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Interview | Beitrag vom 24.05.2019

Kampf gegen Fake-Shops im InternetWenn der Postmann niemals klingelt

Jonathan Maier im Gespräch mit Nicole Dittmer

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Ein Zur-Kasse-Button in einem Fake Shop. Die Kunden bezahlen im Voraus - und erhalten nie die Ware. (picture alliance/dpa/blickwinkel)
Fake-Shops bitten meist direkt zur (Voraus-)Kasse - da könnte man schon misstrauisch werden (picture alliance/dpa/blickwinkel)

Man bezahlt die Ware per Vorauskasse - und bekommt den gekauften Artikel niemals zu Gesicht. Vier Millionen Bundesbürger sollen bereits Opfer von Fake-Shops geworden sein. Die Politik will jetzt handeln. Gut so, sagt Verbraucherschützer Jonathan Maier.

Wer vorzugsweise online einkauft, sollte genau hinschauen, wo er das tut. Ansonsten kommen die schicken roten Schuhe oder der so günstige Markenanzug vielleicht nie an – dafür ist das in Vorkasse bezahlte Geld weg.

Regelmäßig sind Verbraucher in sogenannten Fake-Shops unterwegs, ohne zu erkennen, dass man dort zwar sein Geld loswerden kann, dafür aber nichts bekommt. Es gibt Schätzungen, wonach in Deutschland bereits vier Millionen Verbraucherinnen und Verbraucher durch solche Shops geschädigt worden sein sollen.

Die Verbraucherschutzminister wollen das nun ändern und unter anderem festlegen, dass eine Anmeldung von Internetseiten mit einer ".de"-Domain künftig nur mit einer Identitätsprüfung möglich ist.

Verräterisch: Extreme Tiefpreise für Markenprodukte

Jonathan Maier, Datenschutzexperte beim Verbraucherzentrale Bundesverband, begrüßt es, dass die Politik handeln will. Denn es sei heute immer schwieriger für die Internetnutzer, Fake-Shops selbst zu erkennen. Während deren Websites früher durch Rechtschreib- und Ausdrucksfehler, durch Fehlen von AGBs oder eines Impressums aufgefallen seien, müsse man heute schon sehr genau hinschauen, meint Maier.

Er zählt die wichtigsten Merkmale auf: Als Zahlungsmethode bleibe dem Käufer am Ende des Kaufvorgangs plötzlich nur noch die Option "Sofortzahlung", obwohl er ursprünglich auch Kreditkarten- oder PayPal-Zahlung wählen konnte. Außerdem passe die Domain oft nicht zum Inhalt der Seite. Auch darauf sollte geachtet werden, rät Maier. Als Drittes sollte man auf gefälschte Gütesiegel achten. Ebenso verräterisch seien sehr niedrige Preise für Markenprodukte, die deutlich unter den Preisen in seriösen Online-Shops lägen.

Maier ist jedoch skeptisch, ob die von den Ministern geplante Identitätsprüfung das richtige Mittel sei: "Man muss beachten, dass derzeit über 16 Millionen Domains in Deutschland mit der '.de'-Endung vergeben sind. Und eine Identitätsprüfung liefe im Endeffekt auch darauf hinaus, dass die Daten von Millionen von Domaininhabern erhoben und gespeichert werden."

Vorschlag: Feste Anlaufstelle für Beschwerden

Deutlich besser findet Maier den Vorschlag, eine feste Anlaufstelle innerhalb der Ermittlungs- und Strafverfolgungsbehörden einzurichten. Hier könnten Informationen und Beschwerden über Fake-Shops aus ganz Deutschland gebündelt werden. Wichtig sei es, möglichst schnell zu handeln – "denn ebenso schnell wie Fake-Shops auftauchen, sind sie auch wieder verschwunden".

Eine gute Maßnahme sei es auch, entlarvte Fake-Shops so schnell wie möglich vom Netz zu nehmen. "Ideal wäre es, wenn zu diesem Zweck Hosting-Provider in der Breite mit Verbraucherschutzorganisationen, aber auch mit den Behörden kooperieren würden."

(mkn)

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