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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 07.04.2016

Kinderarzt Joachim GardemannEin Leben für die Katastrophenhilfe

Moderation: Katrin Heise

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Der Kinderarzt Joachim Gardemann bei einem Einsatz im Ebola-Gebiet in Kenema (Sierra Leone). (Maija Tammi (Rotes Kreuz Finnland))
Der Kinderarzt Joachim Gardemann bei einem Einsatz im Ebola-Gebiet in Kenema (Sierra Leone). (Maija Tammi (Rotes Kreuz Finnland))

Die Krisengebiete der Welt sind praktisch sein Zuhause: Der Kinderarzt Joachim Gardemann ist seit mehr als 20 Jahren für das Internationale Rote Kreuz dort unterwegs, wo dringend humanitäre Hilfe gebraucht wird. Seine Einsätze führten ihn auf alle Kontinente.

Es sind die Kleinigkeiten, die dem Katastrophen-Mediziner Joachim Gardemann zu Herzen gehen. Beim Einsatz für das Internationale Rote Kreuz im iranischen Erdbebengebiet zum Beispiel habe er zu seinen Kollegen gesagt, dass in dem Schutthaufen unter ihnen 38.000 Menschen liegen.

"Das kann man gar nicht so fassen. Aber dann guckte aus diesem Schutthaufen so ein kleines Kinderfahrrad raus – und das haut einen dann doch ziemlich um."

Einsätze auf allen Kontinenten

Der Kinderarzt Joachim Gardemann ist seit mehr als 20 Jahren für das Internationale Rote Kreuz dort unterwegs, wo dringend humanitäre Hilfe gebraucht wird. Seine Einsätze führten ihn auf alle Kontinente. Zuletzt koordinierte er 2014 die Nothilfe im Ebola-Gebiet von Sierra Leone. Seine praktischen Erfahrungen gibt der mehrfach ausgezeichnete Mediziner an die Studenten der Fachhochschule Münster weiter. Dort leitet Joachim Gardemann seit 2001 das Kompetenzzentrum Humanitäre Hilfe.

Joachim Gardemann (picture-alliance / dpa / Foto: Wilfried Gerharz)Joachim Gardemann, der Leiter des Kompetenzzentrums Humanitäre Hilfe an der Fachhochschule Münster. (picture-alliance / dpa / Foto: Wilfried Gerharz)
Und diese humanitäre Hilfe unterscheidet nicht zwischen Täter und Opfer. Manchmal aber fällt das auch Joachim Gardemann schwer. Zum Beispiel, als er nach dem Genozid in Ruanda einen der Täter ärztlich behandeln musste. 

"Einem schlimmen Täter zu helfen ist wirklich schwierig"

"Das ist wirklich schwierig. Dem Opfer zu helfen, das ist selbstverständlich, das tut man gerne, mit größter Leidenschaft, aber einem schlimmen Täter zu helfen ist wirklich schwierig. Da muss man die Faust so in der Tasche ballen! Aber wenn wir anfangen würden zu fragen, wer hat angefangen oder wer ist lieb und wer ist böse, dann kommt man ja nicht weit. Im Übrigen ist das ja nicht nur in der Nothilfe so, das ist ja allgemein ärztliche oder pflegerische Ethik."

Seinen Studierenden an der Fachhochschule Münster erklärte er das so:

"Wenn ihr im Rettungswagen seid und werdet nachts um drei zum Bahnhof gerufen, da ist 'ne Messerstecherei, da liegen zwei Menschen am Boden - dann fangt ihr ja auch nicht an zu fragen, wer hat angefangen, sondern ihr müsst einfach dem helfen, dem es im Moment schlechter geht."

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