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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 05.09.2017

Kabarettist Horst Evers"Ich kann akzentfrei Kopfschütteln"

Moderation: Susanne Führer

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Der Autor und Kabarettist Horst Evers (imago / VIADATA)
Der Autor und Kabarettist Horst Evers (imago / VIADATA)

Bauernsohn, Taxifahrer, Nachhilfelehrer und Studienabrecher. Horst Evers war schon vieles. Vor allem ist er Spezialist fürs Absurde. Um sich inspirieren zu lassen, geht er schonmal in den Supermarkt.

Wenn Horst Evers auf der Bühne steht, dann lacht das Publikum nicht über die anderen da draußen, sondern über Horst Evers - und er lacht mit. Sobald seine Show angefangen hat sei er ganz in seinem Element und das sei dann der schönste Teil seiner Arbeit.

"Das Präsentieren ist natürlich der mit Abstand schönste und angenehmste Teil von dem ganzen Beruf, und das macht in der Tat großen Spaß. Also das mache ich sehr gerne, wobei ich auch sehr aufgeregt bin, also wenn Du mich zehn Minuten vor dem Auftritt fragst, es gibt eine Unwetterwarnung und wir müssen das Ganze absagen, würde ich wahrscheinlich immer sagen ja, sehr gerne! Und lass uns zusammen weggehen und einfach was trinken oder so. Aber in dem Moment, wo es losgeht und wahrscheinlich ist es auch da, dass ich mich immer freue, weil ich so Angst habe und Gott-o-Gott, wie wird das alles! Und dann geht es los und ich merke, nee, es wird irgendwie wieder schön heute Abend."

Horst Evers ist mittlerweile zwar äußerst erfolgreich, seine Geschichten aber drehen sich nach wie vor um einen unsicheren, phlegmatischen Mann aus der Provinz, der immer wieder in absurde Situationen gerät. Sei es beim Bäcker, wo man für morgen Brot von gestern vorbestellt oder beim Arzt, der eine Schleimbeutel-Entzündung diagnostiziert, obwohl Schultermumps doch viel schöner klingt.

Blick für das Absurde im alltäglichen Leben

Horst Evers hat den Blick für das Absurde im alltäglichen Leben und Scheitern - und schöpft dabei aus seinen Erfahrungen als Taxifahrer und Postzusteller. Seine meist angewandte Taktik, um auf Ideen für seine Programme zu kommen, sei die des Abwartens:

"Warten und gucken und irgendwann passiert dann was. Manchmal passiert aber nichts. Das ist dann richtig blöd. Aber es gibt natürlich mehrere Techniken, die funktionieren. Was ich immer auch gerne gemacht habe, war dass ich mir einfach zwei völlig absurde Situationen oder ungewöhnliche Situationen genommen habe und dann gesagt habe, "Du musst jetzt versuchen irgendwie logisch vom Punkt a nach Punkt b zu kommen" . Meistens habe ich dann Punkt a und Punkt b, die beiden Situationen, die ich mir genommen habe, hinterher gestrichen und nur den Weg dahin. Das war dann die Geschichte."

Seine Liebe zu Geschichten geht auf seine Kindheit auf einem Bauernhof zurück. Er habe das Glück gehabt, dass seine Eltern Bildung sehr wichtig war. Auf die Weise habe er sich erfolgreich vor der Arbeit drücken können, indem er vorgab Hausaufgaben zu machen oder zu lesen.

"Das hat dazu geführt, dass ich bis heute sehr großen Spaß daran habe, mich mit Büchern, mit Geschichte, mit allem Möglichen, einfach mit rumsitzen und rumfantasieren zu beschäftigen. Im Prinzip war das reine Faulheit, weil ich mich vor der Arbeit auf dem Hof drücken wollte aber ich habe mich dann irgendwann so daran gewöhnt und hatte so einen Spaß daran, dass ich das bis heute eigentlich gerne mache und beispielsweise viel lieber als Kartoffeln aus dem Acker zu holen."

Gerade wurde sein erster Roman verfilmt: "Der König von Berlin". Es hat eine Weile gedauert, bis der Studienabbrecher aus Niedersachsen erst zum Berliner Lesebühnenkönig und dann zum mit Preisen überhäuften Kabarett-Star wurde - vielleicht ist das ja das Geheimnis hinter Evers' Bescheidenheit und Freundlichkeit.

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