Kindererziehung ja, aber wie?

Early excellence gilt als eine besondere Idee für die Erziehung von Kindern. © AP
Von Uschi Götz und Kerstin Ruskowski · 13.11.2009
Seit fast zehn Jahren verfolgt man am Berliner Pestalozzi-Fröbel-Haus den pädagogischen Ansatz Early excellence. Das Konzept kommt aus der englischen Arbeiterstadt Corby. Es sollte nicht als Elitenförderung von Kleinkindern missverstanden werden, sondern vielmehr wird der Anspruch gehegt, Kindern von Anfang an eine kompetente Erziehung zu bieten.
"In Deutschland braucht man für alles eine Genehmigung oder einen Führerschein, nur Kinder erziehen kann jeder, wie er will","

meint Heinz Dürr, ehemals Chef der Bahn und heute Förderer von Early-Excellence in Deutschland. Early Excellence, also frühe Spitzenleistung, das klingt ein bisschen nach Elitenbildung schon im Kleinkindalter. Doch es geht dieser Form der Erziehung um etwas anderes: Zum einen sollen Kinder individuell gefördert werden, zum anderen in enger Zusammenarbeit mit den Eltern.

Die Idee entstand in den 80er-Jahren in England. Das Berliner Pestalozzi-Fröbel-Haus bemüht sich seit zehn Jahren, dieses Konzept auch für die deutsche Kleinkindbetreuung zu nutzen. 2001 wurde es zunächst in einem Pilotprojekt auf eine Kindertagesstätte des Pestalozzi-Fröbel-Hauses übertragen.


Berlin - Von Kerstin Ruskowski

Es ist 11:30 Uhr – "story time" in einer Kindertagesstätte in Berlin-Charlottenburg. Mit einem Windspiel in der Hand steht die Erzieherin Cornelia Pforr im Aufenthaltsraum. Mit der Hand lässt sie die feinen Metallröhrchen aneinander schlagen: Für die Kinder bedeutet "story time", dass sie sich nun in Kleingruppen in verschiedenen Räumen zum gemeinsamen Spielen treffen. Aufgeregt laufen die Kinder kreuz und quer durch den Aufenthaltsraum, verstauen Bücher im Regal, legen Bastelscheren aus der Hand.

Cornelia Pforr ist seit 32 Jahren Erzieherin – zunächst in herkömmlichen Kindertagesstätten und seit nunmehr fast zehn Jahren im "Kinder- und Familienzentrum Schillerstraße". Dort wird ein besonderes pädagogisches Konzept angewendet: das Early-Excellence-Konzept. Die Arbeitsweise und auch ihre persönliche Arbeitseinstellung haben sich mit der Umstellung auf das Early-Excellence-Konzept stark verändert, sagt Cornelia Pforr.

""Ich bin viel lockerer, ich bin viel entspannter, ich bin viel gelassener, weil ich auch ne ganz andere Sicht jetzt habe, was die Kinder angeht. Die können sich hier frei bewegen, wie sie wollen. Ich hab vor EEC die Kinder auch noch nicht angebunden, sag ich jetzt mal. Aber ich hab… es war reglementierter. Einfach dadurch, dass die Tür meistens zu war – das war in dieser Zeit so, nach diesem Konzept. Ich selber, ich habe auch mehr festgelegt, mehr vorgeschrieben, mehr… Ja, alles das."

Das Early-Excellence-Konzept wurde in den 80er-Jahren in der englischen Stahlarbeiterstadt Corby in einem gesellschaftlich schwierigen Umfeld entwickelt. Das dortige "Pen Green Centre" gilt als die Wiege dieses Erziehungsansatzes. Seit 1997 fördert die britische Regierung die Verbreitung des Early-Excellence-Konzepts in Kindertagesstätten im ganzen Land.

Heinz Dürr, ehemaliger Chef der Deutschen Bahn AG, und seine Frau Heide brachten die Idee vor zehn Jahren nach Deutschland. Sie beruht auf zwei einfachen Prinzipien, wie Heinz Dürr erklärt.

"Erstens: die Eltern mit einbeziehen und zweitens: die jeweilige Begabung des Kindes zu berücksichtigen. Also nicht einheitlich zu verfahren nach Einheitsstil, sondern jedes Kind für sich eigentlich zu betrachten."

