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Konzert / Archiv | Beitrag vom 11.12.2016

Karl-Heinz Steffens und das RSBLondon fließt vorbei

Aufzeichnung aus der Philharmonie

Der Dirigent und Klarinettist Karl-Heinz Steffens (Gert Kiemeyer/RSB)
Der Dirigent und Klarinettist Karl-Heinz Steffens (Gert Kiemeyer/RSB)

Karl-Heinz Steffens war mehrfach als Klarinettensolist beim Rundfunk-Sinfonieorchester zu hören, diesmal dirigiert er die Londoner Sinfonie von Ralph Vaughan Williams. Andreas Brantelid gibt sein Debüt beim RSB in Edward Elgars Cellokonzert.

Sie ist im Jahr 1914 entstanden und wirkt wir eine Vorahnung - Ralph Vaughan Williams hat seine 2. Sinfonie als Städteporträt mit politischem Unterbau konzipiert. Es sei die "Sinfonie eines Londoners", wie er selbst anmerkte. Die Zuhörer werden zunächst in das Treiben einer turbulenten Metropole gezogen – es sind Großstadtszenen in Musik, Bewegung, Verkehr, ein recht angenehmes Durcheinander. Zum Schluss beschreibt der Komponist eine grausige Vision: "Der letzte große Satz in der London-Sinfonie, in dem der wahre Kern der alten Ordnung völlig verblasst und verschluckt wird … ein Licht nach dem anderen erlischt. England und das Königtum, Britannien und das Empire, der alte Stolz und die alte Hingebung, achteraus, sind auf den Horizont – vorbei – vorbei. Der Fluss fließt vorbei, London fließt vorbei, England fließt vorbei!" So beschreibt es Vaughan Williams selbst.

Auch das Cellokonzert von Edward Elgar ist politisch konnotiert – der einst aufrechte Royalist Elgar, der im Grunde der Hauskomponist des Königshauses in der Zeit nach der Jahrhundertwende gewesen war, resümiert hier den Niedergang der Zivilisation in Europa nach dem 1. Weltkrieg.

Weil er sich vor häuslichen Pflichten drücken konnte, fand er Zeit, sein Cellospiel zu perfektionieren – Andreas Brantelid ist seiner Zwillingsschwester Ida überaus dankbar, dass sie Geschirr spülte, während er mit dem Vater Cello übte. Der dänisch-schwedische Cellist, knapp 30, ist wohl einer der erfolgreichsten Künstler Skandinaviens und ist mit breitem Repertoire weltweit unterwegs. Das Cellokonzert Edward Elgars ist sein Leib- und Magenstück. Mit ihm debütierte Brantelid als 14jähriger beim Königlichen Orchester in Kopenhagen.

Philharmonie Berlin
Aufzeichnung vom 11. Dezember 2016

Edward Elgar
Konzert für Violoncello und Orchester d-Moll op. 85

Ralph Vaughan Williams
"A London Symphony" – Sinfonie Nr. 2 G-Dur

Andreas Brantelid, Violoncello
Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin
Leitung: Karl-Heinz Steffens

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