Kampf um Kultur
Kurz vor dem Sommer hat der thüringische Kultusminister Jens Goebel (CDU) bekannt gegeben, dass der Freistaat die Theater- und Orchesterförderung von 60 auf 50 Millionen Euro kürzen will. Für die reiche Kulturlandschaft würde dies einen dramatischen Einschnitt bedeuten. Der Protest kam spät, doch er ist nun umso heftiger.
Ein schöner Samstagmorgen in Weimar. Auf dem Balkon des Nationaltheaters stehen Lautsprecher, aus denen Aretha Franklin laut "Respect" fordert. Rund um das Theater stimmen 2000 Menschen mit Füßen ab. Sie wollen mehr Respekt vor Thüringens Kultur. Alte und Junge, Große und Kleine, Männer in Trainingsanzügen, Frauen in Theaterkostümen, Väter mit Kindern auf den Schultern - sie drehen Runde um Runde rings um das traditionsreiche Haus. "Wir laufen um unser Theater", steht groß auf einem Transparent. Startschuss war Fünf vor Zwölf.
"Na, weil es um unser Theater geht, das Weimarer Theater, das hier bleiben soll und auch in Obhand von Weimar bleiben soll. Weil es nichts bringt, zwei Theater zusammenzuschmeißen. Das sind zwei verschiedene Sachen."
Diese Weimarerin rennt mit - ohne große Theatergängerin zu sein. Aber eine Fusion mit dem Theater Erfurt, wie sie derzeit diskutiert wird, lehnt sie ab.
"Ich fahre ja auch nicht zum Einkaufen nach Erfurt. Ich möchte gerne da, wo ich wohne, auch mein Geld lassen, und möchte die Leute, die hier arbeiten, auch damit unterstützen."
Die Sportvereine hatten aufgerufen. Ehrensache, sagen sie. Die Staatskapelle hatte auch den Aufbau der Drei-Felder-Halle unterstützt mit einem Benefizkonzert, klar laufen sie nun gegen die Kürzungspläne des Kultusministers. Auch die Sportler in Sanitäter-Uniform gehören nicht zu den Kulturbürgern mit Theater-Abo.
"Ich mache Theater. Ich mache viel Theater. Nein, im Ernst: Ich gehe auch ab und zu rein. Doch. Tschüß, wir müssen!"
Im Laufschritt kommt, etwas verschwitzt, auch der Weimarer Stadtkulturdirektor Felix Leibrock um die Ecke. 18 Runden ist er schon gelaufen, da wird er grundsätzlich.
"Sport und Kultur müssen gemeinsam ins Grundgesetz. Das wäre auch so die Aussage vom heutigen Tage. Da gibt es auch Für- und Gegensprecher, auch aus der Kultur, die sagen: Der Sport hat da nichts zu suchen. Spätestens mit dem heutigen Tag ist es gesetzt. Also es gehört zusammen."
Denn Protest verbindet, thüringenweit. In Nordhausen haben die Ringer des Sportvereins für das Theater einen Benefizringkampf gemacht - mit Showeinlage des städtischen Ballettensembles. Die Nordhäuser Bühne ist ohne Landesförderung nicht überlebensfähig. Der Bachchor Eisenach sang zugunsten des Eisenacher Theaters, das mit den Kürzungen so gut wie bedeutungslos werden dürfte. Mit "Klassik meets Rock"-Konzerten macht die bisher kaum hörbare Philharmonie Gotha-Suhl von sich Reden - auch an ungewöhnlichen Orten - open air und im Festsaal eines Kali-Bergwerkes. Sie ist nach den Streichplänen tot, denn sie soll keinen Cent mehr bekommen. In zahllosen Diskussionsrunden wird die Zukunft der Thüringer Theater und Orchester hin- und hergewälzt - es ist das große Thema im Freistaat.
"Sport wird im ganzen Land betrieben. Das kann der Kultusminister vielleicht auch mal wieder machen, wenn er gesund ist."
In der Tat setzt der angesprochene Minister viel Kreativität frei. So witzig und populär, wie jetzt gerade, waren die Theater schon lange nicht - wenn überhaupt jemals. Mit einem Male öffnen sich die tariflich sonst gut gesicherten Bühnen und lassen die Puppen spielen. Ansatzweise zumindest. Und sie ernten viel Sympathie, ausverkaufte Häuser, großen Beifall.
So wird es wohl auch heute Abend sein, wenn Musiker aus 21 Orchestern - von Suhl bis zur Staatskapelle Berlin, Münchner Symphoniker und Kieler Philharmoniker spontan in Erfurt Beethovens Neunte schmettern werden. Eine neue Erfahrung für die Erfurter Künstler - sie kommen nämlich aus der Deckung.
"Die Leute haben begriffen, dass wir jetzt nach außen hin mal was machen müssen, dass wir zeigen müssen, dass ein Theater eben nicht nur aus einem Orchester besteht."
Der Erfurter Personalvorstand Holger Dietz organisiert den heutigen Event.
"Und das sind ja allein bei uns 170 Mitarbeiter hinter der Bühne, die also keiner sieht. Und die haben gesagt: Jetzt machen wir mit. Und jetzt machen wir alle mit."