Dass Eltern und Kindertagesstätte bei der Erziehung Hand in Hand arbeiten, hält auch Wolfgang Tietze, Professor für Kleinkindpädagogik an der Freien Universität Berlin, für eine gute Idee, denn:

"Wenn man guckt nach den Effekten, die die Familie auf das Kind hat – seine Bildung, Entwicklung – und die Effekte, die also eine Einrichtung hat: Es gibt gute Familien, weniger gute. Es gibt gute Einrichtungen, weniger gute. Wenn man das also vergleicht, dann findet man, dass die Effekte der Familie ungefähr zwei- bis viermal so groß sind als die Effekte, die von unterschiedlicher Qualität in den Einrichtungen ausgehen."

Die Kindertagesstätte in der Berliner Schillerstraße wurde 2001 als Pilotprojekt nach dem Early-Excellence-Konzept umstrukturiert. Das Berliner Projekt steht unter der Federführung des Pestalozzi-Fröbel-Hauses. In der Anfangsphase reisten die deutschen Erzieherinnen zu Hospitationen in das "Pen Green Centre" nach Corby und umgekehrt. So wurde der Early-Excellence-Ansatz im engen Austausch mit den Erzieherinnen aus England auf die Gegebenheiten in Deutschland übertragen.

Für Sabine Hebenstreit-Müller, die Direktorin des Pestalozzi-Fröbel-Hauses, ist das Early-Excellence-Konzept eng verbunden mit der Philosophie ihres Hauses.

"Wir erfinden nicht Pädagogik neu, sondern das Spannende ist, dass gerade die Tradition Fröbel verankert ist in England und quasi über England weiterentwickelt hier bei uns im Hause aufgegriffen wird."

Aufgrund der positiven Erfahrungen wurde dieses pädagogische Konzept vor fünf Jahren auf alle Einrichtungen des Pestalozzi-Fröbel-Hauses ausgedehnt: auf andere Kindergärten in den Bezirken Charlottenburg-Wilmersdorf, Tempelhof-Schöneberg und Friedrichshain-Kreuzberg, aber auch auf die Fachschule für Sozialpädagogik sowie Nachbarschafts- und Familienzentren.

Doch das Pestalozzi-Fröbel-Haus ist nicht die einzige Einrichtung, die die Bedeutung der Eltern für die Erziehung von Kindern erkannt hat. Professor Wolfgang Tietze:

"Die Berliner Situation ist dadurch gekennzeichnet, dass verschiedene Bezirke nun auch versuchen, in ihrem Zuständigkeitsbereich entsprechende Einrichtungen zu schaffen – das ist mittlerweile zu einer breiten Bewegung geworden. Die Einsicht hat sich überall durchgesetzt, dass wir Familien stärker mit einbeziehen müssen, dass Familien gestärkt werden müssen, wenn wir Kinder fördern wollen."

Auch die Erziehung zur Selbstständigkeit nach bestimmten Regeln, deren Sinn die Kinder verstehen können, ist kein Alleinstellungsmerkmal des Early-Excellence-Konzeptes. Dennoch funktioniert das Vertrauensverhältnis zwischen Erzieherin und Kind in der Berliner Kita in der Schillerstraße vorbildlich.

Kita Schlafraum
Pforr: "Uns ist halt wichtig, wenn wir jetzt bei Kindern-
(Junge) Conny? Ja?"
"Darf ich in den Schlafraum?"
"Mit wem willst Du losziehen?"
"Kasimir."
"Hast Du den schon gefragt, ob der auch will?"
""Ja."
"Ja, wunderbar. Soll ich Euch mal die Tür aufschließen? Gerne. Dann gehen wir mal."

Cornelia Pforr begleitet die beiden etwa dreijährigen Jungen zur Türe des Schlafraums. Die rundliche Frau reckt sich nach oben und nimmt den Schlüssel, der sicher verstaut auf der oberen Kante des Türrahmens liegt.

Pforr: "Ist Euch das hell genug?"
Kind: "Ja."
Pforr: "Okay. Dann viel Spaß! Wenn’s Euch zu kalt ist, macht Ihr die Tür bitte zu?"
"Ja."

Pforr: "Also, das ist auch so was, ne. Dann fragen die eben nach und wir haben hier - das ist in der offenen Arbeit total wichtig – wir haben, die sind total frei, aber wir haben gewisse Regeln und Abmachungen, weil sonst wäre das Chaos hier zugange. Und hier im Schlafraum zum Beispiel – sie fragen dann nach – hier ist zum Beispiel die Absprache: fünf Kinder und nicht mehr. Wir machen manchmal Ausnahmen, das besprechen wir dann ad hoc, aber das ist so ne Regel, fünf Kinder, die sich dann hier miteinander vergnügen können. Und vielleicht noch eine Sache (Klopfen) – noch mal kurz stören. Wir haben ja hier auch ne Klettermöglichkeit und auch da sitzen wir mit den Kindern am Anfang –
Da steht STOP.
Und warum ist das da?
Damit keine Kinder drauf klettern.
Damit keiner raufklettert, wenn kein Erzieher mit drin ist, ne.
Ja.
Und wenn einer von uns mit drin ist, wo ist dann die Hand?
Die macht man dann ab.
Richtig. Die macht man dann ab und dann ist klar, dass man dann Klettern darf."

