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Interview / Archiv | Beitrag vom 15.01.2019

Kinderbuchautor Wieland FreundEin Zwerg auf Michael Endes Schulter

Wieland Freund im Gespräch mit Axel Rahmlow

Die Zeichnung zeigt einen Jungen, der auf einem Ast über einen Fluss balanciert (Thienemann-Verlag)
Zieht los um das Fürchten zu lernen: Knirps (Thienemann-Verlag)

Als er starb, hinterließ Michael Ende ein Kinderbuchfragment. Dies hat der Autor Wieland Freund nun fertig geschrieben. Dabei sei er sich anfangs unsicher gewesen, ob er das könne. Doch je mehr er in das Fragment versank, desto leichter sei es ihm gefallen.

Ein Heidenspaß sei es gewesen, Michael Endes letztes Kinderbuch fertig zu schreiben, sagt der Autor Wieland Freund im Deutschlandfunk Kultur. Ende starb 1995 und die drei Kapitel des Buchs "Rodrigo Raubein und Knirps, sein Knappe" fand man in seinem Nachlass. Freund schrieb die restlichen Kapitel des Buchs, das nun erschienen ist. 

"Ende hätte jede Entscheidung anders getroffen"

"Erst mal hat man mächtig Bammel. Das ist eine große Aufgabe", sagt Freund. "Man ist sich keineswegs sicher, dass man die irgendwie erfüllen kann." Doch je öfter er Endes Fragment las, desto sicherer fühlte er sich. "Die Geschichte verriet auf symbolischer Ebene schon jede Menge über sich und das ist bei Ende sehr wichtig."

Dennoch habe er nicht einfach Endes drei Kapitel auf ein Buch ausgedehnt, sagt Freund. "Jedes Wort ist eine Entscheidung und jede hätte er anders getroffen." Um das Buch fertig zu schreiben, habe er nicht Michael Ende nachahmen müssen.

"Sondern ich musste die Stimme des Erzählers des Rodrigo Raubein finden. Die hat ein paar Eigenarten, aber irgendwann hat man sie im Ohr."

Kein Räuber, nur ein guter Geschichtenerzähler

Und Raubeins Stimme erzähle eine Geschichte, die Freund so zusammenfasst: "Der Knirps, der aufbricht, um das Fürchten zu lernen. Er kann sich nicht fürchten, weil er vor nichts Angst hat. Deshalb ist er für das Böse anfällig. Er will zu dem Raubritter und selbst einer werden. Doch er muss feststellen, dass der Raubritter nicht böse ist." Stattdessen sei er nur ein guter Geschichtenerzähler. "Sein ganzes Räuberdasein ist einfach gut erzählt, aber nicht wahr."

Dass er Endes Buch fertig schreiben durfte, lag auch an dessen Verlag, der Freund darum bat. Warum? "Das ist eine Frage, die sie mir nicht stellen können", sagt der Autor. Schließlich habe er das nicht entschieden und er hat dennoch eine Erklärung:

"Schriftsteller sind Zwerge auf den Schulter von Riesen. Und wenn man meine Bücher liest, kann man erkennen, dass dieser Zwerg zumindest mit einem Bein auf der Schulter von Michael Ende steht."

(lsc)

Michael Ende/Wieland Freund: "Rodrigo Raubein und Knirps, sein Knappe" 
Mit Illustrationen von Regina Kehn
Thienemann Verlag, 2019
208 Seiten, 17,00 Euro 

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