Kämpfen und Verstecken
Schwule und Lesben leben gefährlich in Russland. Bei der Gay Pride 2006 in Moskau werden die Demonstranten von Sicherheitskräften, militanten orthodoxen Christen und Neonazis attackiert. Filmemacher Jochen Hicks zeigt in seiner Dokumentation "East West - Sex & Politics" Bilder der Attacken, porträtiert aber auch die Kämpfer für mehr Gleichberechtigung und die schwule Subkultur der russischen Hauptstadt.
"Moskau ist nicht Sodom" skandieren aufgebrachte Passanten im Zentrum der russischen Metropole. Der Aufruhr richtet sich gegen Homosexuelle, die es hier im Mai 2006 - trotz Demonstrationsverbots - wagen, öffentlich für ihre Rechte einzutreten. Unter ihnen auch Volker Beck, Bundestagsabgeordneter der Grünen ...
"Es ist beängstigend, wie hier die offene Gewalt ... Sie sehen das hier gerade ... - Die Sicherheitskräfte sind nicht präsent ... " (geht im Tumult unter)
Kurz darauf wird Beck - mit einer Platzwunde am Kopf - von der Moskauer Polizei festgenommen. Regisseur Jochen Hick ist mit seiner Kamera dabei und zeigt die Szene jetzt in seinem Film "East West - Sex & Politics", einer Dokumentation über die schwul-lesbische Szene in der Hauptstadt Russlands.
Offiziell ist Homosexualität in Russland seit 1993 legalisiert. Der Alltag sieht allerdings anders aus. Auch die geplante Gay-Pride-Demonstration wurde 2006 kurzerhand verboten. Als die Homosexuellen trotzdem durch die Stadt zogen, wurden sie von Sicherheitskräften, militanten orthodoxen Christen und Neonazis attackiert. Nikolai Alekseev, der den Gay Pride in Moskau organisiert, gibt dennoch nicht auf.
Die Tatsache, dass hier so viele Menschen gegen die Homophobie protestieren, sagt er, sei fantastisch.
Jochen Hick, Autor, Kameramann, Produzent und Regisseur in einer Person und bekannt für seine Dokumentationen aus dem schwulen Alltag, stellt in seinem neuen Film ein rundes Dutzend Schwule und Lesben vor, die in Moskau leben und ganz unterschiedlich mit ihrer Homosexualität umgehen. Nicht alle sind - wie Nikolai Alekseev - bereit, für ihre Rechte auf die Straße zu gehen. Ed Mishin zum Beispiel. Er gründete in den 90er Jahren ein schwules Internet-Portal, inzwischen die meist besuchte russische Gay-Site. Seit 2003 ist er zudem Herausgeber des schwulen Hochglanzjournals KWIR.
Kaum jemand unterstützt die Gay Pride, weil sie unser Leben härter macht, erklärt er. Wir sehen darin keinen Vorteil. Und auf Alekseev angesprochen, fügt er hinzu: Dass diese Aktionen die Homophobie verringern, das sehen wir nicht.
Der Film von Jochen Hick zeigt, dass in Russland ein tiefes Bedürfnis besteht, in der Mitte der Gesellschaft zu sein. Vielen Schwulen und Lesben ist es unangenehm, dass die Gay-Pride-Demonstrationen 2006 und 2007 in Moskau ein so großes internationales Presseecho gefunden haben. Sie befürchten, dass sich die schwulenfeindlichen Gruppen dadurch noch mehr provoziert fühlen. Gleichzeitig aber nimmt man staunend zur Kenntnis, dass Berlin beispielsweise einen schwulen Bürgermeister hat...
Doch die homosexuelle Szene in Moskau ist extrem zerstritten. Viele der Wohlhabenderen haben es sich zudem einigermaßen bequem in ihren Nischen einrichten können.
Russland ist Business, sagt Dimitrii Bobrov, ein gefragter DJ der Moskauer Club-Szene. Wir machen Geld auf verschiedenen Ebenen. Und kein Schwein kümmert es, ob du hetero, schwul oder lesbisch bist. Solange du deine eigene Öl-Pipeline hast.
Jochen Hick blickt in seinem Film "East West - Sex & Politics" hinter die Kulissen des glanzvollen Moskaus, schaut in die Hinterzimmer der Subkultur, porträtiert einfühlsam Organisatoren, Befürworter und Gegner der politischen Lesben- und Schwulenbewegung. Zwischendurch zeigt er westeuropäische Sympathisanten in London, Brüssel und Genf, die die Entwicklung mit banger Hoffnung begleiten.
