Seit 18:05 Uhr Wortwechsel
Freitag, 30.07.2021
 
Seit 18:05 Uhr Wortwechsel

Aktuell / Archiv | Beitrag vom 28.02.2014

Katholische KircheKölner Erzbischof Meisner in Ruhestand versetzt

Papst Franziskus nimmt Rücktrittsgesuch an

25 Jahre Erzbischof in Köln: Joachim Kardinal Meisner.

Nun ist es offiziell: In Köln endet die Ära von Erzbischof Meisner. Nach 25 Jahren im Amt hat ihn der Papst in den Ruhestand versetzt. Wer sein Nachfolger wird, ist offen.

Eine Überraschung war es nicht, als die Kunde aus Rom kam, pünktlich um 12 Uhr, wie gewohnt, wenn der Vatikan Offizielles bekannt gibt: Papst Franziskus habe das Rücktrittsgesuch des Kölner Oberhirten Joachim Kardinal Meisner angenommen, den Erzbischof von Deutschlands größtem und reichstem Bistum in den Ruhestand versetzt.

Ein Zufall war es sicher auch nicht, dass Meisner selbst eine Stunde zuvor die Presse geladen hatte. Anlass für das Mediengespräch: das 25-jährige Jubiläum seiner Zeit als Erzbischof in Köln.

Am 12. Februar 1989 wurde der damalige Bischof von Berlin in sein neues Amt im Rheinland eingeführt. Wirklich willkommen war er nicht: Der Papst hatte eigens das Kirchenrecht ändern müssen, um einen Erfolg im dritten Wahlgang des Domkapitels, dem entscheidenenden Gremium in Köln, möglich zu machen. Theologen aus ganz Deutschland protestierten gegen das Vorgehen von Johannes Paul II. In Köln fürchtete man, Meisner passe nicht in das traditionell liberale Klima des sogenannten rheinischen Katholizismus.

Meisner will in Domnähe bleiben

In der Tat profilierte sich der Kirchenmann in Köln weiter als Vertreter des konservativen Flügels der katholischen Kirche in Deutschland, wurde quasi sein bekanntestes Gesicht. Er erregte während seiner Amtszeit immer wieder Aufsehen, wenn er Abtreibungen zum Beispiel mit dem Holocaust verglich und Kunst ohne religiösen Bezug als "entartet" bezeichnete. Zuletzt polarisierte er die Öffentlichkeit im Januar mit der Aussage: "Ich sage immer, eine Familie von euch ersetzt mir drei muslimische Familien."

Joachim Kardinal Meisner (M.) beim Empfang des Kölner Dreigestirns der Karnevalssession 2014. (picture alliance / dpa / Horst Galuschka)Joachim Kardinal Meisner (M.) beim Empfang des Kölner Dreigestirns der Karnevalssession 2014. (picture alliance / dpa / Horst Galuschka)

Meisner wurde am 25. Dezember 1933 in Breslau geboren. Nach der Priesterweihe 1962 in Erfurt folgte 1975 die Ernennung zum Weihbischof des Bischöflichen Amtes Erfurt-Meiningen. 1980 wurde Meisner Bischof in Berlin, bevor er 1989 an den Rhein wechselte.

Auch in seinem Ruhestand will er in Köln in Domnähe wohnen bleiben. Nach eigenen Worten will er sich vor allem der Seelsorge von Ruhestandspriestern und Ordensschwestern widmen.

Domkapitel wählt Nachfolger

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, würdigte Meisner am Freitag als "Mann der klaren Worte" und unerschrockenen Glaubenszeugen. 

Nach seiner Abberufung wird das Erzbistum Köln zunächst vom dienstältesten Kölner Weihbischof Manfred Melzer geleitet. Innerhalb von acht Tagen muss das Domkapitel einen Diözesanadministrator wählen, der die Verwaltungsaufgaben vorübergehend wahrnimmt. Anschließend beginnt das Domkapitel nach einem komplizierten Verfahren mit der Wahl des neuen Erzbischofs.

Wer Meisner folgen wird, ist offen: Ob Kurienbischof Georg Gänswein, der Berliner Erzbischof Rainer Maria Woelki oder zuletzt der jüngste Kölner Weihbischof im Amt, Ansgar Puff.

Joachim Kardinal Meisners Ruhestand ist auch Thema in der Ortszeit ab 17 Uhr.

Mehr zum Thema:
01.02.2014 | ORTSZEIT
Islam - Warum Kardinal Meisner die Öffentlichkeit erregt
Eine Glosse zu Meisners Muslimäußerung

App: Dlf Audiothek

Die neue Dlf Audiothek App ist ab sofort in den Appstores von Apple und Google zum kostenlosen Download erhältlich (Deutschlandradio)

Entdecken Sie mit der Dlf Audiothek die Vielfalt unserer drei Programme, abonnieren Sie Ihre Lieblingssendungen, wählen Sie aus Themenkanälen und machen daraus Ihr eigenes Radioprogramm.


Jetzt kostenlos herunterladen

Studio 9

BGH-Urteil gegen FacebookAuch Löschen braucht Regeln
Auf einem Computerbildschirm bewegt sich der Cursor durch ein Facebook-Menü zum Melden von problematischen Kommentaren. Der Cursor befindet sich auf dem Menüpunkt "Beleidigung / Üble Nachrede".  (picture alliance / dpa-tmn / Andrea Warnecke)

Facebook wird oft vorgeworfen, zu wenig gegen Hasskommentare zu tun. Nun urteilte der Bundesgerichtshof, dass in zwei Fällen zu schnell gelöscht worden sei. Es ging dabei um rassistische Posts. Christopher Ophoven findet die Entscheidung trotzdem gut.Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur