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Dienstag, 20.11.2018
 
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Im Gespräch | Beitrag vom 08.11.2018

Kabarettist und Liedermacher Georg RingsgwandlEin Anarchist mit Disziplin

Moderation: Susanne Führer

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Ringsgwandl steht in Jeansjacke auf einer Bühne und spielt Gitarre. (imago stock&people)
Der bayerische Liedermacher Georg Ringsgwandl beim Rudolstadt-Festival 2017 (imago stock&people)

"Irrsinn und eine mehrfach gespaltene Persönlichkeit sind von Vorteil", wenn man auf die Bühne will, sagt Georg Ringsgwandl. Mit 45 schmiss er seine Arztkarriere hin, um fortan nur noch auf der Bühne zu stehen. Jetzt begeht er seinen 70. Geburtstag.

"Auf die Bühne muss ich gehen, weil ich wahnsinnig bin. Und schreiben muss ich, damit ich auf der Bühne was zu erzählen hab‘ und vorzusingen hab‘", sagt Georg Ringsgwandl. Aber still am Schreibtisch zu sitzen und zu schreiben – das sei "sehr schwer".

"Eine unheimlich bunte und freie Welt"

Schon als Kind hat der Kabarettist und Liedermacher Musik gemacht, Zither spielen gelernt, dann Posaune, später noch Gitarre, denn seine Eltern – arm und wenig gebildet – wussten, "dass es höhere Genüsse gibt als Geld". Dass er damit eine große Ausnahme war, ahnte er als Kind nicht.

Georg Ringsgwandl wurde 1948 in Bad Reichenhall geboren, Vater Postbote, Mutter Verkäuferin. Seine Kindheit war eine "durchwachsene Zeit: Wenig Geld, wir sind regelmäßig vertrimmt und laut geschimpft worden und die Pädagogik war sehr rau. Auf der anderen Seite war es nicht nur ein Jammertal. Es hat zwar regelmäßig Schläge gehagelt, aber es war auch eine unheimlich bunte und freie und unregulierte Welt." Von dem Reichtum an Eindrücken würde er heute noch zehren.

Der Traum, von den Frauen geliebt zu werden

Seine Eltern waren es auch, die ihn zum Abitur trieben. Medizin wollte er zunächst studieren, weil er sich davon ein höheres gesellschaftliches Ansehen versprach. Und später dachte er: "Ich möchte einen Beruf machen, wo man mit Menschen zu tun hat, der akademisch interessant ist, wo man handwerkliche Fähigkeiten braucht." Außerdem, erzählt Ringsgwandl, träumte er davon, von den Frauen geliebt zu werden. Wie ernst er das meint, bleibt – wie so manches in diesem Gespräch – allerdings offen. 

"Das Studium habe ich gehasst, weil es eine unglaubliche Schufterei ist. Aber ab dem ersten Tag, an dem ich im Krankenhaus war, habe ich es geliebt. Die ersten Jahre musste mich der Stationsarzt um zehn Uhr abends nach Hause schicken."

Mit 45 hing er die Arztkarriere an den Nagel

Aber die Liebe zur Musik und zur Bühne war ja auch noch da. Einige Jahre war Ringsgwandl beides: Oberarzt für Kardiologie in der Klinik, Liedermacher für Kabarett auf der Bühne. Mit 45 – er hatte drei kleine Kinder - hängte er den Arztkittel und 200.000 DM sicheres Jahreseinkommen an den Nagel – nach langen Beratungen mit sich selbst und seiner Ehefrau.

Georg Ringsgwandl in knallig-roter Kostümierung bei einem Konzert. (imago stock&people)Vorliebe für schrille Outfits: der bayerische Musiker Georg Ringsgwandl. (imago stock&people)

"Das Leben ist begrenzt. Bestimmte Sachen muss man JETZT machen. Und ich dachte mir: Jetzt noch 20 Jahre Klinik – oder lieber Musik und Bühne. Hm? Und da war das eine klare Entscheidung."

"Menschlichkeit heißt Unvollkommenheit"

Georg Ringswandl tritt gern in schrillen Outfits auf – wobei er sich gegen die Zuschreibung "schrill" wehrt, das sei schließlich alles relativ. Er ist frech, direkt, nicht pc und verspottet gern die ganz besonders Ordentlichen, wie zum Beispiel in seinem Hit "Gartennazi".

"Natürlich braucht es Disziplin, gerade wenn man Mediziner ist. Der Patient lebt davon, dass der Arzt diszipliniert und gut arbeitet. Aber: Man muss wissen, dass das eine Notwendigkeit ist für bestimmte Bereiche im Leben. Große Bereiche vom Leben sind nicht so zu regulieren. Menschlichkeit heißt Unvollkommenheit. Und ganz viel Anarchie."

Weltoffene Fans finden sich überall

Im Januar 2019 kommt seine neue CD heraus, kurz nach seinem 70. Geburtstag am 15. November. Natürlich wieder auf bayerisch: Denn er wenn er versucht, hochdeutsch zu singen, klinge das affektiert. Aber beschränkt das seine Fangemeinde nicht von vornherein?

"Nicht unbedingt. In weltoffenen Hafenstädten – zum Beispiel Bremen, Hamburg oder Düsseldorf oder auch Würzburg – gibt es ja eine aufgeschlossene Bevölkerung, die sich fremdsprachige Sachen anhört. Davon haben die Beatles schon profitiert."

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