Die Perspektiven sind jedoch alles andere als optimistisch. Auf Druck der religiösen Rechten werden beliebte Treffpunkte in den Moskauer Parks von den Behörden abgeriegelt. Alexej Mitrofanow, der einzige Politiker, der sich für das Versammlungsrecht von Lesben und Schwulen ausgesprochen hatte, verpasste bei den Duma-Wahlen im Dezember 2007 nach 14 Jahren erstmals den Wiedereinzug ins Parlament.
Juri Lushkov, als Bürgermeister von Moskau wiedergewählt, versprach, auch zukünftig dem "satanistischen Treiben" der homosexuellen Aktivisten Einhalt zu gebieten.
"Es ist beängstigend, wie hier die offene Gewalt ... Sie sehen das hier gerade ... - Die Sicherheitskräfte sind nicht präsent ... " (geht im Tumult unter)
Kurz darauf wird Beck - mit einer Platzwunde am Kopf - von der Moskauer Polizei festgenommen. Regisseur Jochen Hick ist mit seiner Kamera dabei und zeigt die Szene jetzt in seinem Film "East West - Sex & Politics", einer Dokumentation über die schwul-lesbische Szene in der Hauptstadt Russlands.
Offiziell ist Homosexualität in Russland seit 1993 legalisiert. Der Alltag sieht allerdings anders aus. Auch die geplante Gay-Pride-Demonstration wurde 2006 kurzerhand verboten. Als die Homosexuellen trotzdem durch die Stadt zogen, wurden sie von Sicherheitskräften, militanten orthodoxen Christen und Neonazis attackiert. Nikolai Alekseev, der den Gay Pride in Moskau organisiert, gibt dennoch nicht auf.
Die Tatsache, dass hier so viele Menschen gegen die Homophobie protestieren, sagt er, sei fantastisch.
Jochen Hick, Autor, Kameramann, Produzent und Regisseur in einer Person und bekannt für seine Dokumentationen aus dem schwulen Alltag, stellt in seinem neuen Film ein rundes Dutzend Schwule und Lesben vor, die in Moskau leben und ganz unterschiedlich mit ihrer Homosexualität umgehen. Nicht alle sind - wie Nikolai Alekseev - bereit, für ihre Rechte auf die Straße zu gehen. Ed Mishin zum Beispiel. Er gründete in den 90er Jahren ein schwules Internet-Portal, inzwischen die meist besuchte russische Gay-Site. Seit 2003 ist er zudem Herausgeber des schwulen Hochglanzjournals KWIR.
Kaum jemand unterstützt die Gay Pride, weil sie unser Leben härter macht, erklärt er. Wir sehen darin keinen Vorteil. Und auf Alekseev angesprochen, fügt er hinzu: Dass diese Aktionen die Homophobie verringern, das sehen wir nicht.
Der Film von Jochen Hick zeigt, dass in Russland ein tiefes Bedürfnis besteht, in der Mitte der Gesellschaft zu sein. Vielen Schwulen und Lesben ist es unangenehm, dass die Gay-Pride-Demonstrationen 2006 und 2007 in Moskau ein so großes internationales Presseecho gefunden haben. Sie befürchten, dass sich die schwulenfeindlichen Gruppen dadurch noch mehr provoziert fühlen. Gleichzeitig aber nimmt man staunend zur Kenntnis, dass Berlin beispielsweise einen schwulen Bürgermeister hat...
Doch die homosexuelle Szene in Moskau ist extrem zerstritten. Viele der Wohlhabenderen haben es sich zudem einigermaßen bequem in ihren Nischen einrichten können.
Russland ist Business, sagt Dimitrii Bobrov, ein gefragter DJ der Moskauer Club-Szene. Wir machen Geld auf verschiedenen Ebenen. Und kein Schwein kümmert es, ob du hetero, schwul oder lesbisch bist. Solange du deine eigene Öl-Pipeline hast.
Jochen Hick blickt in seinem Film "East West - Sex & Politics" hinter die Kulissen des glanzvollen Moskaus, schaut in die Hinterzimmer der Subkultur, porträtiert einfühlsam Organisatoren, Befürworter und Gegner der politischen Lesben- und Schwulenbewegung. Zwischendurch zeigt er westeuropäische Sympathisanten in London, Brüssel und Genf, die die Entwicklung mit banger Hoffnung begleiten.
Die Perspektiven sind jedoch alles andere als optimistisch. Auf Druck der religiösen Rechten werden beliebte Treffpunkte in den Moskauer Parks von den Behörden abgeriegelt. Alexej Mitrofanow, der einzige Politiker, der sich für das Versammlungsrecht von Lesben und Schwulen ausgesprochen hatte, verpasste bei den Duma-Wahlen im Dezember 2007 nach 14 Jahren erstmals den Wiedereinzug ins Parlament.
Juri Lushkov, als Bürgermeister von Moskau wiedergewählt, versprach, auch zukünftig dem "satanistischen Treiben" der homosexuellen Aktivisten Einhalt zu gebieten.
