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Interview / Archiv | Beitrag vom 28.03.2018

Kasernenumbenennung in Hannover"In der Traditionspflege reinen Tisch machen"

Jakob Knab im Gespräch mit Dieter Kassel

Der Schriftzug am Eingangstor der Emmich-Cambrai-Kaserne. Die Emmich-Cambrai-Kaserne in Hannover soll künftig den Namen eines in Afghanistan gefallenen Feldjägers tragen. (picture alliance/dpa/Hauke-Christian Dittrich)
Die Emmich-Cambrai-Kaserne vor ihrer Umbenennung in Hauptfeldwebel-Lagenstein-Kaserne. (picture alliance/dpa/Hauke-Christian Dittrich)

Heute benennt Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen eine Kaserne in Hannover um. Die bisherige Emmich-Cambrai-Kaserne wird dann Hauptfeldwebel-Lagenstein-Kaserne heißen - nach einem gefallenen Bundeswehrsoldaten.

Jakob Knab, Autor des Buches "Falsche Glorie - das Traditionsverständnis der Bundeswehr", sieht die Verteidigungsministerin in der Pflicht: Wenn die heutige Veranstaltung nicht nur "Kosmetik" sei, müsse Ursula von der Leyen weitere Umbenennungen vornehmen. Als Beispiele nannte Knab die Hindenburg-Kaserne im Munster-Lager oder die Lent-Kaserne in Rothenburg an der Wümme. Das werde der Test ihrer "politischen Glaubwürdigkeit". Die Umbenennung heute sei "ein allererster Schritt in die richtige Richtung".

Recht, Freiheit, Menschenwürde als Werte der Bundeswehr

Die bisherige Emmich-Cambrai-Kaserne war nach Darstellung Knabs einem General gewidmet, der von der damaligen Kriegspropaganda als Held und Eroberer von Lüttich hochgejubelt worden war. Emmich sei in Gräueltaten gegen die belgische Zivilbevölkerung Anfang Augugst 1914 verstrickt gewesen. Im Jahr 1937 habe der NS-Staat die Liegenschaft "nach diesem Helden vergangener Schlachten" benannt: "Damit muss die Bundeswehr, die für die Grundwerte Recht, Freiheit, Menschenwürde einsteht, endlich, endlich Schluss machen."

Dass die Initiative, die Kaserne in Hannover nach dem in Afghanistan getöteten Soldaten Tobias Lagenstein zu bennen, von Soldaten vor Ort ausgegangen sei, nennt Knab eine "geschichtspolitische Märchenstunde". Er kenne Abläufe und Strukturen beim Militär. Nach mehreren rechtsradikalen Vorfällen sei jetzt die Zeit gekommen, "auch in der Traditionspflege reinen Tisch zu machen". Wenn die Bundeswehr ihren "ureigenen Auftrag" ernst nehme, brauche es auch keinen neuen Traditionserlass, den die Ministerin heute unterzeichnet. (bth)

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