Seit 20:03 Uhr Konzert

Donnerstag, 01.10.2020
 
Seit 20:03 Uhr Konzert

Kompressor | Beitrag vom 10.08.2020

Kabarettist Florian Schroeder bei CoronademoIrritation von außerhalb der Filterbubble

Moderation: Gesa Ufer

Beitrag hören Podcast abonnieren
Kabarettist Florian Schroeder auf der Bühne der Berliner Arena in Treptow. (imago images / POP-EYE / Ben Kriemann)
Gegensätzliche Auffassungen aushalten: Florian Schroeder machte bei einer Demonstration gegen Coronaschutzmaßnahmen die Probe auf die Meinungsfreiheit. (imago images / POP-EYE / Ben Kriemann)

Erst Applaus, dann Pfiffe: Der Kabarettist Florian Schroeder erntete Buhrufe, als er sich auf einer Coronademo in Stuttgart für das Tragen von Schutzmasken aussprach. Eingeladen wurde er, weil die Veranstalter eine Parodie von ihm missverstanden.

"Mein Name ist Schroeder, ich komme aus dem Mainstream", mit diesen Worten eröffnete der Kabarettist Florian Schroeder seine Ansprache auf einer Demonstration gegen die Corona-Schutzmaßnahmen am 8. August in Stuttgart. Zunächst gab es Applaus, dann folgten Pfiffe und Buhrufe, als Schroeder unmissverständlich erklärte:

"Ich bin der Auffassung, dass Corona eine hochgefährliche ansteckende Krankheit ist. Und ich bin der Überzeugung, dass Masken tragen und Abstand halten das Wichtigste und Beste ist, was wir in diesen Tagen tun können."

Parodie eines Verschwörungsideologen

Die Einladung zu seinem Auftritt in Stuttgart hatte Schroeder von den Initiatoren der Demonstration erhalten, der Initiative "Querdenken 711", die eine Woche zuvor bereits eine Demonstration in Berlin organisiert hatte. Offenbar hätten die Initiatoren eine Nummer aus seinem neuen Programm missverstanden, dort parodiere er einen Verschwörungsideologen.

Abonnieren Sie unseren Kultur-Newsletter Weekender. Die wichtigsten Kulturdebatten und Empfehlungen der Woche. Ab jetzt immer freitags per Mail.

Schroeder begriff die Einladung als Chance, die Demonstrierenden überraschend mit konträren Ansichten zu konfrontieren und auf die Probe zu stellen, wie ernst sie es mit ihren Rufen nach Meinungsfreiheit nehmen. Er habe jedoch den Eindruck mitgenommen, "dass man Meinungsfreiheit in diesen Kreisen vor allem dann möchte, wenn sie dem entspricht, was man sowieso schon immer gedacht hat".

Irritation und Satire

Mit dieser Haltung seien die Menschen, die derzeit gegen die Coronapolitik der Regierung demonstrierten, freilich nicht allein, so Schroeder. Im Grunde hielten sie uns allen nur "einen Zerrspiegel" vor:

"Ich fürchte, dass ist das Grundproblem unserer Gesellschaft in der Gegenwart, dass wir alle nur noch die Bestätigung unserer eigenen Filterbubble suchen."

"Es ist die Aufgabe von Satire zu irritieren", sagt der Kabarettist. Das Missverständnis, das zu seinem Auftritt führte, versteht er daher als glückliche Fügung:

"Ich bin Satiriker und habe die Gelegenheit genutzt, die ich in diesem Moment hatte – und die auch nur ich hatte. Als Journalist oder Journalistin eines Senders oder der sogenannten ‚Mainstreampresse‘ können Sie da nicht hin, ohne ausgebuht zu werden. Als Poltiker wird es auch schwierig."

Einen weiteren Auftritt dieser Art könne er sich allerdings schlecht vorstellen, so Schroeder. Ohne den Überraschungseffekt müsse der seine Wirkung verfehlen und könnte allenfalls einer pädagogischen Agenda dienen. Darin sehe er jedoch nicht seine Aufgabe: "Ich bin nicht Volkspädagoge, sondern Satiriker."   

(fka)

Fazit

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur