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Fazit / Archiv | Beitrag vom 07.10.2017

Kampf um die Kultur in PolenKulturmanagerin fürchtet eine "ökonomische Zensur"

Katarzyna Wielga im Gespräch mit Eckhard Roelcke

Am Berliner Gorki-Theater wurde Oliver Frljics Skandalstück "Der Fluch" aufgeführt. Bei Vorstellungen in Polen kam es zu tumultartigen Zuständen. (Magda Hueckel/HUECKEL-STUDIO)
Die Kulturmanagerin Katarzyna Wielga (Archivfoto) (Magda Hueckel/HUECKEL-STUDIO)

In Polen konnte eine polnisch-deutsche Theaterproduktion nicht gezeigt werden, weil dem Festival staatliche Fördergelder gestrichen wurden. "Man versucht, mit dem Entzug von Geld die Kultur zu zensieren oder zu beeinflussen", sagt die Kulturmanagerin Katarzyna Wielga.

In Polen kann man beobachten, wie schnell es einer Partei gelingen kann, das kulturelle Klima in einem Land zu ändern. Die national-konservative PiS-Regierung hat eine kulturpolitische Agenda, die sie Stück für Stück in konkrete Politik umsetzt.

Staatliche Förderung gestrichen

Konkrete Beispiele sind in der Theaterszene zu sehen: die polnisch-deutsche Theaterproduktion "Hymne an die Liebe" von Marta Gornicka kann beim Dialog-Theaterfestival im Wroclaw nicht gezeigt werden. Die staatliche Förderung für das Festival wurde gestrichen, weil der Festivalmacher auch eine Produktion des kroatischen Regisseurs Oliver Frljic eingeladen hatte. Sein kirchenkritisches Stück "Der Fluch" hat in Polen einen regelrechten Kulturkampf entfacht.

Porträtfoto von Katarzyna Wielga im Jahr 2009 (picture alliance / Grzegorz Jakubowski)Katarzyna Wielga (picture alliance / Grzegorz Jakubowski)

Am Abend wurde im Berliner Maxim-Gorki-Theater Gornickas "Hymne an die Liebe" aufgeführt. Davor wurde über "Polen und den Kampf um die Theater" diskutiert. Mit dabei war auch Katarzyna Wielga. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Bundeszentrale für politische Bildung und war bis vergangenen Dezember Leiterin des polnischen Kulturinstituts.

Wielga kritisiert die Politik des polnischen Kulturministers Piotr Glinski und spricht von "einer Art ökonomischer Zensur". "Wenn man öffentliche Gelder streicht, bedeutet dies, dass Kulturinstitution nicht weiter arbeiten können." Europaweit sei ein Muster zu erkennen: "Man versucht, mit dem Entzug von Geld die Kultur zu zensieren oder zu beeinflussen."

(bth)

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