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Interview / Archiv | Beitrag vom 23.09.2019

Katholische KircheFrauen an die Macht

Mechthild Heil im Gespräch mit Liane von Billerbeck

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Das Foto zeigt einen Flasmob vor dem Ulmer Münster gegen die männlichen Machtstrukturen in der katholischen Kirche. Mehrere Frauen haben ihre Münder mit Klebestreifen zugeklebt. (dpa / picture alliance / Karl-Josef Hildenbrand)
Mit einem Flasmob vor dem Ulmer Münster haben Frauen gegen die männlichen Machtstrukturen in der katholischen Kirche protestiert. (dpa / picture alliance / Karl-Josef Hildenbrand)

Während die Herbstvollversammlung der Bischofskonferenz beginnt, macht die Katholische Frauengemeinschaft auf die fehlende Gleichberechtigung aufmerksam. Mit Frauen wäre der Missbrauchsskandal besser aufgearbeitet worden, sagt die Vorsitzende Mechthild Heil.

Heute beginnt die Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Fulda. Die Frauen in der Katholischen Kirche wollen derweil nachhaltig auf ihre Belange aufmerksam machen. Mit einer bundesweiten Aktionswoche wird die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) für mehr Geschlechtergerechtigkeit werben. Die kfd hat nach eigenen Angaben rund 450.000 Mitglieder und gilt als größter katholischer Frauenverband Deutschlands.

"Wir tragen die Kirche"

Die Bundesvorsitzende Mechthild Heil gibt sich selbstbewusst: "Wir empfinden uns als diejenigen, die die Kirche tragen", sagt sie. "Wenn wir streiken würden, wenn wir nicht mehr die tägliche Arbeit in unseren Gemeinden machen würden: Wo wäre dann die deutsche katholische Kirche?"

Heils Verband will einen gleichberechtigten Zugang zu allen Diensten in der Kirche erreichen, auch zu Weiheämtern. Für den Ausschluss der Frauen gebe es keine nachvollziehbare theologische Begründung, betont sie. Dass es so viele Widerstände in der Katholischen Kirche gegen die Gleichberechtigung gebe, sei nicht mehr zu verstehen.

Frauen seien nicht per se besser als Männer, sagt Heil. Wenn man aber den Missbrauchsskandal betrachte, könne man feststellen, dass die Probleme der Kirche an ihrer Struktur lägen: "Man hat sich gegenseitig gedeckt, es ist eine verquere Sexualmoral." Hier wäre es gut gewesen, wenn Frauen mit am Tisch gesessen hätten. "Wir haben da einen anderen Zugang", betont Heil. Wenn Frauen an der Aufklärung beteiligt gewesen wären, wäre das Problem nicht so unter den Teppich gekehrt worden.

Sexualität: Schweigen in den Priesterseminaren

"Das Gleiche gilt für die Sexualmoral. Es ist unmöglich, dass in Priesterseminaren so gut wie gar nicht darüber gesprochen wird, wie man damit umgeht, wenn man ohne Frau zölibatär lebt. Das können wir alles aufbrechen. Aber da müssen wir wirklich an die Strukturen ran. Wir Frauen können da ein ganz großen Beitrag leisten."

Während der Aktionswoche wollen kfd-Gruppen überall in Deutschland Aktionen veranstalten. Der Verband sammelt auch Unterschriften für eine Online-Petition.

(ahe)

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