Kabarettist Ursus Wehrli

"Ich habe Paul Klee statistisch geordnet"

33:44 Minuten
Ursus Wehrli steht auf einer Weise in den Bergen. Er ist umgeben von Schafen. In der Hand hält er ein Klemmbrett.
Spezialist für das Aufräumen: Erstaunlich, dass Ursus Wehrli noch keine Ordnung auf der Weide geschaffen hat. © Céline Hafner
Moderation: Susanne Führer · 10.11.2021
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Künstler, Komiker, Kabarettist – all das ist der Schweizer Ursus Wehrli. Sein Buch "Kunst aufräumen" wurde ein Bestseller. Nun, im neuen Buch, räumt Wehrli mal eben die Welt auf. Auch Gedichte hat er schon auseinander genommen und neu strukturiert.
Aufräumen: Das macht man, häufig ungern, klassischerweise in der Küche, im Kinderzimmer oder, viel zu selten, im Keller. Ursus Wehrli schafft hingegen am liebsten dort Ordnung, wo "man nicht aufräumen sollte". Und "nicht dort, wo man müsste".
Also begann der Schweizer vor Jahren, weniger profane Dinge zu sortieren. Sein Buch dazu hieß "Kunst aufräumen". Es wurde ein weltweiter Erfolg.

Paul Klee nach Farben sortiert

Aus Paul Klees "Farbtafel", ein Bild mit verschiedenfarbigen Quadraten, machte Wehrli lauter Stapel, natürlich nach Farben sortiert.
"Ich habe quasi Paul Klee statistisch geordnet. Man weiß jetzt genau, wieviel Blau und wieviel Rot da ist. Und das ist für alle Kunsthistoriker interessant zu wissen. Wann war mehr Orange, wann war mehr Hellblau bei Paul Klee?"
Wehrli, das kann an dieser Stelle weiterhelfen, ist zwar gelernter Typograph, wurde aber vor allem als Künstler, Clown und Kabarettist bekannt. Er könne mit allen Bezeichnungen gut leben, sagt der 52-Jährige: "Da muss ich selber keine Schublade dafür aufmachen, was ich tue."
Nach der Neuordnung der Kunst setzte sich Wehrli ein neues Ziel. Ganz bescheiden heißt sein neues Buch: "Welt aufräumen". Ein Fotoband: Links sieht man die Situation bevor, rechts nachdem der Kabarettist für Ordnung gesorgt hat. Links eine herbstliche Wiese, voller bunter Blätter, rechts alles nach Farben sortiert, schnurgerade und in Rechtecken.

Auch Gedichte kann man aufräumen

Aber auch Gedichte kann man aufräumen, findet Wehrli. Alphabetisch geordnet beginnt Goethes "Heidenröslein" bei ihm mit dem Wort "ach" und endet mit dem Wörtchen "zu". Zwischendurch sagt er 18 Mal "Röslein", hintereinander wohlgemerkt. Was mag er also mehr, das Original oder seine Variante?
"Erstaunlicherweise liebt man durch die aufgeräumte Version das Original vielleicht umso mehr", so Wehrli. Und fügt mit freundlichem Ton, hinter dem sich gern eine Prise Ironie verbirgt, hinzu: "Die aufgeräumte Version ist quasi mehr Dadaismus."
Wenn Ursus Wehrli nicht gerade irgendetwas sortiert und ordnet, ist er Teil des Komikerduos "Urusus & Nadeschkin". Seit über 30 Jahren tourt er zusammen mit Nadja Sieger von Basel bis New York.
Beide lernten sich in Wiesbaden kennen, bei einem Zirkuskurs. Der, so erinnert sich Wehrli, "war so grottenschlecht und langweilig", dass Wehrli und Sieger beschlossen, den Kurs zu schwänzen und auf der Straße ein eigenes Programm mit Einradfahren, Breakdance und Jongliereinlagen zu entwickeln.

"Ich empfehle Straßentheater"

"Straßentheater, das empfehle ich wirklich vielen Bühnenmenschen, denn die Straße ist so ehrlich. Wir haben natürlich auch Sachen gemacht und gemerkt, jetzt scheint es uninteressant zu werden, weil die Hälfte der Leute geht. Und dann merkt man sehr schnell, dass man etwas ändern muss."
Eigentlich wollten Ursus Wehrli und Nadja Sieger schon nach drei Monaten die Zusammenarbeit beenden. Das liegt nun schon 34 Jahre zurück. Das Duo ist erfolgreich, wurde mehrfach ausgezeichnet:
"Wir wollen eigentlich immer so arbeiten, dass es morgen zu Ende sein könnte", sagt Wehrli. "Wir wollen das immer wieder aufs Spiel setzen. Die Sicherheit haben wir nie gesucht."
Sicherheit ist das Stichwort für ein Projekt, das Wehrli unbedingt noch verwirklichen möchte. "Die Alpen würde ich gern mal nach Größe sortieren. Aber die Bundesverwaltung der Schweiz, die wollen die Garantie, dass ich die auch wieder zurückstelle."
(ful)
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