster erkannte, das er selber schuf.

Davon ist Spike Jonze meilenweit entfernt. Sein sehnsüchtig verträumter Blick in eine nicht allzu ferne Zukunft schwebt förmlich einer perfekten Symbiose entgegen, bis dann auch in "Her" plötzlich kleine Risse erkennbar werden, die auf eine andere Lesart verweisen. Nämlich die schmerzhafte Einsicht, dass selbst eine vermeintlich ideale Mensch-Maschine-Beziehung nicht auf Dauer sein muss:

"Und dann habe ich über die anderen Sachen nachgedacht, die ich empfunden habe. Und habe mich dabei erwischt, dass ich stolz darauf war, meine eigenen Ansichten auf die Welt zu haben. Was ich will. Und dann die schreckliche Frage: Sind diese Dinge real? Oder sind sie nur programmiert?"

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