Ein solches Vertrauensverhältnis sollte eigentlich nichts Besonderes sein, findet Professor Tietze.

"Das gehört eigentlich in jede Kita. Ohne Selbstständigkeit und Verantwortung an das Kind zu tragen, kann Erziehung nicht funktionieren. Es ist immer die Frage, die Balance zu halten. Natürlich gibt es auch so etwas wie ne Aufsichtspflicht und liegt dann auch in der Verantwortung der pädagogischen Fachkräfte. In der einen Gruppe kann man es so machen, in der anderen vielleicht nicht."

In der Schillerstraße hat jedes Kind eine Bezugserzieherin, die es über die gesamte Zeit in der Kindertagesstätte betreut und die in engem Kontakt mit seinen Eltern steht. Auf jede Erzieherin kommen maximal 15 Bezugskinder. So soll gewährleistet werden, dass auf jedes Kind im Einzelnen eingegangen werden kann. Die Eltern schätzen dieses Bemühen sehr.

"Wir haben unsere Kinder vorher in einer anderen Kita gehabt und haben wegen des pädagogischen Ansatzes in dieser Kita die Kinder vor mittlerweile zwei Jahren hierher wechseln lassen, und ich kann nur sagen, das ist ein Unterschied wie Tag und Nacht.

Was ist so der gravierendste Unterschied? Dass ich das Gefühl habe, dass sich die Erzieherin auf beide Kinder – und wenn man zwei Kinder hat, die auch noch sehr verschieden sind, kann man das ja immer gut vergleichen – dass die Erzieherin sich auf die individuelle Persönlichkeit der Kinder einlassen und auch darüber im konstanten Gespräch mit den Eltern sind."

Wenn mehr Geld zur Verfügung stünde, könnten weitere Erzieherinnen eingestellt werden und die Gruppen weiter verkleinert werden. Das wäre ganz im Sinne des Early-Excellence-Konzepts. Aber das Pestalozzi-Fröbel-Haus bekommt nicht mehr Geld als andere Berliner Kindergartenträger. Sabine Hebenstreit-Müller:

"Wir werden gefördert wie jeder andere Träger in Berlin auch. Wir bekommen nicht einen Cent mehr oder weniger. Und mittlerweile ist es so, dass auch die Modellphase vorbei ist, sodass die Entwicklung vor Ort mit den Ressourcen passieren muss, die da sind."

Bisher hat die Verbreitung des Early-Excellence-Konzeptes so gut funktioniert, dass weder Heinz und Heide Dürr, noch die Leiterin des Pestalozzi-Fröbel-Hauses einen Überblick haben, wie viele Kita in Deutschland das Konzept übernommen haben. Wobei in vielen Kitas durchaus ähnliche pädagogische Ansätze verfolgt werden, ohne dass das Label Early Excellence dafür verwendet würde. Die Berliner Initiatoren wollen nun – gemeinsam mit der Universität Köln - eine Early-Excellence-Zertifizierung einführen. Eine Idee, die Professor Tietze befürwortet.

"Ich glaube, es ist gut mit Leuchttürmen zu beginnen, aber dann auch zu gucken: Was sind die Bedingungen, die wir brauchen, damit es in die Breite gehen kann. Wie sichern wir, dass das, was jetzt die Ableger sind, dass die auch dem Original hinreichend nahe kommen – da sind wir dann bei dem Punkt Zertifizierung: Wann ist ein solches Zentrum ein Early-Excellence-Centre? Das sind also die Fragen, die jetzt in der Zukunft auf alle zukommen."

Professor Tietze hat selbst Erfahrung mit solchen Gütesiegeln gemacht. Neben seiner Tätigkeit an der Freien Universität Berlin ist Wolfgang Tietze Geschäftsführer des Forschungs- und Entwicklungsinstitutes "PädQuis". Dieses hat die Qualität der Kindertagesstätten in Nordrhein-Westfalen überprüft - im Auftrag der dortigen Landesregierung. Seit drei Jahren unterstützt die den Ausbau von Kindertagesstätten zu sogenannten Familienzentren – mit 12.000 Euro pro Jahr und Kita.

