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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 10.08.2017

Kinderarzt Peter HauberMit Musik gegen den Atomkrieg

Moderation: Ulrike Timm

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Der Arzt Peter Hauber sitzt im Oktober 2013 im Flüchtlingscamp auf dem Oranienplatz in Berlin. (dpa / picture alliance / Britta Pedersen)
Der Arzt Peter Hauber engagiert sich sozial - hier im Oktober 2013 im Flüchtlingscamp auf dem Oranienplatz in Berlin. (dpa / picture alliance / Britta Pedersen)

"Musik öffnet die Herzen und die Sinne" - diese Überzeugung hat der Berliner Kinderarzt Peter Hauber gleich mehrfach in die Tat umgesetzt. Er ist aktives Mitglied der "Internationalen Ärzte gegen den Atomkrieg" und er engagiert sich bei der ärztlichen Versorgung von Flüchtlingskindern.

"The War Game" war die Initialzündung. Nachdem der Kinderarzt Peter Hauber Peter Watkins' Film über einen fiktiven Atombombenangriff gesehen hatte, verfolgten ihn tagelang heftige Albträume. Erst überlegten er und seine Frau, ob sie sich für den Fall der Fälle Zyankalikapseln besorgen sollten. Doch dann entschieden sie sich, aktiv gegen Atomwaffen vorgehen zu wollen. Zunächst wollten sie wissen, welche Schutzmöglichkeiten es in ihrem unmittelbaren Umfeld gab.

Ein Ausschnitt aus "The War Game" von Peter Watkins:

"Wir sind also dann abends zu dem Bunker um die Ecke gegangen, haben uns den angeguckt, Gartentor verschlossen. Es war ein Haus, fensterloses Gebäude. Wie kommen wir jetzt rein? Also Rückfrage: 'Wie kommen wir rein?' Antwort: 'Schlüssel ist im Bezirksamt'. 'Was ist, wenn es Freitagabend ist, Bezirksamt geschlossen ist und der Krieg geht los?'. 'Es wird nichts passieren, denn das wird sich tagelang vorher eben dann schon ankündigen'. Also gut, der Schlüssel ist beim Bezirksamt aber zuständig ist ein Herr Nitschke vom Zivilschutz. Kontakt aufgenommen zu dem, Termin vereinbart und er sagte für zwei Leute macht er das nicht. Dann habe ich groß Werbung gemacht in der Straße, bin an die Kirchengemeinde gegangen. Wir wollen ein richtiges Bunkergefühl haben, die 250 Plätze, das müssen wir erleben."

Das Ergebnis war ernüchternd, spätestens nach zehn Tagen wären Luft und Nahrung verbraucht.

Weitreichendes Engagement

Peter Hauber wurde schließlich Mitglied der "Internationalen Ärzte gegen den Atomkrieg" (IPPNW). Er organisiert nicht nur seit 33 Jahren die IPPNW-Konzerte: hochkarätig besetzte Benefizveranstaltungen, deren Erlöse Opfern von Kriegen und Katastrophen zugutekommen und auch Hilfsorganisationen. Gemeinsam mit seiner Frau führt er zudem das dazugehörige Plattenlabel - alles ehrenamtlich im eingespielten Zweierteam, gerade ist die 81. CD herausgekommen.

Wie er unter anderem prominente Musiker für seine Projekte gewann, erzählte er "Im Gespräch" am Beispiel von Yehudi Menuhin.

"Ich habe ihm aufgelauert nach einem seiner Violinenabende, die er in der Philharmonie gegeben hat. Bin also hinter die Bühne, und habe ihm eine Einladung gegeben zu unserem Benefizkonzert, dass wir anlässlich der Verleihung des Friedensnobelpreis an die IPPNW im Dezember 1985 organisierten. Ich bat ihn, ob er die Begrüßungsrede halten könnte und er sagte spontan zu. Und seine Begrüßungsrede endete damit, er wünsche sich, dass die IPPNW vom Preisgeld die Ausreise Sacharows organisiere. Und das ist auch gelungen."

Musikunterricht für Flüchtlingskinder

Der inzwischen 72-jährige Mediziner engagiert sich neben seiner Praxisarbeit auch in der ärztlichen Versorgung von Flüchtlingskindern und hat den Verein "MitMachMusik - Ein Weg zur Integration von Flüchtlingskindern e.V." mit gegründet. Angelehnt an das Musikkonzept "El Sistema" aus Venezuela bekommen die Kinder Instrumente gestellt und erhalten Musikunterricht.

Sein Ziel: "Wir wollen den vielen Tausend Kindern, die nach Deutschland kommen, Selbstbewusstsein und Hoffnung geben. Die Musik ist ein wunderbares Mittel dafür."

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