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Kompressor | Beitrag vom 19.03.2018

Keith Haring in der Wiener Albertina"Er hat die erste künstlerische Universalsprache entwickelt"

Dieter Buchhart im Gespräch mit Timo Grampes

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Keith Haring: Ohne Titel (1980), Tinte auf Plakatkarton. Das Bild zeigt zwei Comic-Figuren im Kampf miteinander. (Christopher Burke / The Keith Haring Foundation)
Keith Haring: Ohne Titel (1980), Tinte auf Plakatkarton (Christopher Burke / The Keith Haring Foundation)

Keith Harings ikonografische Männchen sind überall auf der Welt bekannt. Und mit seiner Zeichensprache ist er ein Vorläufer moderner Emoji-Kommunikation, meint Dieter Buchhart, Kurator der großen Haring-Ausstellung in Wien.

Kunst soll für alle da sein - nicht nur für ein paar ausgewählte (reiche) Sammler. Konsequent vertrat Keith Haring diese Haltung und verewigte sich in den 80er-Jahren mit seinen ikonografischen Männchen in Bewegung in New Yorker U-Bahnhöfen.

Allerdings konnte der 1990 an Aids verstorbene Pop Art- und Street Art-Künstler nicht verhindern, dass sich einzelne Personen die Blätter mit  Männchen, Kreuzen, Hunden oder Mäusen unter den Nagel rissen und zuhause gerahmt an die Wand hängten.

Dieses Jahr wäre Haring 60 Jahre alt geworden, und seine Bedeutung scheint ungebrochen. "Er hat die erste künstlerische Universalsprache entwickelt", sagt Dieter Buchart, Kurator der umfassenden Ausstellung "The Alphabet" in der Wiener Albertina. Buchhart verweist auf die stetig wachsende Flut von Emojis - täglich würden weltweit fünf bis sechs Milliarden davon verschickt. So gesehen sei Haring ein "Vorläufer unserer modernen Kommunikationsmittel." 

Schwerpunkt auf Harings Zeichensprache

Die Ausstellung beleuchtet das Werk des amerikanischen Ausnahmekünstlers sowohl aus kunsthistorischer als auch aus formaler Sicht. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Harings Zeichensprache, die sich als künstlerisches Alphabet wie ein roter Faden durch sein Schaffen zieht.

In seinen U-Bahn-Bildern, Gemälden, Zeichnungen und Skulpturen verschreibt sich Haring über diesen Zeichen-"Code" sozialer Gerechtigkeit und stetiger Veränderung. "Er war ein genialer Zeichner - das ist in der Ausstellung eindeutig und belegbar zu sehen", sagt Buchhart.

Keith Haring: Ohne Titel (1982), Sumi-Tinte und Acryl auf Papier, auf Leinwand aufgezogen. Das Bild zeigt zwei Männchen, die ein rotes großes Herz über ihren Köpfen balancieren, links daneben zwei Würfel, rechts neben ihnen eine große Micky-Mouse-Figur. (Christopher Burke)Keith Haring: Ohne Titel (1982), Sumi-Tinte und Acryl auf Papier, auf Leinwand aufgezogen. (Christopher Burke)

Haring sei definitiv mehr als ein harmloser Pop-Artist, betont der Kurator. So habe er etwa mit den häufig in seinen Zeichnungen auftretenden Kreuzen die Macht der Kirche thematisiert.

Kunst für alle

Wie aber verträgt sich der Haringsche Pop Shop damit, dass der Künstler eine extreme Vermarktung seiner Kunst ablehnte? Mittlerweile gibt es seine Motive auf Maus-Pads, Stickern oder Kaffeetassen. Hätte er das gewollt?

Haring habe seinen Pop Shop 1986 eröffnet, weil er kurz zuvor aufgehört hatte, in U-Bahnhöfen zu veröffentlichen - weil, wie erwähnt, seine Zeichnungen gezielt von dort entfernt wurden, um sie als Sammlerstück zu besitzen.

Der Pop Shop sei deshalb für Haring ein Kommunikationsmittel gewesen, um so seine Kunst wieder allen zugänglich zu machen.  

Info: Die Ausstellung "The Alphabet" ist bis 24. Juni 2018  in der Wiener Albertina zu sehen. Weitere Informationen finden Sie hier.
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