In anderen Bundesländern beschränkt sich die finanzielle Unterstützung von Early-Excellence- oder Familienzentren auf die üblichen Mittel, die zur Unterstützung von Kinderbetreuungseinrichtungen vorgesehen sind. Träger, die die pädagogische Arbeit in ihren Einrichtungen verändern wollen, sind deshalb auf zusätzliche Gelder, beispielsweise aus Stiftungen, angewiesen.

Die Zertifizierung von Kindertagesstätten muss Transparenz für die Eltern schaffen, findet Professor Tietze. Und das kann nur gelingen, wenn sie von unabhängigen Gutachtern bewertet werden.

"Man muss unterscheiden zwischen der Grundleistung, so möchte ich es mal nennen, die jede Kita zu erbringen hat: der Bildung, Betreuung, Erziehung – das ist ja der gesetzliche Auftrag – und gewissermaßen der Zusatzleistung: Was macht eine Kita dann zum Early-Excellence-Center? Und dass die Zusatzleistung der Unterstützung von Familien und dieses positiven Einbezugs von Familien, dass das für sich genommen kein Garant dafür ist, dass dieses Zentrum als stinknormale Kita gute Qualität macht."

Im "Kinder- und Familienzentrum Schillerstraße" haben die Eltern einen eigenen Raum. Dort können sie sich bei einem Kaffee mit den Erzieherinnen oder auch mit anderen Eltern austauschen. Wer möchte, kann sogar mal einen ganzen Tag mit seinen Kindern in der Kita verbringen.

Pforr: "Wenn wir die ersten Gespräche haben, erfahren die Eltern, dass wir offen sind für Hospitationen. Wir wünschen einfach nur, dass das mit uns abgesprochen wird, dass wir gucken – also, wenn jetzt auch ne bestimmte Bezugserzieherin da sein soll für die Mama oder für den Papa – dann ist natürlich wichtig zu schauen: Können wir das in dem Moment leisten? Und dass jemand den ganzen Tag bleibt, ist schon durch die Berufstätigkeit der Eltern gar nicht machbar in den meisten Fällen. Aber die Option ist da."

Außerdem gibt es eine Menge gemeinsamer Aktivitäten wie Gartenaktionen, Laternenbasteln, Weihnachtsfeiern, an denen auch die Eltern teilnehmen. Und die Eltern nehmen diese Angebote gerne wahr:

"Also, ich bringe mich erstmal dadurch ein, dass ich Elternvertreter bin. Natürlich gibt es da ganz viele Bereiche, wo man sich informell im Kindergarten aufhält und mit anderen Eltern sich austauscht. Darüber hinaus gibt es viele Angebote, die man mit den Kindern gemeinsam macht. Das sind dann ganze Nachmittage, die man dort dann verbringt."

Early Excellence ist ein dynamischer Erziehungsansatz, dessen Ursprung im Milieu sozial benachteiligter Familien liegt. Doch der Leitsatz "Jedes Kind ist exzellent!" ist generell zu verstehen. Sabine Hebenstreit-Müller vom Pestalozzi-Fröbel-Haus wünscht sich für die Gruppen in den Early-Excellence-Kita Kinder unterschiedlicher sozialer und kultureller Herkunft.

"Es richtet sich an alle Eltern. Wir haben natürlich die Erfahrung gemacht, dass gerade benachteiligte Eltern oder Familien mit Migrationshintergrund durch dieses Modell in besonderer Weise angesprochen werden können. Weil der Fokus auf Kompetenzen liegt und man sie nicht herzitiert, um ihnen zu sagen, wie sehr ihr Kind stört."

Die Idee, in Erziehungsfragen stärker mit Eltern zusammenzuarbeiten und die Interessen der Kinder zu fördern, ist gut. Ob entsprechenden Veränderungen in der pädagogischen Praxis dann ein Stempel wie Early Excellence oder "Familienzentrum" aufgedrückt wird, ist vielleicht zweitrangig. Entsprechend ausgewiesene und zertifizierte Einrichtungen können Eltern jedoch bei der Entscheidung helfen, welche Kita sie für ihr Kind aussuchen.


Stuttgart - Von Uschi Götz

Auch in Stuttgart gibt es eine Kindertagesstätte, die seit zwei Jahren nach den Grundsätzen des Early-Excellence-Ansatzes arbeitet. Das Kinderhaus St. Josef. Das arbeitet nach demselben Konzept wie die Kita in Berlin - und doch gibt es ein paar Unterschiede. Denn das Kinderhaus St. Josef liegt im Stuttgarter Osten – einem Stadtteil, in dem viele Migranten leben. Auch dort werden die Eltern mit einbezogen – aber anders als im Berliner Stadtteil Charlottenburg.

