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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 04.08.2017

Karl-Max Einhäupl, Charité"In der Neurologie lernt man, was der Mensch ist"

Moderation: Susanne Führer

Der Vorstandsvorsitzende der Charité, Karl Max Einhäupl, am 21.03.2017 in Berlin bei der Jahres-Pressekonferenz der Charité.   (picture alliance / dpa / Soeren Stache)
Karl Max Einhäupl bei der der Jahres-Pressekonferenz der Charité in Berlin im März 2017. (picture alliance / dpa / Soeren Stache)

Der Neurologe Karl Max Einhäupl hat es als Vorstandsvorsitzender der Berliner Universitätsmedizin Charité geschafft, Deutschlands größte Uniklinik zu einer internationalen Marke zu machen. Als er mit 16 Jahren beschloss, Medizin zu studieren, wollte er helfen und heilen.

Der junge Mediziner Einhäupl war auf dem besten Weg, ein Kardiologe zu werden, doch durch Zufall geriet er in die Neurologie, die damals – in den 70er-Jahren – noch ein "sehr kontemplatives Fach" gewesen sei.

"Das heißt, man hat das Gefühl gehabt, die Neurologen können Krankheiten wunderbar beschreiben, aber sie können nichts wirklich tun. Es war eigentlich die Zeit, wo die Neurologie sich völlig verwandelt hat von einem – wie ich es genannt habe – kontemplativen Fach hin zu einem expliziten Therapiefach. Und heute, würde ich sagen, ist die Neurologie eines der Fächer, die am stärksten therapieorientiert sind."

Die Neurologie und der freie Wille

Besonders gereizt habe ihn das Verstehen von Krankheiten, was gerade in der Neurologie noch viel systematischer angelegt sei als in anderen Disziplinen. Eigentlich wollte er nur ein, zwei Jahre in der Neurologie arbeiten und dann wieder zur Kardiologie zurückkehren.

Aber in dieser Zeit "habe ich einfach erfasst, was Neurologie eigentlich ist, was Neurologie leisten kann und habe verstanden, dass die Neurologie wirklich eben dieses Konstitutive für menschliches Leben ist, dass Emotionen nicht nur eine erlernte Fähigkeit sind, sondern dass es eine wahrscheinlich zum großen Teil biologisch bestimmte Fähigkeit ist, dass Entscheidungsfähigkeit durch neuronale Strukturen bedingt wird. Heute führen wir eine große Diskussion um die Frage, ob wir einen freien Willen haben. Es ist hoch interessant zu wissen, inwieweit neuronale Strukturen im Gehirn in der Lage sind, solche Entscheidungen zu beeinflussen. Natürlich haben wir irgendwann mal das Ziel, vielleicht dort wo sie fehlgeleitet sind, in diese Prozesse eingreifen zu können."

Einhäupl habilitierte sich im Fach Neurologie, 1988 wurde er an die LMU in München berufen, 1992 an die Charité in Berlin als Direktor der Neurologie. Dazu kam die Lehre als Hochschullehrer und die Forschung; der Neurologe richtete an der Charité unter anderem einen Sonderforschungsbereich ein und gehört zu den Mitbegründern des Exzellenzcluster Neurocure.

Schon als Kind Tiere seziert

Geboren und aufgewachsen ist Einhäupl in München, in behüteten Verhältnissen. Sein Vater war Architekt und erwartete von ihm, ebenfalls Architekt zu werden. Aber schon als Kind interessierten in die Naturwissenschaften, als Junge hat er beispielsweise Tiere seziert, meist Mäuse, einmal auch einen Frosch. Und er hatte als Kind ein Chemielabor in der Garages seines Vaters:

"Wir waren natürlich damals eher an Feuer und Explosion interessiert. Heute würde man wahrscheinlich sofort von den Nachbarn die Polizei geschickt bekommen. Aber wir haben damals in der Tat als Kinder noch selbst versucht, Schwarzpulver zu mischen, um an Silvester den klassischen Knallern irgendwie Konkurrenz bieten zu können. Das hat auch gut funktioniert!"

2008 wurde Karl Max Einhäupl Vorstandsvorsitzender der Berliner Universitätsmedizin Charité. Ihm gelang es, aus der defizitären Klinik wieder eine internationale Marke zu machen, die sogar schwarze Zahlen schreibt.

International bekannt wurde der heute 70-jährige Einhäupl als Mitglied des Ärzteteams, das die damals inhaftierte ukrainische Politikerin Julia Timoschenko untersuchte.

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