Die Weimarer sind um ihr Theater gelaufen. 7000 Runden. In Erfurt erheben sich die Beschäftigten und trauen ihren Augen und Ohren kaum ob der bundesweiten Solidarität. Nordhausen, Gotha, Suhl, Eisenach, Rudolstadt - es ist etwas in Bewegung im Freistaat Thüringen. Und es geht um zehn Millionen Euro - Kürzungen in einem Bereich, den Thüringen am höchsten subventioniert im Vergleich zu den anderen bundesdeutschen Flächenländern. Es geht um den Erhalt einer einzigartigen kulturellen Landschaft.
Fortsetzung folgt. Es wird musiziert, es wird gespielt, Emotionen werden kreativ umgesetzt, es geht um Existentielles. Das ist Theater. Und Spaß macht es auch.
"Na, weil es um unser Theater geht, das Weimarer Theater, das hier bleiben soll und auch in Obhand von Weimar bleiben soll. Weil es nichts bringt, zwei Theater zusammenzuschmeißen. Das sind zwei verschiedene Sachen."
Diese Weimarerin rennt mit - ohne große Theatergängerin zu sein. Aber eine Fusion mit dem Theater Erfurt, wie sie derzeit diskutiert wird, lehnt sie ab.
"Ich fahre ja auch nicht zum Einkaufen nach Erfurt. Ich möchte gerne da, wo ich wohne, auch mein Geld lassen, und möchte die Leute, die hier arbeiten, auch damit unterstützen."
Die Sportvereine hatten aufgerufen. Ehrensache, sagen sie. Die Staatskapelle hatte auch den Aufbau der Drei-Felder-Halle unterstützt mit einem Benefizkonzert, klar laufen sie nun gegen die Kürzungspläne des Kultusministers. Auch die Sportler in Sanitäter-Uniform gehören nicht zu den Kulturbürgern mit Theater-Abo.
"Ich mache Theater. Ich mache viel Theater. Nein, im Ernst: Ich gehe auch ab und zu rein. Doch. Tschüß, wir müssen!"
Im Laufschritt kommt, etwas verschwitzt, auch der Weimarer Stadtkulturdirektor Felix Leibrock um die Ecke. 18 Runden ist er schon gelaufen, da wird er grundsätzlich.
"Sport und Kultur müssen gemeinsam ins Grundgesetz. Das wäre auch so die Aussage vom heutigen Tage. Da gibt es auch Für- und Gegensprecher, auch aus der Kultur, die sagen: Der Sport hat da nichts zu suchen. Spätestens mit dem heutigen Tag ist es gesetzt. Also es gehört zusammen."
Denn Protest verbindet, thüringenweit. In Nordhausen haben die Ringer des Sportvereins für das Theater einen Benefizringkampf gemacht - mit Showeinlage des städtischen Ballettensembles. Die Nordhäuser Bühne ist ohne Landesförderung nicht überlebensfähig. Der Bachchor Eisenach sang zugunsten des Eisenacher Theaters, das mit den Kürzungen so gut wie bedeutungslos werden dürfte. Mit "Klassik meets Rock"-Konzerten macht die bisher kaum hörbare Philharmonie Gotha-Suhl von sich Reden - auch an ungewöhnlichen Orten - open air und im Festsaal eines Kali-Bergwerkes. Sie ist nach den Streichplänen tot, denn sie soll keinen Cent mehr bekommen. In zahllosen Diskussionsrunden wird die Zukunft der Thüringer Theater und Orchester hin- und hergewälzt - es ist das große Thema im Freistaat.
"Sport wird im ganzen Land betrieben. Das kann der Kultusminister vielleicht auch mal wieder machen, wenn er gesund ist."
In der Tat setzt der angesprochene Minister viel Kreativität frei. So witzig und populär, wie jetzt gerade, waren die Theater schon lange nicht - wenn überhaupt jemals. Mit einem Male öffnen sich die tariflich sonst gut gesicherten Bühnen und lassen die Puppen spielen. Ansatzweise zumindest. Und sie ernten viel Sympathie, ausverkaufte Häuser, großen Beifall.
So wird es wohl auch heute Abend sein, wenn Musiker aus 21 Orchestern - von Suhl bis zur Staatskapelle Berlin, Münchner Symphoniker und Kieler Philharmoniker spontan in Erfurt Beethovens Neunte schmettern werden. Eine neue Erfahrung für die Erfurter Künstler - sie kommen nämlich aus der Deckung.
"Die Leute haben begriffen, dass wir jetzt nach außen hin mal was machen müssen, dass wir zeigen müssen, dass ein Theater eben nicht nur aus einem Orchester besteht."
Der Erfurter Personalvorstand Holger Dietz organisiert den heutigen Event.
"Und das sind ja allein bei uns 170 Mitarbeiter hinter der Bühne, die also keiner sieht. Und die haben gesagt: Jetzt machen wir mit. Und jetzt machen wir alle mit."
Die Weimarer sind um ihr Theater gelaufen. 7000 Runden. In Erfurt erheben sich die Beschäftigten und trauen ihren Augen und Ohren kaum ob der bundesweiten Solidarität. Nordhausen, Gotha, Suhl, Eisenach, Rudolstadt - es ist etwas in Bewegung im Freistaat Thüringen. Und es geht um zehn Millionen Euro - Kürzungen in einem Bereich, den Thüringen am höchsten subventioniert im Vergleich zu den anderen bundesdeutschen Flächenländern. Es geht um den Erhalt einer einzigartigen kulturellen Landschaft.
Fortsetzung folgt. Es wird musiziert, es wird gespielt, Emotionen werden kreativ umgesetzt, es geht um Existentielles. Das ist Theater. Und Spaß macht es auch.