15 Uhr, draußen regnet es. Aster Kaletti und Saranda Schubi decken den Tisch. Wie viele Mütter und Väter heute kommen, wissen sie nicht. Frau Kaletti stellt ihren selbstgebackenen Kuchen auf den Tisch. Saranda Schubi lässt sich das Rezept erklären:

"Zucker, Vanillezucker und Pudding, und hier eine Schokolade..."

Sarande Schubi kommt aus dem Kosovo und ist seit sieben Jahren in Deutschland. Aster Kalettis Wurzeln liegen in Eritrea. Die Kinder der beiden Frauen besuchen das Kinderhaus St. Josef im Stuttgarter Osten. Das Early-Excellence–Konzept sieht vor, die Eltern der betreuten Kinder von Anfang an mit ins Boot zu holen.

Neben engen Bindungen zu den Erzieherinnen werden regelmäßige, gemeinsame Treffen für Mütter und Väter angeboten. Bastelmittage mit Kindern stehen auf dem Programm, ebenso regelmäßige Gesprächskreise. Das Ziel ist klar:

Sarande Schubi: "Weil ich habe so viele Albanerinnen und wenn ich bleibe mit Albanerinnen, ich spreche nur Albanisch. Und hier ist es etwas anderes, weil ich habe hier eine Chance, ja. Und wir lernen auch, was machen die Kinder für die Zukunft und viele Sachen."

Für die Treffen stehen großzügige und freundliche Räume zur Verfügung. An der Wand im Elterncafe hängt ein Plakat. Überschrift: Wertebegriffe. In acht verschiedenen Sprachen stehen entweder in Reimform oder als Sprichworte landestypische Werte, die übersetzt im Kern doch alle das gleiche meinen: Nena Duman, Deutsch–Türkin:

"Das ist bei uns ein Sprichwort..., das heißt, dass man hier untereinander respektiert werden soll, geliebt werden und Mensch sein... also ich kann das so nicht direkt übersetzen, aber das ist ein Sprichwort bei uns, und die haben das halt wortwörtlich übersetzt. Also man muss miteinander liebevoll umgehen, respektvoll umgehen und es ist wichtig, ein Mensch zu sein."

Stefanie Entzmann: "Jetzt speziell auf Stuttgart gesehen, hat ja die Stadt Stuttgart sich entschieden, dass der Orientierungsplan mit einem evaluierten Bildungskonzept umgesetzt werden muss, da haben wir uns im Alleingang in Stuttgart für Early Excellence entschieden, weil wir dachten, dass es das beste, passende Konzept ist. Einmal für unsere Kindertagesstätte, aber im Hintergrund einfach für unsere gesamte Einrichtung gesehen für den Bereich Hilfe zur Erziehung dazu, weil es sich sehr stark an Familien orientiert, am Bedarf der Familien und es ist ein sozialräumliches Konzept und nicht ein reines Bildungskonzept.

Stefanie Entzmann setzt als Leitung der Einrichtung das Konzept im Stuttgarter Osten um. Ein Stadtteil mit einem hohen Migrantenanteil. 230 Kinder im Alter von ein bis 14 Jahren besuchen zurzeit die Einrichtungen des Kinderhauses St. Josef im Stuttgarter Osten. An verschiedenen Standorten im Stuttgarter stehen sieben Kindertagesstätten zur Verfügung. Nimmt man Zivildienstleistende und Aushilfen hinzu, beschäftigt die Einrichtung rund 60 Mitarbeiter. Befragte Eltern sind durchweg zufrieden mit der Betreuung der Kinder.

Entzmann: "Ich muss aber sagen, dass wir trotz Leidenschaft und Wille immer wieder sehr stark an unsere Grenzen kommen, weil das, was wir an Rahmenbedingungen zur Verfügung haben, uns das oftmals nicht ermöglicht Early Excellence in dem Maße umzusetzen, wie es nötig wäre, um die entsprechende Ergebnisse zu erreichen."

Ein großes Problem sei es, so Leiterin Stefanie Entzmann, wirklich qualifiziertes Personal zu finden. Vier Erzieherinnenstellen sind zurzeit nicht besetzt.

Entzmann: "Ich habe ein riesiges Problem, ich brauche gut ausgebildete Leute, die bereit sind, die Arbeit zu leisten, die auch Mehrarbeit, auch anspruchsvolle Arbeit ... und ich finde niemand. Und dann kann ich ihnen nicht einmal das Geld geben, das ihnen vielleicht ja ... nicht nur zusteht, sondern das ihnen Lust macht, dieses 'Mehr' hier noch zu bringen."