Karnevalwagenbauer Jacques Tilly sieht Moskauer Prozess gegen ihn als Bestätigung seiner Arbeit

In Düsseldorf bereitet er sich auf den diesjährigen Rosenmontagsumzug vor, in Moskau ist er angeklagt: Der Bildhauer und Karnevalswagenbauer Jacques Tilly. Dass ihm in Russland der Prozess gemacht wird, sieht er als Bestätigung seiner Arbeit. Der russische Präsident Putin habe Angst vor Satire und Kritik, sagte Tilly dem Berliner ”Tagesspiegel”. Zwar drohten ihm zehn Jahre Straflager, so der 62-Jährige. "Andererseits macht sich das Regime in Moskau lächerlich, indem es seine Justiz gegen Pappfiguren und politische Karnevalssatire in Stellung bringt. Es zeigt, wie viel Angst der Machtapparat Putins vor Satire und Kritik hat. Die haben wohl richtig Angst vor meiner Arbeit." Dabei gehe es ihm nicht nur um den russischen Präsidenten, so Tilly. Moskau müsse begreifen, dass er nicht nur Putin lächerlich mache, sondern alle Despoten, Demagogen, Diktatoren. Er haue auch demokratisch legitimierte Politiker in die Pfanne. Der Künstler hatte in den vergangenen Jahren bei Rosenmontagsumzügen unter anderem Putin in einer mit Blut gefüllten Badewanne in den ukrainischen Flaggenfarben dargestellt.