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Konzert / Archiv | Beitrag vom 02.04.2019

Karina Canellakis beim DSO BerlinWie im Wirbelwind

Moderation: Volker Michael

Die Dirigentin Karina Canellakis (Mathias Bothor/DSO Berlin)
Die Dirigentin Karina Canellakis (Mathias Bothor/DSO Berlin)

Sie ist ein "shooting-star" der Musikszene - die New Yorker Dirigentin Karina Canellakis. Jetzt gibt sie ihr Debüt beim Deutschen Symphonie-Orchester Berlin mit Musik von Dvořák und Bartók. Pekka Kuusisto spielt Ligetis Violinkonzert.

Sie fühle sich immer noch wie in einem Wirbelwind, erzählte uns Karina Canellakis, angesprochen auf das Rezept ihres Erfolges, der dazu geführt hat, dass sich Orchester in Europa und Nordamerika regelrecht um sie reißen. Sie ist einfach nur zufrieden und glücklich, wenn sie von ihren Kolleginnen und Kollegen aus den Orchestern positives Feedback bekommt.

Harnoncourt als Mentor

Seit sie zum Beispiel von Nikolaus Harnoncourt als eine seiner "Nachfolgerinnen" eingearbeitet worden war, gilt ihr das ungeteilte Interesse der Öffentlichkeit. Nun kommt sie das erste Mal zum Deutschen Symphonie-Orchester Berlin, bevor sie im Herbst Chefdirigentin des Radio Filharmonisch Orkest in den Niederlanden wird. Berlin kennt sie aus ihrer Zeit als Geigerin in der Karajan-Akademie der Philharmoniker. Auch das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin hat ein Auge auf sie geworfen und sie zur Ersten Gastdirigentin ernannt.

Liebe zur Elegie

Ihr Debüt bestreitet Karina Canellakis mit einem anspruchsvollen und besonderen Programm. Béla Bartóks "Konzert für Orchester" wurde in ihrer Heimatstadt New York komponiert, von einem kranken und einsamen Komponisten, der dennoch noch einmal alle Kraft aufgeboten hatte. Sie liebe vor allem den elegischen Mittelsatz des "Konzerts für Orchester", sagt Karina Canellakis, die sich die Welt des Béla Bartók erschließen konnte, indem sie seine Streichquartette studiert und gespielt hat.

Weltklasse-Geiger auf Skordatur

Ganz europäisch in seiner kompromisslosen Suche nach neuen Klängen war György Ligeti in seinem Violinkonzert. Das spielt an diesem Abend der finnische Geiger Pekka Kuusisto, der zu den profiliertesten und flexibelsten jüngeren Weltklasse-Geigern gehört. Er und auch die Solobratsche im extrem schütter besetzten Orchester spielen in Scordatur, also auf anders gestimmten Saiten als allgemein üblich.

Der Geiger Pekka Kuusisto (Kaapo Kamu/DSO Berlin)Der Geiger Pekka Kuusisto (Kaapo Kamu/DSO Berlin)

Schöne Mittagshexe

Der Abend beginnt mit einer dunklen Sinfonischen Dichtung von Antonín Dvořák, seiner "Mittagshexe". Die kommt angeblich, wenn die Kinder nicht brav sind. Damit droht wenigstenst die genervte Mutter - doch dann kommt die Hexe wirklich - und das Kind stirbt. Karina Canellakis wundert sich, wie leicht es Dvořák gefallen ist, zu diesem düster-grausamen Märchen Musik zu schreiben, die einfach nur schön ist, fast zu schön.

Karina Canellakis und Pekka Kuusisto über das Violinkonzert von György Ligeti:

Karina Canellakis im Pausengespräch mit Volker Michael:

Philharmonie Berlin
Aufzeichnung vom 30. März 2019

Antonín Dvořák
"Polednice" (Die Mittagshexe), Sinfonische Dichtung op. 108

György Ligeti
Violinkonzert

Béla Bartók
Konzert für Orchester

Pekka Kuusisto, Violine
Deutsches Symphonie-Orchester Berlin
Leitung: Karina Canellakis

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