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Studio 9 | Beitrag vom 14.11.2019

Kein Steuerprivileg mehr für MännervereineSchützt die putzigen Altherrenclubs!

Von Vladimir Balzer

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Das Foto zeigt einen Arbeiter-Männergesangsverein Mitte der 1920er-Jahre. (dpa / picture alliance / IMAGNO / Austrian Archives)
Arbeiter-Männergesangsverein Mitte der 1920er-Jahre: Es gibt Dinge, die können so bleiben, wie sie sind. (dpa / picture alliance / IMAGNO / Austrian Archives)

Reine Männervereine sollen nicht mehr gemeinnützig sein und ihre Steuerprivilegien einbüßen, meint Finanzminister Olaf Scholz. Unser Kolumnist Vladimir Balzer fragt sich, warum Scholz sich nicht lieber für etwas Wichtigeres einsetzt.

Wer hätte das gedacht? Olaf Scholz will also etwas für die Geschlechtergerechtigkeit tun. Dafür hat er sich ausgerechnet Männervereine als politischen Gegner ausgesucht.

Man könnte ihm ja zum Beispiel vorschlagen, sich stattdessen für mehr Klimaschutz im Kabinett einzusetzen. Oder in seiner Partei für ein stärkeres sozialdemokratisches Profil. Aber nein, Olaf Scholz will Männervereinen das Steuerprivileg streichen.

Will Scholz bei den Genossinnen punkten?

Nur warum? Will er Punkte machen bei den Genossinnen, die ihn zum Parteivorsitzenden wählen sollen? Will er als Bundesfinanzminister tatsächlich auf Steuern bestehen, die Spender für gemeinnützige Vereine dann zahlen müssten?

Was auch immer es ist, er hat offenbar keinen Sinn für die Vielfalt der Tradition. Und nicht einmal Sinn für die Freiheit des Vereinslebens. Es gibt nun mal Vereine, die sind traditionell Männern vorbehalten.

Wir reden hier nicht vom Klerus einer Weltkirche, sondern wir reden von putzigen Altherrenclubs wie Schützenvereinen, Karnevalsvereinen, Skatvereinen. Sowas. Ganz ehrlich, wie attraktiv sind solche Vereine wirklich? Ist die Gerechtigkeit in Frage gestellt, wenn einem der Zugang dazu verwehrt wird?

Es gibt Dinge, die müssen nicht reformiert werden

Muss also jeder Verein jeden und jede aufnehmen, um gemeinnützig zu sein? Natürlich nicht. Gemeinnützigkeit heißt: etwas Gutes für die Gesellschaft zu tun. In dem man zum Beispiel einfach zeigt, was die Geschichte an Traditionen hervorgebracht hat. In dem man Dinge hochhält, die nicht reformiert werden müssen. Sowas soll es ja geben. Dinge, die einfach so bleiben können, wie sie sind.

Das können sogar Männervereine sein.

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