Studie über Dating-Community

Kein Sex mit Ungeimpften?

08:25 Minuten
Vier Füße schauen am Ende unter einer weißen Bettdecke hervor.
"Wenn Ungeimpfte nur noch andere Ungeimpfte kennenlernen, würde die Impfverweigerung normalisiert werden", sagt der Psychologe Guido Gebauer. © Unsplash / Womanizer Toys
Guido Gebauer im Gespräch mit Massimo Maio · 30.11.2021
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Datingportale sind für viele noch mit die einzige Möglichkeit, überhaupt jemanden kennenzulernen. Aber auch hier macht sich die Haltung zur Impfung bemerkbar. Ein Datingportal hat ihre Mitglieder befragt und ist zu eindeutigen Ergebnissen gekommen.
Hätten Sie Lust auf ein Date mit Ungeimpften? Oder falls Sie ungeimpft sind – würden Sie sich auf Geimpfte einlassen? Eine neue Studie hat sich genau damit beschäftigt, wie der Impfstatus und allgemein die Haltung zur Coronalage das Datingverhalten beeinflusst. So leiden Singles besonders unter den Einschränkungen und Lockdowns. Sie sind besonders isoliert und haben wenig körperliche Nähe mit anderen.

Impfquote von 80 Prozent auf Datingportal

Die Studie wurde von der Datingplattform Gleichklang durchgeführt, die der Psychologe Guido Gebauer gegründet hat. Demnach seien 80 Prozent der Mitglieder geimpft, davon hätten mehr als 70 Prozent ganz klar gesagt, zukünftige Beziehungspartner:innen sollten auch geimpft sein. Der Impfstatus habe ihrer Erhebung nach einen „erheblichen Einfluss“ auf die Partnerwahl, so Gebauer.
„Bei den Ungeimpften gibt es zwei Drittel, die wir als Impfverweigerer bezeichnen würden. Die sagen dezidiert, ich bin nicht geimpft und ich werde mich auch nicht impfen lassen."

Daten, um weitere Spaltung zu vermeiden

Aus diesen Erkenntnissen ließe sich nun schlussfolgern, dass nur noch Geimpfte beziehungsweise Ungeimpfte ein Match ergeben sollen. Aus einer Zweierbeziehung betrachtet, wäre solch ein Vorgehen auch sinnvoll. Konflikte zu diesem Thema könnten eher vermieden werden.
Solch einen Algorithmus lehnt Guido Gebauer aber ab. Aus gesellschaftlichen Gründen wollen sie auf der Datingplattform solch ein Matching nicht durchführen. Der Psychologe hält solche Vorgehensweise sogar für schädlich: „Wenn es wirklich so käme, dass spezifisch Ungeimpfte nur noch andere Ungeimpfte kennenlernen würden, dann würde die Impfverweigerung normalisiert werden. Die Ungeimpften würden sich gegenseitig in dieser Impfverweigerung weiter bestärken, und es käme zu einer noch stärkeren Radikalisierung von Impfverweigerern, als wir sie jetzt schon sehen.“   

Symptom für eine zunehmende Spaltung

Datingplattformen sollten vielmehr über das Impfen und die Notwendigkeit mit aufklären, so Gebauer. Dass Geimpfte und Ungeimpfte sich größtenteils nicht mehr gegenseitig daten möchten, sieht Guido Gebauer auch als ein weiteres Symptom für eine zunehmende Spaltung in der Gesellschaft: eine Minderheit, die Impfungen ablehnt und einen „gesellschaftlichen Grundkonsens verlässt“, gegenüber einer Mehrheit, die Impfung befürwortet.
Psychologische Untersuchungen hätten zudem ergeben, dass sich Menschen, die an Verschwörungsmythen glauben, mit höherer Wahrscheinlichkeit auch einen sogenannten ängstlichen Bindungsstil aufweisen würden, sagt Guido Gebauer.

Eifersucht, Anklammern und Maskenangst

Dieser Bindungsstil gehe auf Verlusterfahrungen in der Kindheit zurück und könne sich im Erwachsenenalter als eine hohe Sensitivität gegenüber möglichen Bedrohungen äußern, die wiederum übertrieben werden, erklärt Guido Gebauer. „Dies tun die Personen wiederum, um Zuwendungen und Aufmerksamkeit zu erhalten, weil sie sich dadurch einfach sicherer fühlen.“
In Beziehungen würde dieses Verhalten in Eifersucht, Anklammern und Verlustängsten deutlich werden. In der aktuellen gesellschaftlichen Bedrohungslage zeige sich das in einer „Hyperaktivierung des Bindungssystems“.
Deshalb würden das Tragen von Masken oder Kontakteinschränkungen auch sehr stark als Bedrohung übertrieben und als Diktatur oder Verfolgung erlebt.

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