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Fazit / Archiv | Beitrag vom 23.01.2013

Keuchen, schwitzen, hecheln

Der Körper im Zentrum der Choreografie: Angela Schubot und Jared Gradinger

Von Susanne Burkhardt

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Angela Schubot und Jared Gradinger in "Les Petites Morts - i hope you die soon" (Ben Jakon / Theater Hebbel am Ufer)
Angela Schubot und Jared Gradinger in "Les Petites Morts - i hope you die soon" (Ben Jakon / Theater Hebbel am Ufer)

Wie fühlt es sich an, wenn zwei Körper zusammen sterben? Diese Frage haben sich die beiden Tänzer Jared Gradinger und Angela Schubot gestellt und performen ihre Antwort auf der Bühne des Berliner Theaters Hebbel am Ufer. "Les Petits Morts" - die kleinen Tode - so heißt ihre Produktion, deren erster Teil "i hope you die soon" Premiere feierte.

Ein junges Paar. Beide in Stonewashed Jeans, hautfarbenem Achselhemd und Turnschuhen. Sie betreten die Bühne und beginnen rhythmisch zu atmen, als wären sie mitten in einem Liebesakt. Sie verbiegen ihre Körper umeinander, stehend, liegend, hockend. Brutal wirkt das, manchmal auch komisch. Verausgaben sich wie Hochleistungssportler. Keuchen, schwitzen, hecheln sich in ständig wechselnden Positionen in eine beinahe animalische Erschöpfung, die sich geradezu physisch auf die Zuschauer überträgt. 50 Minuten lang. Beziehung als Kampf.

"What they are instead of" – also so viel wie: "Was sie stattdessen sind” - so hieß diese erste abendfüllende Performance der Tänzer Jared Gradinger und Angela Schubot aus dem Jahr 2009. Da kannten sich der US-Amerikaner und die Deutsche, beide Jahrgang 1977, bereits aus einer Produktion mit der Choreografin Constanza Macras, waren Freunde geworden und entdeckten ihr gemeinsames Interesse an der unverstellten Kraft ihrer Körper.

In der folgenden Arbeit "Is maybe" geht es um symbiotische Körper und die Frage nach dem Verlust der Identität, also die "Auflösung des Ichs". Wieder prallen die beiden Körper drastisch und unsentimental aufeinander. Stoßen sich um Armlängen ab, aber halten sich damit auch: Auf Distanz – aber eben auch aneinander. Das Stück wirkt wie eine Weiterentwicklung der Vorgängerproduktion und tourte wie diese erfolgreich durch die unterschiedlichsten Städte.

Gradinger und Schubot, die in Workshops regelmäßig mit jungen Künstlern an der Entgrenzung und der Veränderung des Körpers arbeiten, widmen ihre neueste Produktion den "Kleinen Toden". "I hope you die soon" – so heißt der erste von zwei Teilen.

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