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Fazit / Archiv | Beitrag vom 10.03.2011

"Käthchen" ohne Happy End

Dusan David Parisek inszeniert Kleists "Käthchen von Heilbronn" am Zürcher Schauspielhaus

Von Roger Cahn

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Roter Vorhang in einem Theater (Stock.XCHNG / Nihan Aydin)
Roter Vorhang in einem Theater (Stock.XCHNG / Nihan Aydin)

Das große historische Ritterschauspiel – so der Untertitel des Stücks – gilt als kaum inszenierbar. Die Mischung aus Volkstheater, Märchenspiel und Drama ruft nach einem eigenwilligen Regie-Ansatz. Der Tscheche Dusan Parisek erfüllt diesen Auftrag zumindest teilweise überzeugend.

Das Personal wird drastisch auf acht Personen reduziert, der Schauplatz ist ein Einheitsbühnenbild mit viel Freiraum für Fantasie und Gefühle, der Fokus ist auf das Dreieck bürgerlicher Vater – geheimnisumwitterte Tochter – Muttersöhnchen Graf gerichtet. Die übrigen Figuren kommen kaum über den Status der "Zudienenden" hinaus. Dafür inszeniert Parisek Wesentliches aus der Biografie des Dichters in seine Interpretation des Stoffes: das Hin-und-Hergerissensein zwischen Traum und Wirklichkeit, das ewige Scheitern und schließlich – als Höhepunkt der Inszenierung – den Selbstmord der beiden Liebenden. Das sind Momente großen Theaters.

Auch der Anfang ist überraschend: Das beleuchtete Parkett wird zum Gerichtssaal. Der einfache Waffenschmied und der elegant gekleidete Graf fechten eloquent um das arg verstört wirkende Mädchen – die Gunst des aufmerksamen Zuhörers neigt sich mehr und mehr auf die Seite des anklagenden Vaters. Das mag auch an der hohen Qualität von Schauspieler Manfred Zapatka liegen. Und dann beginnt die tragische Geschichte um die Titelfigur. Lilith Stangenberg spielt sie als hingebungsvolles, zartes Wesen (von einem anderen Planeten?), das mit wenig Worten, leuchtenden Augen und schmachtendem "In-Ohnmacht-Fallen" ihre Figur dem Publikum einprägt: eine schauspielerische Höchstleistung. Dem hat Frank Seppeler als Graf zu wenig Substanz entgegen zu setzen.

Dazwischen liegen zwei Stunden mit ständigen Ups und Downs. Der Plot plätschert gestenreich dahin, das Volkstheater grüsst mit Maskerade und Slapstick, ein schwäbelnder Rheingraf (Gabor Biedermann) gibt in der Unterhose Befehle via Handy an seine Truppen weiter, die Feuerprobe im brennenden Schloss kommt mit einem stimmigen Song (Musik Roman Zach) daher. Selbst die mit einem Mann (Patrick Güldenberg) besetzte Kunigunde kommt nicht über den Status "origineller Denkansatz" hinaus. Viel Unterhaltung – wenig Gehalt.

Fazit: Keine schlüssige Interpretation, kein Wurf eines großen Regisseurs, aber viele spannende Ansätze – und ein zu Herzen gehendes Käthchen.

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